Neue Partnerschaften sollen das Saarland international vernetzen. Etwa mit Kasachstan, das über entscheidende Rohstoffvorkommen verfügt. Gegenseitige Besuche und eine Personalie sollen die Verbindung vertiefen.
In Krisenzeiten, in denen alte Verlässlichkeit und Vertrauen weltweit zunehmend an Wert verlieren, wird der Ruf nach neuen Partnerschaften lauter. Die Republik Kasachstan in Zentralasien bietet dafür interessante wirtschaftliche Perspektiven für ganz Deutschland und speziell auch für das Saarland. Mit der Einrichtung einer konsularischen Vertretung Kasachstans in Saarbrücken erhalten die Beziehungen in Wirtschaft, Kultur und Institutionen einen neuen Schub. Der Botschafter der Republik Kasachstan, Nurlan Onzhanov, ernannte im Beisein von Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Generalkonsul Yerlan Umbetbayev den Hauptgeschäftsführer der IHK Saarland, Frank Thomé, Anfang Februar zum Honorarkonsul.
Historische Verbindungen
Die Verbindungen sollen vertieft werden. Zugegebenermaßen gibt es in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Saarland und Kasachstan noch viel Luft nach oben. Das Handelsvolumen belief sich nach IHK-Angaben im vergangenen Jahr auf rund 27 Millionen Euro, allerdings mit steigender Tendenz. Sind es derzeit vor allem die Bergbauzulieferer aus dem Saarland wie Becker Mining Systems oder Koch Solutions, die intensive Geschäftsbeziehungen zum zentralasiatischen Land pflegen, sollen Unternehmen anderer Industriebranchen folgen. Lukrativ erscheinen die Aussichten im Rohstoff- und Energiebereich mit Wasserstoff, in der Infrastruktur und Logistik sowie beim Thema Digitalisierung. Kasachstan verfolge seit geraumer Zeit eine sogenannte multivektorale, sprich austarierende, Außen- und Wirtschaftspolitik, betonte der Botschafter Onzhanov. Mit anderen Worten: eine Fortsetzung der historisch gewachsenen und engmaschigen Beziehungen zu Russland, die Weiterentwicklung der Handelsbeziehungen zu China sowie der Auf- und Ausbau von Partnerschaften mit der EU, vor allem mit Deutschland. Schließlich entwickle sich das flächenmäßig neuntgrößte Land der Welt – fünf Mal so groß wie Frankreich – zu einer bedeutenden Drehscheibe in Zentralasien für den Handel zwischen Asien und Europa.
Deutschland und Kasachstan pflegen seit 34 Jahren diplomatische Beziehungen, seit der Unabhängigkeit, einhergehend mit dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion. Doch die Wurzeln der historischen Verbindungen reichen zurück bis ins 18. Jahrhundert. Fast eine Million Spätaussiedler kam in den 80er- und 90er-Jahren nach Deutschland, viele davon ins Saarland; noch heute leben rund 200.000 Deutschstämmige in Kasachstan.
Die geopolitische Weltlage mit all ihren Krisen und wachsenden Unsicherheiten macht Kasachstan als rohstoffreiches Land zunehmend mehr zu einem wichtigen strategischen Partner Deutschlands in Zentralasien. Nach Angaben der Außenhandelskammer gibt es in Kasachstan bereits rund 400 deutsche Unternehmen, wobei viele von ihnen nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ihren Sitz aus Russland dorthin verlegt haben. Gleiches gilt übrigens auch für russische Unternehmen, die seit 2022 nach Kasachstan gegangen sind. Ob nun aus rein sicherheitspolitischen Gründen oder zur Umgehung von Sanktionen, mag dahingestellt bleiben. Trotz aller geopolitischen Verwerfungen und Unwägbarkeiten wirbt Kasachstan aktiv um Investitionen mit Steuervergünstigungen und Sonderwirtschaftszonen und hat dabei auch deutsche Unternehmen im Blick. Vor allem die Seltenen Erden aus Kasachstan könnten mithelfen, die Lieferabhängigkeit von anderen Ländern zu verringern, ein Ziel, das nach Ansicht der saarländischen Ministerpräsidentin in der Vergangenheit nicht immer konsequent verfolgt wurde.
Nach den Besuchen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier 2023 und des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz 2024 folgte im Mai 2025 eine Delegationsreise der saarländischen Ministerpräsidentin in ihrer Funktion als Bundesratspräsidentin mit Empfang beim Präsidenten Toqajew. Seitdem haben sich die Beziehungen intensiviert, allein der kasachische Botschafter war seit Oktober vergangenen Jahres viermal im Saarland. Anke Rehlinger betonte die gemeinsamen Schnittmengen zwischen dem Saarland und Kasachstan, nannte die aktive Gestaltung des Wandels, aber auch die ihr entgegengebrachte Wertschätzung und die Herzlichkeit der Menschen. „Der Reichtum des Landes ist nicht nur unter der Erde aufgrund der vielen Rohstoffe zu finden, sondern äußert sich auch in der Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen.“ Besonders die persönlichen Kontakte seien hilfreich, um die Wirtschaftsbeziehungen systematisch weiter auszubauen.
Deutsch-Kasachische Universität
Ein Anliegen, das auch dem neuen Honorarkonsul Frank Thomé sehr am Herzen liegt. Denn um nichts anderes geht es bei der neuen ehrenamtlichen Funktion Thomés: die Menschen beider Länder untereinander besser vernetzen durch Unterstützung bei organisatorischen Fragen, bei Geschäftsanbahnungen, Wirtschaftsforen, bei möglichen Kooperationen, bei der Erkennung neuer Potenziale, bei der Kontaktvermittlung, beim kontinuierlichen Dialog oder beim gegenseitigen voneinander Lernen. Das gilt zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung, denn in Kasachstan sind bereits über 90 Prozent der Bürgerservices digitalisiert. Mit seiner wirtschaftlichen Expertise und internationalen Erfahrung verstehe sich Thomé als Brückenbauer zwischen dem Saarland und der Republik Kasachstan, hieß es. Botschafter Nurlan Onzhanov forderte den Blick über die wirtschaftlichen Beziehungen hinaus. Er machte sich stark für einen Jugendaustausch, für Städtepartnerschaften und für Möglichkeiten der Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur, Sport und Bildung. Bereits seit 1999 gibt es eine deutsch-kasachische Universität in Almaty mit dem ehemaligen Rektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Prof. Wolrad Rommel, als Präsident.