Regionalligist BFC Preussen fällt auch im Winter mit vielen Transfers auf. Dabei ist die sportliche Ausgangslage richtig gut.
Man kennt das: Sind nach dem ersten Halbjahr einer Saison die Ziele gefährdet, legen Vereine personell gerne noch einmal nach. In der Regionalliga Nordost 2025/26 etwa trifft das auf die BSG Chemie zu: Die abstiegsgefährdeten Leipziger haben in der Winterpause gleich sieben Spieler dazugeholt, um die Klasse zu halten. Auch der BFC Preussen liegt mit sechs Neuzugängen im Verhältnis zum Rest der Staffel deutlich über dem Durchschnitt – dabei ist der Neuling voll auf Kurs: Mit 26 Punkten sind die Berliner auf dem neunten Rang so gut wie aller Abstiegssorgen ledig. Andererseits ist ihr Rückstand zur Spitze so groß, dass in dieser Richtung auch nichts mehr geht – da liegt die Frage nahe, weshalb man bei Preussen (der Verein wird seit 1895 mit doppeltem s geschrieben) mit insgesamt vierzehn Transferbewegungen in diesem Winter eine so hohe Personalfluktuation durchgeführt hat. Zumal man vor der Saison bereits mit 18 Zu- und 22 Abgängen (alle Angaben: transfermarkt.de) einen gewaltigen Umbruch im Kader vollzogen hatte.
Kapitän Breitkreuz bleibt an Bord
Das führt dazu, dass im aktuellen Kader nur noch Kapitän Patrick Breitkreuz (34, seit 2023), Abwehrchef Lenny Stein (30, seit 2024) und Ergänzungsspieler Oliver Maric (23, seit 2024) schon vor Sommer 2025 die Schuhe für die „Adler“ schnürten – dazu kommt Eigengewächs Nikolas Frank (21), der 2023 in die Erste Mannschaft Männer befördert wurde. Schaut man in die Transferstatistik des BFC Preussen, so ist die „Linie“ mit vielen Zu- und Abgängen schon seit 2022 zu erkennen. Im Jahr nach dem Aufstieg aus der Landesliga (siebte Spielklasse) kamen insgesamt 17 neue Spieler (elf im Sommer, sechs im Winter), beziehungsweise verließen 19 die Erste Mannschaft Männer (11/8). In der Spielzeit 2023/24, in der man souverän Meister wurde, sahen die Zahlen (16 Neue: 16/0 – 18 Abgänge: 17/1) von der Gesamtzahl ähnlich, aber von der Verteilung auf Sommer und Winter anders aus. In der NOFV-Oberliga Nord intensivierten sich die Tätigkeiten auf dem Spielermarkt dann noch einmal: 28 Neuzugängen (23/5) inklusive fünf Eigengewächsen standen 21 Abgänge (19/2) gegenüber. Schaden sollte die gewaltige „Rotation“ nicht, denn schon am Ende der ersten Saison dort gelang der nächste Aufstieg.
Natürlich ist das Ganze kein Zufall, schließlich verfolgt man ehrgeizige Ziele rund um die Malteserstraße – die Nr. 3 in der Hauptstadt will man werden hinter dem 1. FC Union und Hertha BSC, und das soll sich auch in der Spielklasse ausdrücken. Die 3. Liga wird angepeilt – schon kommende Saison will man ins Aufstiegsrennen zumindest eingreifen. Der Schritt würde sich 2026/27 dazu auch anbieten, weil der Meister der Nordost-Staffel dann turnusgemäß wieder direkt hochgehen darf – ohne den Umweg über die Qualifikationsspiele nehmen zu müssen. Das allerdings weiß natürlich auch die Konkurrenz von Greifswald bis Zwickau und wird sich nächstes Jahr noch mehr in die Riemen legen.
