Das junge Pop-Duo GbR aus Saarbrücken steht bei Warner Music unter Vertrag. Joshua Pfeiffer und Xaver Johannes Held geben Auskunft, wie es zu GbR und dem vielversprechenden Plattenvertrag kam.
Joshua, GbR ist kein guter Name, wenn man im Internet nach Euch suchen will. Es gibt viele Gesellschaften bürgerlichen Rechts, aber nur ein Duo mit diesem Namen. War das Absicht oder hattet Ihr bei der Namensgebung gar nicht so weit gedacht?
Darauf hatten wir nicht besonders geachtet, uns ist das selbst auch erst nach einiger Zeit klar geworden. GbR als Name für unser Duo hatten wir bereits längere Zeit im Kopf. Als das Projekt dann Realität wurde, haben wir nicht weiter drüber nachgedacht.
Euer Slogan heißt „Büro ist Krieg“. Das klingt wie aus dem Munde der fiktiven Figur Bernd Stromberg von der Capitol Versicherung AG. Habt Ihr selbst Büroerfahrungen gemacht?
Xaver: Tatsächlich überhaupt keine. Ziel des Projekts war es, etwas sehr klischeehaft Deutsches zu verkörpern. Daher auch der offizielle Firmenname und der Büro-Look. Unsere Musik ist stark inspiriert von alten deutschen Genres wie NDW, Krautrock oder auch Schlager. Da hat dieser unangenehme Stromberg-Vibe super dazu gepasst.
Im September 2023 erschien mit „Kosmische Geräusche“ Eure erste Single auf den Streamingplattformen. Heute habt Ihr mit Lukas Adamidis einen Manager, mit Landstreicher Booking eine etablierte Konzertagentur und steht bei der Majorplattenfirma Warner Music unter Vertrag. Könnt Ihr skizzieren, wie es für Euch so schnell bergauf ging?
Joshua: Die Songs ‚Tipp-Kick‘ mit der Band Tiavo und ‚Lecker Bierchen‘ waren die ersten Releases, die für unsere Verhältnisse extrem durch die Decke gingen. Ein sehr krasses Gefühl, da wir vorher eigentlich nur in unserem erweiterten Umfeld gehört wurden. Wir hatten zu der Zeit ein paar virale Videos auf Instagram und Tiktok. Von da an ging dann alles sehr schnell. Lukas kannten wir bereits als Tiavo-Manager. Da waren die Wege glücklicherweise sehr kurz. Mit ihm zusammen konnten wir dann guten Gewissens entscheiden, welche Angebote passend für uns sind.
Welchen Anteil haben die sozialen Medien an Eurer Karriere? Ohne Klicks keine Auftritte und Streams – kann man das so sagen?
Xaver: Auf jeden Fall. Richtig los ging es für uns, als unsere Social-Media-Kanäle Reichweite bekamen. Da spürt man dann auch nahezu in Echtzeit, dass sich etwas bewegt.
Euren Sound würde ich als Synth-Pop mit NDW-Einschlag umschreiben. Nun seid Ihr junge Musiker, die die NDW-Ära nicht am eigenen Leib erleben konnten. Wie kam es, dass dieser Sound Euch dennoch so stark beeinflusst hat?
Joshua: NDW (Neue Deutsche Welle; Anm. d. Red.) ist für uns die perfekte Mischung aus eingängig und experimentell. Es ist deutschsprachige Popmusik mit Ohrwurm-Refrains, die aber trotzdem nicht zu glatt und mutlos produziert ist. Da finden wir uns gut wieder. Aber das ist natürlich auch nicht unsere einzige musikalische Inspiration. Wir hören uns gerne durch die verschiedensten Genres. Irgendwo findet alles seinen Platz bei uns.
Euer Song „Halber Mensch“ ist ein Verweis auf den gleichnamigen Song und das gleichnamige Album der Einstürzenden Neubauten aus dem Jahr 1985. Ich bin mir nicht sicher, ob es viel zeitgenössische deutsche Popmusik gibt, die sich auf die Neubauten beruft. Wann hattet Ihr diese außergewöhnliche, experimentelle Band für Euch entdeckt?
