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WAS MACHT EIGENTLICH...

1994: Als „Unser Lehrer Dr. Specht“ wurde Atzorn einem breiten Publikum in Deutschland bekannt
Foto: picture alliance / Sammlung Richter

Robert Atzorn?

Ab Mitte der 80er-Jahre wurde er durch Hauptrollen in Fern­sehserien zum Publikumsliebling. Für den NDR er­mittelte er von 2001 bis 2008 als „Tatort“-Kommissar Jan Casstorff. Nach seinem TV-Rückzug 2018 kehrt der 81-Jährige jetzt mit „Auf der Spur“ zurück.

Schon Ende 2017 hatte Robert Atzorn seinen Abschied von der Schauspielerei verkündet. Und tatsächlich war sein Einsatz als Chef-Ermittler Theo Clüver in der im Januar 2018 ausgestrahlten Episode der Erfolgsserie „Nord Nord Mord“ sein letztes Gastspiel. Er wollte gehen, solange er noch Erfolge feiern konnte, und sich fortan mehr seiner Familie widmen: „Für mich ist das Kapitel einfach beendet. Ich habe 50 Jahre gearbeitet. Es gibt noch etwas anderes im Leben“, begründete er damals seine Entscheidung. „Ich möchte nicht auf der Bühne oder vor der Kamera sterben. Jetzt ist es genug.“ 

Robert Atzorn 2021 mit Ehefrau Angelika Hartung bei der Matinee-Lesung „Duschen und Zähneputzen – Was im Leben wirklich zählt“ im Kino Museum Lichtspiele, München - Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Familiäre Gründe dürften wohl dann auch dazu geführt haben, dass Atzorn rückfällig wurde: Gemeinsam mit seinem Sohn Jens, an dessen Seite er 2002 und 2004 bereits zweimal zu sehen war, kehrte er nach neunjähriger TV-Pause Anfang des Jahres für Dreharbeiten zum Fernsehfilm „Auf der Spur“ wieder vor die Kamera zurück. 

Er spielt darin einen ehemaligen Arzt und Forscher, der länger im Amazonasgebiet gelebt hat und nun auf einem Hausboot in Hamburg seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf selbstgemachter Salben und Naturheilmittel verdient. Der Film bezieht seinen Reiz auch dadurch, dass Vater und Sohn Atzorn diese realen familiären Rollen auch vor der Kamera konfliktreich verkörpern. Obwohl Robert Atzorn bis zum Filmstart Anfang 2027 noch nicht über inhaltliche Details sprechen darf, zeigt er sich vorab bereits „sehr glücklich mit diesem Projekt“.

Robert Atzorn lebt heute mit seiner zweiten Frau Angelika Hartung, mit der er seit 50 Jahren verheiratet ist und zwei Söhne hat, zurückgezogen in der Nähe von Prien am Chiemsee. Er genießt es,  „in dieser Region mit außergewöhnlicher Lebensqualität für die Einheimischen nicht der Fernsehstar zu sein, sondern einfach nur der Nachbar“!

Schaut auf ein erfülltes Leben

Bevor Atzorn sich jetzt aus seiner unbehelligten Abgeschiedenheit wieder vor die Kamera gewagt hat, gab er nur selten Interviews und trat fast nur noch gelegentlich für Lesungen an die Öffentlichkeit. 2020 hat er die Autobiografie „Duschen und Zähneputzen – Was im Leben wirklich zählt“ veröffentlicht und liest daraus gelegentlich vor Publikum. In den Memoiren reflektiert Atzorn seine früheren Rollen, sein Image und sein Privatleben. 

Seine Erfolge, zu denen auch eine Goldene Kamera, der Telestar, der Grimme-Preis und der Bayerische Fernsehpreis gehören, stehen dabei eher im Hintergrund, dafür thematisiert er offen auch Rückschläge und Ängste, die sein Leben begleitet haben. Anlässlich seines 80. Geburtstages im Vorjahr erklärte Atzorn, dass er auf ein erfülltes Leben zurückschaue und sich heute möglichst gelassen mit existenziellen Themen wie Älterwerden, Vergänglichkeit und Tod auseinandersetze.

Der Abschied von der Schauspielerei sei ihm relativ leicht gefallen, nur für seine Frau sei das damals ein ziemlicher Umbruch gewesen: „Sie hatte ja immer, wenn ich weg war, ihren Freiraum. Jetzt bin ich immer da“, erinnert sich Atzorn kürzlich bei „t-online“. Zudem habe seine Frau es immer geliebt, ihn bei den Dreharbeiten am Set zu besuchen und die Wochenenden gemeinsam zu verbringen. Der Schauspieler bezeichnet seine Frau als den „wichtigsten Menschen in meinem Leben“. 

Mag Yoga und Meditation

In jüngeren Jahren habe sie ihn sogar aus einer Alkoholkrise herausgeholt. In den 90er-Jahren hatte das Paar die Chiemsee-Region verlassen und war für längere Zeit nach Südkalifornien gezogen, wo es bei den Chumash-Indianern eine völlig neue Kultur- und Lebensweise kennenlernte. Von den Mönchen der weltweit tätigen spirituellen Organisation „Self Realization Fellowship“ fanden beide Unterstützung auf ihrem Weg zur Selbstverwirklichung durch Yoga und Meditation. 

Angelika ist sogar als Yoga-Lehrerin tätig und motiviert ihren Mann zu regelmäßiger meditativer Aktivität. Atzorn wandert ansonsten gerne, fährt viel Fahrrad und hält sich gerne in der Natur auf. Robert und Angelika Atzorn, früher unter ihrem Mädchennamen Hartung Schauspielerin und Tänzerin, verfolgen natürlich die Karriere ihrer beiden Söhne mit großem Interesse, zumal sie beruflich ähnliche Wege gehen: Der ältere Sohn Jens (50) ist ebenfalls ein recht erfolgreicher Schauspieler und der jüngere, Daniel (47), arbeitet als Produzent, Regieassistent und Musiker. Besonders freut sich Atzorn darüber, dass er in den vergangenen Jahren als „TV-Pensionär“ auch mehr Zeit für seine Enkel hatte. Seine Frau und er seien nämlich „sehr liebevolle Großeltern“ und sähen die Enkel häufig. Diese hoffen sicher, dass ihr schauspielerisch rückfällig gewordener Opa nach Abschluss der Dreharbeiten für „Auf der Spur“ jetzt wieder häufiger für gemeinsame Aktivitäten zur Verfügung stehen kann. Oder sollte „Aussteiger“ Atzorn jetzt wieder Lust auf die Schauspielerei bekommen haben?

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