Der US-Krieg gegen militärische Ziele im Iran gab Hunderttausenden Iranern in Europa Hoffnung, auf ein Ende des Mullah-Regime. Doch wie ein Regimewechsel im Iran aussehen könnte, darüber gibt es bei den Deutsch-Iranern sehr unterschiedliche Meinungen.
Alles erinnert an diesem Donnerstagmorgen, Ende April, an einen Staatsbesuch. Zwischen Kanzleramt und Reichstagsgebäude sperren Polizisten die Zufahrtsstraßen. Ein Hubschrauber der Bundespolizei ist in der Luft, auf der Wiese direkt vor dem Bundestag legen Gerüstbauer letzte Hand an, für eine Bühne. Demonstranten mit iranischen Fahnen, Grün, Weiß, Rot, längst gestreift mit goldenem Löwen und goldener Sonne im Hintergrund versammeln sich.
Der neue „Heilsbringer“?
Es ist nicht die offizielle Fahne der Islamischen Republik, sondern der Monarchie vorher, unter Schah Muhammed Reza Pahlavi. Doch der ist lange tot, sein Sohn Reza Pahlavi ist angekündigt. Ohne staatliche Funktion, sozusagen Privatier aus Florida, wo er in den USA seit über 40 Jahren lebt. Glaubt man der Berichterstattung eines Teils der deutschen Medien, ist er der neue Heilsbringer für das seit fast 50 Jahren unter den Mullahs gebeutelten, iranischen Volks.
Reza Pahlavi Junior erscheint vor der Bundespressekonferenz und fordert in seiner Einlassung Deutschland auf, nicht weiter auf eine diplomatische Friedenslösung mit der Führung in Teheran zu setzen und meint offenbar damit, auch die recht engen Wirtschaftsbeziehungen mit der islamischen Republik auf Eis zu legen. „Jede Beschwichtigungspolitik gegenüber dem repressiven Staatsapparat ist sinnlos“, so der 65-Jährige recht forsch vor den lauschenden Hauptstadtberichterstattern. Vermutlich ein Grund, warum die Bundesregierung unisono ein Treffen von offiziellen Regierungsvertretern mit Reza Pahlavi abgelehnt hat.
Das ist aus Sicht der in Deutschland lebenden Iraner das eine Problem. Das andere, er distanziere sich nicht von den Gräueltaten gegen das eigene Volk durch seinen eigenen Vater in seiner Amtszeit von 1953 bis 1979, so die Sprecherin der Gesellschaft der Deutsch-Iraner (DDI), Sahar Sanaie. Damit ist er ein natürlicher Gegner der Befürworter einer konstitutionellen Monarchie unter Reza Pahlavi, der laut DDI zu hundert Prozent von den USA und Saudi-Arabien finanziert wird, so Sanaie.
Die gut 10.000 Demonstranten pro Reza Pahlavi vor dem Reichstagsgebäude widersprechen erwartungsgemäß der Darstellung der Gesellschaft der Deutsch-Iraner. Eine dritte, europaweit aktive Oppositionsbewegung mit Zentralen in Paris und Berlin, ist der Iranische, Nationale Widerstands-Rat mit ihrer Vorsitzenden Maryam Rajavi. Doch die 72-Jährige, im Eigenverständnis des Widerstandsrat, zukünftige Präsidentin eines demokratischen Iran ist ebenfalls umstritten. Sie ist mit Massoud Rajavi verheiratet, der der Co-Chef der Volksmudschahedin sein soll. Vermutlich dem militärischen Arm des Widerstandsrats, die ebenfalls, wie Pahlavi, von den USA finanziert werden soll. Belege fehlen selbstverständlich auch hier.
Militärischer Arm des Widerstandsrats
Was allein diesen drei Gruppen gemein ist, sie werden erstens vermutlich von den 93 Millionen Menschen, die im Iran leben nicht wirklich wahrgenommen, das Land ist eine streng überwachte Theokratie, vom Ausland faktisch abgeschirmt. Selbst die in den vergangenen zehn Jahren nach Deutschland geflohenen Iraner empfehlen ihren lang hier lebenden Diaspora-Landsleuten, die wiederum deren Flucht mit Geld und Unterkunft unterstützt haben, vielleicht die Iraner im Heimatland darüber entscheiden zu lassen, wie sie zukünftig leben und vor allem von wem sie regiert werden wollen.