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WAS MACHT EIGENTLICH...

1975: Robert Shaw, Roy Scheider und Richard Dreyfuss bei den Dreharbeiten zu „Der weiße Hai“
picture alliance / Everett Collection

Richard Dreyfuss?

Mit „Der weiße Hai“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ wurde er weltberühmt. Er ist weiterhin als Schauspieler aktiv, tritt aber nach seiner Parkinson-Diagnose 2010 kürzer. Heute engagiert er sich primär für seine Stiftung „The Dreyfuss Initiative“.

In seiner langen Karriere als Schauspieler hat Richard Dreyfuss mit der Crème de la Crème in Hollywood gearbeitet. Bei vielen Kollegen war er sehr beliebt, lieferte sich aber mit einigen während der Dreharbeiten auch heftige Auseinandersetzungen. Zum Beispiel mit Robert Shaw, Bill Murray und Oliver Stone. Ein Regisseur, den Dreyfuss allerdings über alle Maßen schätzt, ist Steven Spielberg: „Als ich Steven zum ersten Mal begegnet bin, war er noch der ungekrönte König von Hollywood ... Ich benutze dieses Wort nicht leichtfertig. Aber Steven Spielberg ist für mich das einzige Genie Hollywoods. Ich hatte das Glück, drei Filme mit ihm zu drehen: ‚Der weiße Hai‘, ‚Unheimliche Begegnung der dritten Art‘ und ‚Always – Der Feuerengel von Montana‘.“

Zwischen Erfolg und „Kassengift“

Dreyfuss gehörte nie zu den Hollywoodstars, die sich von der Filmindustrie haben glattbügeln lassen. Er nahm nie ein Blatt vor den Mund und liebte es, gelegentlich auch zu provozieren. So verkündete er vor ein paar Jahren lautstark, dass er Gott sehr gerne ohrfeigen würde. Darauf angesprochen, lacht er und sagt: „Ich hätte gerne eine zweite Chance – und ich würde Gott immer noch sehr gerne ins Gesicht schlagen. Und wenn Gott, wie ich vermute, einen sehr makabren Humor hat, gewährt er mir sicher beides. Aber auf das Zusammentreffen werden wir beide wohl noch warten müssen, denn noch lebe ich ja.“ Und heiter gestimmt fährt er fort: „Ehrlich gesagt habe ich so ziemlich alles erreicht, was ich mir je erträumt habe. Nichts sehnlicher habe ich mir gewünscht, als Schauspieler zu sein. Und zum Glück hatte ich genügend Talent für die Schauspielerei. Es gelang mir sogar, daraus eine Karriere zu machen, die schon mehr als 60 Jahre dauert.“

Richard Dreyfuss - Foto: picture alliance / Everett Collection | Kristin Callahan/Everett Collection
Richard Dreyfuss - Foto: picture alliance / Everett Collection | Kristin Callahan/Everett Collection

Nach ersten Gehversuchen als Schauspieler – dieser Beruf war sein großer Traum – beim Film und im Fernsehen hatte er 1973 seinen großen Durchbruch in Hollywood mit George Lucas’ „American Graffiti“ (1973), an der Seite von Harrison Ford und Ron Howard. Und im Jahr 1978 bekam er, mit gerade einmal 30 Jahren, für seine Rolle in „Der Untermieter“ den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Den goldenen Glatzkopf bewahrt er übrigens im Kühlschrank auf. Danach war er für ein paar Jahre „Hollywoods Golden Boy“ und stand unter anderem für Regisseure wie Steven Spielberg, Rob Reiner, Paul Mazursky und Oliver Stone vor der Kamera.

Dann begann, wie er selbst sagt, seine „dunkle Zeit“. Von Kokain und Alkohol befeuert, driftete er immer mehr in ein selbstzerstörerisches Leben ab. Dieser hedonistische Lebensstil kostete Dreyfuss fast seine Karriere. Lange Zeit war er in Hollywood als „Kassengift“ verschrien und musste, um zu überleben, in Filmen mitspielen, die meist weit unter seinem Niveau waren. Auch seine Ehe mit Jeramie Rain, mit der er drei Kinder hat, sowie die mit Janelle Lacey gingen in dieser Zeit zu Bruch. Doch dann kam das private Glück auch zu ihm: Über seine dritte Ehefrau Svetlana Erokhin, mit der er seit 20 Jahren verheiratet ist, sagt er, sie sei sein „rettender Engel“.

Seit seiner Kindheit leidet Richard Dreyfuss an einer bipolaren Störung, über die er in den 70er-Jahren auch berichtet hatte. Immer wieder hält er Vorträge über seine Störungen, und es liegt ihm viel daran, zur Aufklärung dieser Krankheit beizutragen. „Ich habe – trotz einer Lithiumtherapie, die mir sehr geholfen hat – immer noch Phasen der Niedergeschlagenheit. Und dann auch wieder herrlich euphorische Momente.“

Und mit fester Stimme fährt er fort: „Auch wenn ich zurzeit gesundheitlich etwas angeschlagen bin – immerhin werde ich nächstes Jahr 80, da kann das schon mal vorkommen –, werde ich weiterhin versuchen, die immer noch weit verbreitete Stigmatisierung zu bekämpfen, die Menschen mit bipolaren Störungen zu erleiden haben.“

Obwohl er seit vielen Jahren sein Privatleben im Griff hat und zudem mit bewundernswerter Gelassenheit auch seine Parkinson-Krankheit angenommen hat, ist das Bestimmende in seinem Leben heute ein Gefühl von Angst: „Ich habe Angst, dass wir uns am Anfang vom Ende eines Amerikas befinden – des Amerikas, wie ich es kenne und liebe. Ich mache mir vor allem Sorgen um die Erziehung unserer Kinder. Das Schulsystem in Amerika liegt völlig am Boden. In kaum einem anderen Land der westlichen Hemisphäre werden Lehrer so schlecht bezahlt und haben einen so niedrigen sozialen Status. Und das ist wirklich besorgniserregend. Ich habe über den Niedergang der amerikanischen Kultur ein Buch geschrieben („One thought scares me…“, 2022). Die USA waren einmal eine funktionierende Demokratie. Dieses Erbe haben wir längst verspielt. Heute sind in den USA dunkle Mächte am Werk, die noch aus einem Grashalm Profit herauspressen können. Es ist furchtbar.“

Sorgt sich um Amerikas Zukunft

Im Sommer letzten Jahres hat sich Richard Dreyfuss eine Bronchitis zugezogen, die einen längeren Krankenhausaufenthalt nach sich zog. Inzwischen geht es ihm wieder besser. Allerdings steckt er mit öffentlichen Auftritten zurzeit noch etwas zurück. Mit großer Leidenschaft widmet er sich aber immer noch der „The Dreyfuss Initiative“, die er 2008 gegründet hat. Es ist eine Non-Profit-Organisation, die sich zur Aufgabe gemacht hat, das öffentliche Schulwesen zu fördern. Außerdem spielt er in der Komödie „Killing Winston Jones“ einen Englischlehrer aus Leidenschaft. Der Film soll noch dieses Jahr ins Kino kommen.

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