Vor Kurzem ist das erste medizinische Präventionszentrum in Sulzbach eröffnet worden. Ein breites Angebotsportfolio richtet sich sowohl an Spitzen- und ambitionierte Freizeitsportler als auch an Beschäftigte in Betrieben.
Gesundheit ist das höchste Gut des Menschen. Ausgehend davon sollte man meinen, dass die Erhaltung der körperlichen, geistigen und psychischen Gesundheit jedes Einzelnen oberste Priorität hat. Nur: Wie hoch der eigene Anspruch ist und inwieweit der in Wirklichkeit umgesetzt wird, geht oft auseinander. Am besten sollte Prävention so früh wie möglich beginnen. Von ausreichender körperlicher Bewegung im Kindesalter über Kraft- und Ausdauertraining im Jugendalter bis zur gesundheitsbewussten Ernährung im Alltag. Überhaupt könnten Präventionszentren in Zukunft eine Schlüsselrolle im Gesundheitssystem einnehmen. Überall dort, wo Prävention betrieben wird, können Kosten und Ressourcen eingespart und so letztlich das Gesundheitssystem finanziell entlastet werden.
Ärztlich geführt und an Klinik angebunden
Und dahin will man auch im Saarland kommen. Vor Kurzem ist im kleinsten Flächenbundesland das erste klinische Präventionszentrum eröffnet worden. Was besagt der Zusatz „klinisch“? Es ist an die Knappschaft Kliniken Saar, genauer gesagt an den Standort Sulzbach, angebunden und ärztlich geführt. Außerdem liegt es in unmittelbarer Nähe zur Klinik. Das ist in mehrfacher Hinsicht von Vorteil – doch dazu später mehr. Dabei verfolgen die Knappschaft Kliniken als Träger das Ziel, Gesundheitsrisiken so früh wie möglich zu erkennen, Erkrankungen vorzubeugen und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Vor allen Dingen richten sich die Präventionsangebote an Privatpersonen, denen Gesundheit und Lebensqualität wichtig sind, Mitarbeitende und Führungskräfte von Unternehmen, Leistungs- und Freizeitsportler sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen. Übrigens haben sich die Knappschaft Kliniken Saar den Aufbau des klinischen Präventionszentrums einiges kosten lassen. Alles in allem investierte der Klinikträger eine Summe von rund einer Million Euro, heißt es auf Nachfrage. Mit der Investition wurden moderne Räumlichkeiten geschaffen sowie innovative medizinische Diagnostik- und Präventionstechnologien angeschafft.
Wer durch den barrierefreien Eingang das Präventionszentrum betritt, merkt sofort: Der Eingangsbereich mit einem in der Mitte platzierten Empfangstresen und mehreren Sitzgelegenheiten ist modern und freundlich eingerichtet. Klar aufgeteilt ist die Einrichtung, nämlich in Räume, die sich der Therapie und der Diagnostik widmen. Vom Eingang aus gesehen liegen auf der linken Seite die Therapieräume – ganz zuvorderst die für Physiotherapie. Vornehmlich sollen dort Menschen behandelt werden, die ihre Beweglichkeit fördern und Schmerzen lindern wollen. „Wir werden voraussichtlich einen zweiten Raum einrichten, weil schon jetzt die Anfragen für diese Leistung so hoch sind, dass wir mit einem Raum auf lange Sicht nicht auskommen werden“, sagt Dr. Alexander Jung, der Manager des Knappschaft-Präventionszentrums und leitende Oberarzt der Abteilungen Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikstandort Sulzbach.
Kryokammer gegen chronische Schmerzen
Geht man als Besucher linksseitig geradeaus weiter, passiert man zuerst den Technik-Raum und die großzügigen Toiletten, darunter eine separate barrierefreie. Die zweite Station des Rundgangs: die Kryokammer. In dieser Kältekammer, in der minus 85 Grad herrschen, können unter anderem Spitzen- und ambitionierte Hobbysportler sowie Menschen mit chronischen Schmerzen ihre Regeneration optimieren und ihr Leistungsvermögen steigern. „Mit der Temperatur von minus 85 Grad kann man einen guten Effekt erzielen“, sagt Dr. Alexander Jung. Nebenbei bemerkt: Es gibt auch Kammern, in denen sich die Tiefsttemperatur auf unvorstellbare minus 150 Grad bringen lässt. Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Personen, die sich für die Kältetherapie im Präventionszentrum entschieden haben, werden vorher ärztlich untersucht, um festzustellen, ob sie die entsprechende physische Fitness für den Aufenthalt in der Kryokammer haben. Statt einer ärztlichen Voruntersuchung kann man auch ein medizinisches Attest mitbringen.