Joshua: Das dürfte so vor drei Jahren gewesen sein, ein paar Monate bevor wir mit GbR angefangen hatten. Ich versuche, jeden Tag ein neues, mir unbekanntes Album zu hören. Irgendwann war ‚Halber Mensch‘ von den Neubauten an der Reihe. Das hat mich gleich fasziniert und ist auch direkt als Inspiration in das Konzept von GbR eingeflossen. Wenn eine Band für komische Geräusche steht, dann ja wohl die Einstürzenden Neubauten.
Stimmt. Und stimmt es auch, dass Eure ersten Songs im Gartenhaus-Studio komponiert wurden? Gab es da keine Ruhestörung?
Xaver: Nein, da hatten wir ziemliches Glück. Die Hütte stand im Garten der Schwester unseres Freundes. Dort haben wir mit unseren Freunden locker ein bis zwei Jahre unseres Lebens verbracht, bis wir als Gruppe in ein neues Tonstudio umzogen. Wir erinnern uns super gerne daran zurück. Ohne dieses Gartenhaus wäre bestimmt vieles anders gelaufen. Ohne Gartenhaus kein GbR!
Wie viel Arbeit steckt für Euch beide in diesem Projekt? Könnt Ihr einen Einblick gewähren? Der Erfolg kommt ja nicht von ungefähr.
Xaver: Schon sehr viel. Wie viele Stunden täglich, ist aber schwierig zu sagen, da das von Zeit zu Zeit sehr unterschiedlich ist. Mal ist man von morgens bis nachts mit dem Dreh eines Musikvideos beschäftigt, mal ist der Tag erledigt, wenn wir ein bisschen im Studio rumklimpern und ein Video auf Instagram hochladen. Grundsätzlich arbeiten wir so ziemlich jeden Tag an GbR. Irgendetwas gibt es immer zu tun.
Im Juni 2024 erschien Euer Debütalbum „Bürgerhaus“. Dazu schrieb das Onlinemagazin „Diffus“, es sei „Musik, die nach kaltem Kippenrauch riecht, nach verschüttetem Bier und auch ein bisschen nach Schweißflecken auf dem zerknitterten Hemd“. Findet Ihr die Beschreibung treffend oder fehlt noch was?
Joshua: Das trifft es doch ganz gut. Wer von Bier, Kneipe, Kreuzfahrten und Richard David Precht singt, kann einer solchen Beschreibung nur Gutes abgewinnen. Ich würde vielleicht noch das Piepsen eines Faxgeräts hinzufügen. Dann sind wir langsam komplett!
Ihr habt einen Song wie „Lecker Bierchen“ im Programm, der schon über 2,2 Millionen Mal allein bei Spotify gestreamt wurde. Wegen des Songs könnte man Euch als Fun-Projekt abstempeln. Doch das wäre falsch und voreilig, denn in „Einer von Euch“ legt Ihr den Finger in die Wunde und singt das, was viele Wahlberechtigte denken: dass sie vor der Wahl mit Versprechungen geködert werden und danach was anderes gemacht wird. Es heißt da: „Komm, macht das Kreuz bei mir / Denn ich bin so wie Ihr / Ich bin ganz genau wie Ihr.“ Wie gelingt Euch der Spagat zwischen Spaß und Ernst?
Joshua: Das klappt für uns immer ganz gut, da wir, wenn ernste Themen behandelt werden, diese eigentlich immer ins Übertriebene und Lächerliche ziehen. ‚Einer von Euch‘ ist ja schon eine sehr karikierte Darstellung eines Politikers, in der aber natürlich auch sehr viel Wahrheit steckt. Grundsätzlich nehmen wir uns die Freiheit, sowohl ernste Themen mit lustigem Unterton anzupacken als auch völligen Blödsinn ohne Hintergedanken zu fabrizieren. Was von beidem es letztendlich wird, ist immer völlig situationsbedingt.