Kultur, Geschichte und Kulinarisches – das alles bietet der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Seit Oktober 2025 betreibt Bernd Pfeil die „Taverne“ – mit eigenem Bier und kulinarischen Kleinigkeiten.
Heute schreibe ich über die Biosphärenregion Bliesgau, die sich weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus einen Namen gemacht hat, und über den Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Längst hat sich der Bliesgau nicht nur einen Namen wegen seiner besonderen Tier- und Pflanzenwelt gemacht, sondern auch durch die hervorragenden Produkte, die von hier kommen. Ich verweise dabei gerne auf den Bliesgau-Einkaufsführer, der vieles davon auflistet und erklärt. Hier lässt sich entdecken, wo man regionale Köstlichkeiten genießen kann, welche hochwertigen Produkte in unserer Region hergestellt werden und vor allem, wo man diese bekommen kann.
Angebot wird weiter ausgebaut
Vor etwa zwei Jahren war ich schon einmal im Europäischen Kulturpark Reinheim. Dort, an der deutsch-französischen Grenze, ist ein einzigartiges Projekt grenzüberschreitender Zusammenarbeit entstanden. Der weitläufige Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim bietet seinen Besuchern als Freilichtmuseum 7.000 Jahre galloromanische Geschichte inmitten des Unesco-Biosphärenreservats. Auf 70 Hektar kann man hier gallorömische Geschichte zum Staunen, Begehen und Anfassen erleben.
Ein besonderes Highlight in diesem deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekt ist der rekonstruierte Grabhügel der Keltenfürstin von Reinheim, zu deren Grabkammer ein geheimnisvoller dunkler Gang führt. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen die steinernen Reste eines römischen Landgutes mit wieder aufgebauten Nebengebäuden und einem Torhaus. Außerdem gibt es verschiedene Museums- und Ausstellungsgebäude, einen römischen Garten, einen Landschaftspark mit großem Freigelände zum Picknicken und Spielen, die Fundamente einer römischen Kleinstadt mit Handwerkerviertel sowie eine Thermenanlage mit anschaulichen Informationen. Kinder finden jede Menge Spiel- und Mitmachstationen. Zudem gibt es jährlich wechselnde Sonderausstellungen, Themen- und Römerfeste, archäologische Schnuppergrabungen und vieles mehr.
Auf dem Gelände des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim befindet sich in einem rekonstruierten römischen Gebäude auch die „Taverne Reinheim“. Ich war damals mit Freunden dort, und Hans Bollinger, der in Gersheim eine Menge bewegt hat, übernahm die Führung. Ich war richtig begeistert und hätte dort auch noch gerne etwas gegessen. Es gab aber damals nichts – was ich natürlich nicht so prickelnd fand. Das hat sich inzwischen geändert – dank Bernd Pfeil. Dieser eröffnete am 17. Oktober 2025 im Europäischen Kulturpark die „Taverne“ neu. Zurzeit ist freitags bis sonntags geöffnet, der Betreiber will aber im Frühling die Öffnungszeiten erweitern, etwa montags und dienstags. Das hat hier wirklich gefehlt und ist eine echte Bereicherung für den Kulturpark.
Pfeil macht gerne kreative Biere
Ursprünglich stammt Bernd Pfeil aus Nordrhein-Westfalen und kam 1992 ins Saarland. 1997 gründete er im Saarland eine IT-Firma. Nebenbei ging es auch ums Thema Bierbrauen und Gastronomie. Doch irgendwann kam die Entscheidung, Bier und Gastronomie hauptberuflich zu machen. Pfeil ist zudem viel unterwegs auf Märkten, ich traf ihn im vergangenen Sommer etwa auf dem Biosphärenmarkt in Kirkel. Zwischendurch war er auch kurz in Völklingen, um auf der Hütte die Gastronomie zu machen. Doch das wurde nichts. Schade für das Weltkulturerbe Völklinger Hütte!