Gewissermaßen das Herzstück des Präventionszentrums ist ein hochmodernes Laufband. Das Besondere daran ist, dass sich mit dem Gerät sämtliche Bewegungen analysieren lassen – von statischer über dynamische Haltung, Pedobarografie (dynamische Fußdruckmessung) bis hin zu Armbewegungen. Vor allem sollen von der Analyse Menschen mit angeborenen oder erworbenen Haltungsschäden profitieren. „Es ist in unserer Region ein absolutes Unikat“, sagt Dr. Alexander Jung. Eine weitere Besonderheit des Hightech-Geräts ist, dass es imstande ist, den zeitlichen Bewegungsablauf zu erfassen. Die Analysen werden von Sportwissenschaftlern im Präventionszentrum vorgenommen und daraus werden individuelle Therapiepläne erstellt.
Verschiedene Analysen und Beratung
Ebenfalls an der Stirnseite findet sich ein großer Raum, der für Veranstaltungen, etwa aktuell für regelmäßig stattfindende Vorträge, genutzt wird. In der öffentlichen Reihe informieren Fachärztinnen und -ärzte der Knappschaft Kliniken des Saarlandes in verständlichen Vorträgen über moderne Therapiemöglichkeiten, Vorsorge und neueste medizinische Entwicklungen. Dank der technischen Ausstattung des Raumes können auch Hybrid-Veranstaltungen angeboten werden. „Wir können zum Beispiel vor Ort ein Trainingsprogramm für eine kleine Gruppe zusammen mit Therapeuten organisieren – und das Ganze live nach Hause übertragen.“ Infrage kommt dieses Personal Training für den Rehasport oder für motivierte Patienten, die unter Anleitung ein Trainingsprogramm absolvieren wollen.
Von dort geht es weiter zu drei Behandlungsräumen, in denen verschiedene körperliche (Vor-)Untersuchungen durchgeführt werden. Neben der Option, ein EKG unter Belastung vorzunehmen, steht ein Spiroergometer zur Verfügung. „Die Spiroergometrie kann auf dem Fahrrad oder dem Laufband genutzt werden“, erklärt Dr. Alexander Jung. An das Fahrrad ist ein EKG angeschlossen, damit getestet werden kann, wie sich die betreffende Person unter Belastung verhält. Sie atmet dabei durch eine Maske, so wird gemessen, wie sich die Sauerstoffaufnahme und CO2-Abgabe im Belastungsmodus zueinander verhalten. „Diese Untersuchung zur Bestimmung der Leistungsfähigkeit und Herzgesundheit machen meistens Spitzensportler und ambitionierte Hobbysportler. Wir bieten sie jedoch auch allen anderen Interessenten an“, erläutert Dr. Alexander Jung. Auch kann der Ruheumsatz präzise bestimmt werden. Darunter ist zu verstehen, wie viele Kalorien eine Person im Ruhemodus verbraucht. „Ein solcher Wert ist für diejenigen wichtig, die sich mit einer Schätzung nicht zufriedengeben, um daran anschließend eine Mikronährstoffanalyse und gegebenenfalls eine Ernährungsberatung durchzuführen“, sagt der Facharzt.
