Anfangs gab es heftigen Zoff um den Drei-Milliarden-Transformationsfonds. Inzwischen wird zunehmend sichtbar, wofür das Geld eingesetzt wird. Ein Schwerpunkt: Innovation mit Forschungsförderung, Technologietransfer und Start-ups.
Forschungsergebnisse schneller in konkrete Produkte oder Dienstleistungen umzusetzen und auf den Markt zu bringen, ist eines der Ziele, bei denen den Hochschulen im Land eine zentrale Rolle im Transformationsprozess zukommt. Das andere ist, unternehmerisches Denken zu fördern und Start-ups bestmögliche Rahmenbedingungen zu bieten. Gleichzeitig geht es aber auch darum, dass sich die Hochschulen selbst im Zusammenspiel mit den Forschungseinrichtungen als Leuchttürme für die Attraktivität des Saarlandes als Standort der Zukunft im Wettbewerb behaupten.
Wie diese Ambitionen erfüllt werden können, zeigen eine Reihe von Projekten, die mit Hilfe des Transformationsfonds auf den Weg gebracht wurden. Eine Auswahl:
EnFoSaar
Das Kürzel steht für die Energieforschung Saarland. In dem Projekt geht es um die Erforschung von innovativen Lösungen für Stromspeicher, aber auch um klimafreundliche und effiziente Nutzung von Strom. Angesichts des wachsenden Strombedarfs sollen konkrete Anwendungen zum besseren Umgang mit Strom verhelfen. Beteiligt sind Uni und HTW, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP) sowie das Institut für Zukunfts-Energie- und Stoffstromsysteme (IZES). Die Förderung liegt bei 23 Millionen Euro.
CircularSaar
ist ein Projekt zur effizienteren Kreislaufwirtschaft. Beteiligt sind Forscher der Uni sowie von IZES und IZFP. Es geht darum, wie bereits bei der Herstellung eines Produktes dafür gesorgt werden kann, dass die Materialien nach der Nutzung des Produkts wiederverwendet werden können. Auch hier geht es um Forschung mit dem Ziel, anwendungstaugliche Lösungen zu finden. Fördersumme: rund 33 Millionen Euro. Mit beiden Projekten werden einerseits „wissenschaftliche Exzellenz in Zukunftsfelder gestärkt und zugleich international wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen mit der Saarwirtschaft entwickelt“, sagt Wissenschaftsminister von Weizsäcker. Gleichzeitig seien beide Projekte der Startschuss, um die Ingenieurswissenschaften in Richtung Nachhaltigkeit umzubauen, ergänzt Uni-Präsident Ludger Santen.
SOUNDS
Das Akronym steht für Societal Observatory Using Novel Data Sources. In dem Forschungsprojekt sollen unkonventionelle Datenquellen und unstrukturierte Daten genutzt werden, um Entwicklungen zu analysieren. Durch die Verknüpfung von Informatik und Gesellschaftswissenschaften soll ein neues Analyseinstrument geschaffen werden, das vielfältig genutzt werden kann, etwa zur Erkennung von gesellschaftlichen Entwicklungen oder für Marktanalysen, die sowohl für Politik und Verwaltung als auch für die Wirtschaft präzisere Entscheidungsgrundlagen liefern. Wissenschaftsminister von Weizsäcker: „Das ‚Sounds‘-Projekt wird als Denkfabrik, oder besser: als ‚Think-and-Do-Tank‘, nicht nur fundierte, datenbasierte Analysen liefern, sondern auch konkrete Lösungen entwickeln, die direkt in der Praxis genutzt werden können.“ Fördersumme aus dem Transformationsfonds: 29 Millionen Euro.
Zentrum für Quantentechnologien
Das Zentrum wird in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Forschungszentrum Jülich aufgebaut. Schwerpunkte sind Quantum-Engineering und Quantum-Software. Quantum-Engineering ist die Ingenieurswissenschaft, mit der Quantencomputer und -technologien entwickelt und gebaut werden. Quantum-Software bezieht sich auf Betriebssysteme und Programme für Quantencomputer, mit denen sich Probleme lösen lassen, an denen herkömmliche Rechner scheitern oder für deren Lösung sie enorme Rechenzeiten benötigen.