Bernd Pfeil fühlt sich der Qualität verpflichtet und hatte schon Erfolg mit seiner Küche im Haus Lochfeld. Auch dort kocht er immer wieder gerne. Dazu braut der Mann gern Bier und hat seine eigene Brauerei, Tiny Brew. Im Frühjahr bei der Regionalmesse von „ebbes von hei“ in Dillingen trank ich zum ersten Mal sein Bier und bestellte mir gleich ein zweites, weil es mir so gut schmeckte.
„Alles hat mit dem Hobbybrauen angefangen. Danach habe ich eine Brauerei erworben und diese in Kleinblittersdorf aufgebaut – in großen Seecontainern. Damit bin ich auch sehr zufrieden,“ erzählt Bernd Pfeil. Er ist Mitglied im Verband der Deutschen Kreativbrauer und sagt: „Wir sagen, das Reinheitsgebot ist ein reiner Marketinggag der großen Brauereien. Wichtig ist, dass das, was ins Bier kommt, natürlich sein soll. Und da können auch frische Kirschen ins Bier.“
Mittlerweile schenken sein Bier auch die ersten Gastronomen aus. Mein letztes Tiny Brew trank ich beispielsweise am St. Arnualer Markt in der „Linde“. In der „Taverne“ findet man am Bierhahn Pils, Export, ein braunes Bier und ein Doppel-Bock.
Eigentlich wollte Pfeil gar kein Pils brauen, doch bei den Kunden kommt dieses unheimlich gut an. Mit wenig Malzkörper und schlankem Geschmack. Export hingegen wird mit einem besonderen Hopfen gebraut, und die Gäste verlangen hier oft ein Export mit dem malzigen Geschmack. Das braune Bier ist eigentlich ein Standard Münchner Dunkles. Das Doppel-Bock hat keine hohe Restsüße. Manche Sorten gibt es das ganze Jahr über, andere sind saisonal.
Bernd Pfeil versucht dabei immer, gute Produkte einzukaufen – unter regionalen und qualitativen Gesichtspunkten. Er fühlt sich dem Bliesgau verbunden und sucht auch immer die Zusammenarbeit mit Kollegen. Als wir über den Einkauf von Lebensmitteln reden, merke ich gleich, dass er genau weiß, was er sucht. So fallen Namen, die für Qualität stehen: Metzgerei Maaß, Bäckerei Ackermann und die Bliesgau-Ölmühle.
Seine Soßen macht er alle selbst, in kleinen Mengen kauft er für die Küche das eine oder andere schon im Großhandel. Pasta, Burger, Pinsa, Flammkuchen und wöchentlich ein wechselndes Essen – etwa Schweinebraten, Leberklöße oder Rouladen – stehen auf der Karte. Nach meinem Essen dort kann ich bestätigen: besser eine kleine, aber gute Karte, als eine große schlechte.
Burger mit leckerem Ziegenkäse
Die Pinsa mit Ziegenkäse, Rosmarin, Honig, Meersalz und Lavendel hat mir sehr gut gefallen. Sie schmeckte besonders gut und hatte nichts mit einer Nullachtfünfzehn-Pinsa zu tun. Auch beim Burger fielen mir sofort die Zutaten auf: Ziegenkäse, Bacon, kandierte Walnüsse und eine Bockbier-Honig-Senf-Soße.
Auch seine frischen Kuchen backt er selbst. Die Art der Kuchen ändert sich jede Woche, aber drei, vier hat er meist da. Mein Eindruck nach meinem Besuch: Hier hat jemand Ahnung und das Bestreben, immer gute Qualität zu liefern. Er hat auch nicht versucht, mir ein X für ein U vorzumachen, sondern mich mit guten Tellern überzeugt. So wünsche ich mir das immer.
Diese Grenzregion ist unbeschreiblich schön, man muss nur wissen, wo. Deshalb fahre ich immer im Frühjahr oder Herbst in den Urlaub und bleibe den Sommer über zu Hause und mache dann Ausflüge in der Region. Man kann hier entlang der Saar unglaublich viel entdecken. So wie heute. Ich muss wohl bald mit meinen Freunden wiederkommen!