Gut ein Drittel der Saarländerinnen und Saarländer lebt im Regionalverband Saarbrücken. Die Regionalversammlung wird am 30. August neu gewählt. Regionalverbandsdirektorin Carolin Lehberger verweist auf die vielfältigen Aufgaben im Sozial- und Schulbereich.
Frau Lehberger, der Regionalverband Saarbrücken ist ja ein bisschen ein unbekanntes Wesen. Was passiert da eigentlich?
Wenn mich Menschen nach meinem Beruf fragen, sage ich: Regionalverbandsdirektorin – das ist fast so etwas wie Landrätin. Damit können die Menschen dann was anfangen. Entsprechend ist die Regionalversammlung vergleichbar einem Kreistag. Und am 30. August werden dann die 45 Mitglieder der Regionalversammlung gewählt. In dieser Versammlung wird, was vielen oft nicht so klar ist, ungemein viel entschieden, was unmittelbar mit dem Leben der Menschen hier zu tun hat. Wir sind, wenn man so möchte, unter anderem eine große Sozialbehörde. Der Großteil unserer Aufgaben – und damit auch der Ausgaben – liegt im sozialen Bereich: Jugendhilfe, Sozialamt, Hilfen zur Pflege und vieles mehr, was unmittelbar bei den Menschen ankommt. Deshalb ist auch so wichtig, dass wir hier weiterhin eine gute Arbeit machen können, und dass eine Versammlung, die über die Schwerpunkte unserer Arbeit entscheidet, ein Gespür für die sozialen Herausforderungen hat, vor denen wir hier im Regionalverband Saarbrücken stehen. Das ist eine große Verantwortung. Unser Haushalt umfasst – mit den Investitionen – über 800 Millionen Euro.
Nun sind viele Dinge gerade im sozialen Bereich durch Bundesgesetze festgelegt. Welche Spielräume hat die Regionalversammlung?
Spielräume gibt es, wenn es beispielsweise um die Gemeinwesenarbeit geht oder um soziale Projekte in Saarbrücken und den umliegenden Kommunen. Spielräume gibt es aber auch bei den so wichtigen kulturellen Aufgaben und Projekten, etwa den Volkshochschulen oder Veranstaltungen wie „Sonntags ans Schloß“, die bekannte Reihe, die im Sommer tausende von Menschen anlockt. Es betrifft auch Projekte in der Jugendarbeit und die Jugendzentren, also Aufgaben, die wir uns leisten, weil wir sie für sinnvoll und notwendig erachten. Und wo der Regionalverband vielleicht am meisten direkt sichtbar wird, sind die Schulen. Wir sind Träger von 70 Schulen, das sind Gymnasien, Gemeinschaftsschulen, Berufliche Schulen und Förderschulen, die alle zum Regionalverband gehören. Da investieren wir sehr viel Geld. Gerade jetzt in den Sommerferien geschieht sehr viel. Wir sind aber auch ansonsten permanent am Sanieren und Modernisieren, die Digitalisierung schreitet voran. Das sind alles Dinge, wo der Regionalverband direkt sichtbar wird, gerade jetzt kurz nach den Ferien. Wir sind mit unseren 50 Schulstandorten der größte Schulträger im Südwesten, und uns ist wichtig, dass wir da auch immer modern unterwegs sind. Außerdem sind wir mit rund 70 Millionen Euro an der Finanzierung der rund 160 Kindertagesstätten beteiligt.
Sie selbst als Regionalverbandsdirektorin stehen jetzt nicht zur Wahl, weil Sie in direkter Personenwahl gewählt wurden. Inwieweit betrifft nun die Wahl der Regionalversammlung ihre Arbeit?
Das betrifft mich in vielfacher Hinsicht. Zum einen leite ich ja die Sitzungen der Regionalversammlung und vieler Ausschüsse und bin natürlich daran interessiert, dass wir im Sinne der Bürgerinnen und Bürger gut zusammenarbeiten können. Und dann trage ich die Verantwortung für die gesamte Verwaltung. Wir haben hier über 1.800 Beschäftigte, und ich will, dass die ihre Arbeit auch in Zukunft weiter machen können und die Verwaltung gut funktioniert. Deshalb bin ich natürlich auch sehr daran interessiert, wie sich die Versammlung zusammensetzt.
Weil die Versammlung wesentliche Dinge entscheidet?
Ja. Die Versammlung entscheidet vor allem über den Haushalt – das Volumen hatte ich schon genannt. Und die Herausforderungen steigen. Die immer weiter steigende Umlage (Abgaben der Kommunen an den Regionalverband zur Erledigung von Aufgaben, Anm. d. Red.) ist eine große Belastung für die Städte und Gemeinden. Also die Zeiten werden härter, der Druck höher und die Herausforderungen größer. Der Haushalt des Regionalverbands ist da ein Spiegel der Gesellschaft. Deswegen brauchen wir eine Regionalversammlung, die versteht, um welche Themen es geht, die eine Empathie hat für die sozialen Herausforderungen. Hier im Regionalverband lebt ein Drittel der Saarländerinnen und Saarländer. Gleichzeitig wird die Hälfte aller Sozialleistungen hier ausgezahlt. Das macht den Schwerpunkt der Arbeit deutlich. Die sozialen Herausforderungen, vor denen das Land steht, sind nun mal hier im Ballungszentrum Saarbrücken und Völklingen besonders zu spüren. Hier leben viele Menschen, die auf Unterstützung des Staates angewiesen sind, es geht um Kinder in Familien, die unterhalb der Armutsgrenze leben, es geht um Wohngeld, um Hilfe zur Pflege. Dafür sind wir zuständig und deshalb davon abhängig, dass hier die richtigen politischen Weichenstellungen beschlossen werden.
Nun ist die Regionalversammlung ja in der öffentlichen Wahrnehmung trotz ihrer Bedeutung nicht so besonders präsent, gleichzeitig ist der Wahltermin 30. August mitten im Hochsommer auch vielleicht nicht so besonders ideal. Wie wollen Sie Menschen davon überzeugen, dass dies durchaus ein besonderes Gewicht hat?
Es stimmt, die Voraussetzungen sind nicht ideal. Wir wollen die Menschen auf vielen Wegen informieren. Wir wollen auch auf die Möglichkeit der Briefwahl hinweisen. Für uns ist eine möglichst hohe Wahlbeteiligung wichtig. Bei einer niedrigen Wahlbeteiligung besteht die Gefahr, dass die Sitzverteilung anschließend verzerrt sein könnte und nicht ein allgemeines politisches Bild widerspiegelt. Wir werden auf verschiedenen Wegen darüber informieren, was der Regionalverband ist, welche vielfältigen Aufgaben wir haben, und für eine Beteiligung an der Wahl werben unter dem Slogan: „Du entscheidest, wer entscheidet“.