„Mit dem Zentrum für Quantentechnologien wird ein weltweit sichtbarer Standort geschaffen, an dem Quantentechnologien der zweiten Generation entwickelt werden. Der Fokus auf die Software von Quantencomputern ist hierbei eine Neuheit: Dieser Aspekt ist vor allem in Deutschland noch stark unterrepräsentiert“, sagt Universitätspräsident Ludger Santen. Durch den Schulterschluss mit der exzellenten Saarbrücker Informatik einerseits und der Expertise des Forschungszentrums Jülichs könne es gelingen, diese Lücke zu schließen.
Forschung in konkrete Produkte umwandeln
Der Einsatz von Landesmitteln schafft die Voraussetzung, zusätzliche Mittel von Bund und EU einzuwerben. Nach Angaben von Wissenschaftsminister von Weizsäcker ist es „eine der größten Einzelfördermaßnahmen im Hochschul- und Wissenschaftsbereich, die das Saarland je auf den Weg gebracht hat“. Fördersumme: 53 Millionen Euro.
Scheer School of Digital Sciences at Saarland University
Ist eine gemeinsame Gründung der Universität des Saarlandes und des gemeinnützigen August-Wilhelm-Scheer-Instituts für digitale Produkte und Prozesse. Fachkräfte der Zukunft sollen nicht nur lernen, digitale Techniken zu entwickeln, sondern auch, sie in der Praxis anzuwenden und vorauszudenken, wie die Digitalisierung regionalen Unternehmen dabei helfen kann, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Fördersumme zur Anschubfinanzierung: 25 Millionen Euro.
Start-up-Förderung
Mit einer Investitions-Offensive sollen junge, innovative Unternehmen und Start-ups unterstützt werden. Dazu stellt das Land 40 Millionen Euro Risikokapital aus dem Transformationsfonds zur Verfügung. Insgesamt wachse damit die Summe, die für Start-ups aus unterschiedlichen Förderprogrammen zur Verfügung stehe, auf rund 162 Millionen Euro, sagt Wirtschaftsminister Jürgen Barke. Das mache das Saarland „zum innovativsten Start-up-Förderer Deutschlands, mit dem ausdifferenziertesten Start-up-Fördersystem, das es gibt“.
CISPA
Das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit ist „ein Leuchtturm für den digitalen Wandel und die Innovationskraft unseres Landes“, unterstreicht Wirtschaftsminister Jürgen Barke. Nach einer dynamischen Wachstumsphase soll ein neuer Cispa-Campus in St. Ingbert langfristige Wachstumsperspektiven für internationale Spitzenforschung eröffnen. Das Land fördert das Neubauprojekt aus Mitteln des Transformationsfonds mit bis zu 350 Millionen Euro. Der mit drei Milliarden Euro ausgestattete Transformationsfonds ist das zentrale Finanzierungsinstrument des Landes, um den massiven Herausforderungen durch Klimawandel und technologische Veränderungen sowie veränderte globale Rahmenbedingungen zu begegnen. Das Saarland war das erste Bundesland, das einen solchen Fonds aufgelegt hat (2022). Anfangs war der Transformationsfonds der SPD-Landesregierung heftig umstritten. Der Rechnungshof kritisierte aus seiner Sicht unklare Ziele und mangelnde Transparenz. Die CDU-Opposition warnte vor einer zu hohen Verschuldung. Schließlich gab es eine Verständigung über die Ausgestaltung im Sinne einer „Verantwortungspartnerschaft“. Finanzminister Jakob von Weizsäcker hatte den Transformationsfonds mit den drei großen I, nämlich Industriepolitik, Infrastruktur und Innovation, vorgestellt. Schwerpunkte sind Umwandlung des Ford-Geländes und Umbau zu grünem Stahl, energetische Sanierung und Neubau von Landesgebäuden sowie der Bereich Innovation mit Forschungsförderung, Technologietransfer und Start-up-Förderung.