Deswegen legt die in der aktuellen Winterperiode große Fluktuation nahe, dass sich die in diesem Zeitraum ausgewählten Fußballer im zweiten Halbjahr im Hinblick auf das Erreichen des großen Ziels 2027 einspielen können. Dafür spricht auch, dass einige im Sommer 2025 Verpflichtete nach einem halben Jahr schon wieder weg sind. Dazu zählen Torwart Tim Fisch (20, zum Berliner AK), Phil Butendeich (25, FSV Luckenwalde) und Shean Mensah (26, SV Tasmania) – dazu wurde Gobe Gouano in die Zweite versetzt. Der 25-jährige französische Stürmer, der schon einmal Einsatzminuten für AS Monaco in der Champions League absolvierte, erfüllte die Erwartungen nicht – soll aber offenbar über die Reserve eine Bewährungschance erhalten. Weitere Winterabgänge sind Spieler in ihren 30ern, die mit Preussen aufgestiegen waren, deren Leistungsniveau in der Regionalliga jedoch nicht für mehr als Kurzeinsätze reichte. Dazu zählen Fabio Engelhardt (30, zum TSV Rudow) und Jamil Dem (32, vereinslos) – außerdem wurden dem „altgedienten“ Stephan Brehmer (33, seit 2023 im Verein) beim Wunsch zur Rückkehr in seine Heimat Wilhelmshaven keine Steine in den Weg gelegt. Außerdem fiel auch Timo Habel (22) in der Torhüterauswahl nach dem Prinzip „zwei aus vier“ durch.
Die 3. Liga wird angepeilt
Wer sind aber nun die Neuzugänge des Winters, die das Eingreifen ins Titelrennen 2026/27 voranbringen sollen? Da ist zum einen Flügelspieler Luca Butkovic (21) – der gebürtige Berliner wurde unter anderem bei Tennis Borussia und Viktoria ausgebildet, spielte dann zwei Jahre in der österreichischen Regionalliga beim SV Lafnitz und zuletzt bei Siroki Brijeg in der ersten bosnischen Liga. Philipp Kühn wechselte aus dem US-amerikanischen College-Fußball zurück in seine Heimatstadt – der 23-jährige Mittelstürmer fing sogar mit dem Fußball beim BFC Preussen an und kam dann über die Stationen 1. FC Union, Werder Bremen II zum FSV Luckenwalde in die Regionalliga Nordost. Von dort kommt auch Fritz Schröder: Der 20-jährige, flexibel einsetzbare Angreifer besitzt also ebenso Erfahrung in der vierten Spielklasse und bekam in der Jugend seinen Feinschliff bei Carl Zeiss Jena und dem VfL Wolfsburg. Ebenfalls noch jung ist Justus Götze (21), den es von Mainz 05 II an die Spree gezogen hat –
der rechte Verteidiger wechselte 2019 aus dem Internat von Energie Cottbus in die U17 der Rheinhessen und durchlief in der Folge die Teams bis zur Bundesligareserve. Diese vier gelten als Perspektivspieler und wurden deshalb bis Sommer 2027 gebunden. Das gilt auch für Kanto Voahariniaina (28), den man vom Ligakonkurrenten und Schlusslicht FC Hertha 03 nach Lankwitz gelotst hat. Trainer Daniel Volbert ist überzeugt von der Schnelligkeit des Offensivspielers aus Madagaskar, der im Januar 2025 nach fünfeinhalb Jahren bei Oberligist TuS Makkabi zunächst nach Zehlendorf gewechselt war, sich dort aber nicht durchsetzen konnte. Dazu kommt Daoud Iraqi (26), der bereits 2024/25 für Preussen spielte, dann aber eine Liga tiefer zum SV Tasmania ging, wo es für den Linksaußen jedoch nicht lief.
Für den Außenstürmer spricht, dass er die Nordost-Staffel von seinen Stationen beim BAK, TeBe sowie Babelsberg 03 bestens kennt und auch in Lankwitz keine Eingewöhnungszeit braucht. Iraqi hat sich also für eine Rückkehr entschieden, obwohl er die „Drehtür“ beim BFC Preussen kennt und weiß, was ihn eventuell bald schon erwartet: Die Vereinbarung mit ihm gilt vorerst nur bis zu diesem Sommer.