In einem separaten Raum steht ein Ultraschallgerät, das für einen großen Check-up essenziell ist. Per sonografischer Untersuchung lassen sich Hohlorgane wie Leber, Nieren und Herz sowie auch Halsgefäße untersuchen. Daneben kann das Gerät auch die periphere Durchblutung messen. „Mit dem pAVK-Screening können wir messen, ob eine Durchblutungsstörung zum Beispiel durch eine Verkalkung der peripheren Gefäße, wie etwa die der Arme und Beine, vorliegt“, erklärt Dr. Alexander Jung. Und in einem weiteren Raum kann vom Körper des Patienten ein 3D-Avatar zur Verlaufskontrolle erstellt werden. „Wenn Patienten nach sechs Monaten wiederkommen, können wir sagen, ob das körperliche Training einen Erfolg gebracht hat.“ Zugleich lässt sich über eine BIA-Messung die Zusammensetzung von Körperfett, Muskulatur, Knochenmasse, Wasser und Zellintegrität bestimmen. Ein weiterer Pluspunkt des klinischen Präventionszentrums: Wünschen Patientinnen und Patienten weiterführende fachärztliche Untersuchungen, können sie an die entsprechenden Fachabteilungen der Knappschaft Kliniken Sulzbach und Püttlingen verwiesen werden. „Der große Vorteil hierbei ist, dass das bei uns übergangslos und ohne lange Wartezeiten möglich ist“, sagt Dr. Alexander Jung.
Gold-, Silber- und Bronze-Karten im Angebot
Wer gezielt Präventionsangebote in Anspruch nehmen will, dem stehen folgende Möglichkeiten offen: Die Knappschaft Kliniken Saar bietet Unternehmen verschiedene Karten, die im neu eröffneten Präventionszentrum im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements eingelöst werden können. Je nach Kartenkategorie – Bronze, Silber und Gold – stehen unterschiedliche Gesundheitsleistungen zur Auswahl. Mit der Knappschaft Kliniken Card Bronze werden zum Beispiel Anamnese, Blutanalyse, körperliche Untersuchung, Ultraschall des Bauchraums, EKG und Gesundheitscoaching abgedeckt. „Das beginnt bei 60 Euro. Die Vorsorgeleistungen können einmal im Jahr über den Arbeitgeber in Anspruch genommen werden. Aber was wir hier bieten, ist mehr als der Gesundheits-Check-up der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagt Dr. Alexander Jung. Die Silber-Card enthält neben den letztgenannten Leistungen auch kardiologische und orthopädische Untersuchungen. In der Kartenkategorie Gold fließen unter anderem auch Laufganganalyse und ein Abschlussgespräch inklusive vorläufigem Arztbrief und Laborbefund mit ein. Für Privatpersonen und Selbstzahler bieten die Knappschaft Kliniken eine Vielzahl an individuellen Gesundheits- und Präventionspaketen an. Eine Reihe von namhaften Kooperationspartnern wie die SV Elversberg, der 1. BCB Saarbrücken Bischmisheim, die HG Saarlouis, die Saarland Hurricanes und der Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland profitieren ebenfalls von den Präventionsangeboten. „Die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler dieser Vereine aus unserer Region können die Leistungen des Präventionszentrums im Rahmen ihrer Medizinpartnerschaft nutzen“, sagt der Präventionsmanager Dr. Alexander Jung.
In nächster Zeit sollen sich Interessierte auf einem Onlineportal anmelden und online ein Formular ausfüllen können. „Da sind wir im Moment dran. Meine Idee ist, dass man dort nicht nur die Vorerkrankungen angeben kann, sondern auch individuelle Wünsche und Ziele formulieren kann“, sagt Dr. Alexander Jung. Nach der Anamnese kann die aus Sicht der Präventionsmediziner sinnvolle Therapie und Leistungsdiagnostik für den Patienten vorbereitet werden. „Das wiederum besprechen wir vorher mit dem Patienten, denn es ist immer die Frage, ob er das wirklich so möchte. Zweitens geht es auch um die Frage der Kosten und Finanzierung“, so Dr. Alexander Jung. Erst wenn all diese Punkte geklärt sind, soll ein auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmtes Paket zusammengestellt werden. Aber: So weit ist das noch nicht, denn bis jetzt gibt es sozusagen festgeschnürte Pakete mit unterschiedlichen Leistungen. Wenn alle datenschutzrechtlichen Hürden genommen sind, soll KI zukünftig eine Aufgabe übernehmen, nämlich wenn es darum geht, die Gesamtheit der Daten eines Patienten auszuwerten. Denn als eine der wenigen vollständig digitalen Kliniken im Saarland könnten die Knappschaft Kliniken Saar am Ende eines Besuchs im Präventionszentrum Sulzbach einen Ordner mit Befunden und Therapieempfehlungen digital an den Patienten übermitteln.