Der 1. FC Kaiserslautern gewinnt erstmals 2026 in der Fremde und setzt mit dem 3:2 bei Preußen Münster ein Zeichen. Norman Bassette trifft erstmals für die Roten Teufel, Marlon Ritter schnürt den Doppelpack.
Der 1. FC Kaiserslautern hat sich mit einem 3:2-Auswärtssieg bei Preußen Münster auf Rang sechs vorgeschoben und nach dem Heimerfolg gegen Greuther Fürth den zweiten Dreier in Serie eingefahren. Es war ein Spiel mit Tempo, Zweikämpfen und Wendungen – und eines mit einer besonderen Geschichte rund um Norman Bassette.
Noch vor einer Woche stand der Belgier im Mittelpunkt, allerdings aus den falschen Gründen. Beim 1:0 gegen Fürth hatte er „gleich drei Chancen der Kategorie ‚Hundertprozentig‘“ vergeben, wie es im Umfeld hieß, und musste sich anschließend Kritik aus Teilen des Publikums und in den sozialen Netzwerken gefallen lassen. FCK-Trainer Torsten Lieberknecht reagierte unmittelbar. Er habe seinem Stürmer noch in der Nacht „eine Whatsapp geschrieben“, berichtete er später, und betonte, dass Bassettes Wert „nicht nur an Treffern zu messen“ sei. „Er ist bereit, für die Mannschaft zu spielen, zu ackern, in die Tiefe zu gehen. Und wenn er so weitermacht, kommt er seinem Tor immer näher.“ In Münster kam dieses Tor. Und es kam zu einem Zeitpunkt, der dem Spiel eine klare Richtung gab. Beide Mannschaften verzichteten im Preußenstadion auf ein Abtasten. Nach ersten Annäherungen tauchte Luca Sirch in der siebten Minute im Strafraum auf, wurde von Rondic zu Fall gebracht – Strafstoß für den FCK. Marlon Ritter übernahm Verantwortung und verwandelte souverän flach ins linke Eck zum 1:0 (9.).
Münster antwortete schnell. Eine flach ausgeführte Ecke landete im Getümmel bei Jannis Heuer, der per Rechtsschuss wuchtig ausglich (21.). In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Ter Horst (23.) und Batista Meier (30.) vergaben gute Möglichkeiten für die Gastgeber, während Lautern im letzten Drittel zunehmend zwingender agierte.
Die entscheidende Phase vor der Pause gehörte dann Bassette und Ritter. Zunächst schlug der Belgier eine scharfe Flanke, die Ritter zum 2:1 veredelte (40.). Kurz darauf schraubte sich Bassette im Zentrum hoch und traf per Kopf zum 3:1 (45.+1) – sein Premierentreffer im FCK-Trikot.
„Toll! Es ist ein tolles Gefühl! Ich musste lange auf diesen Moment warten. Tore zu erzielen ist mein Job. Letzte Woche haben wir zwar gewonnen, aber ich hätte treffen müssen“, sagte Bassette nach dem Spiel im Sportschau-Interview. „Deshalb wollte ich eine Reaktion zeigen. Ich will danke sagen – ans Trainerteam, weil sie an mich geglaubt und mir ein gutes Gefühl gegeben haben. Ich bin überglücklich über die drei Punkte und meine Torbeteiligungen.“ Der 21-Jährige lief nach seinem Treffer direkt zur Bank, suchte den Kontakt zu Lieberknecht – ein sichtbares Zeichen für das Vertrauensverhältnis, das in dieser Woche gewachsen war.
Nach dem Seitenwechsel veränderte sich das Bild. Kaiserslautern überließ Münster phasenweise den Ball, stand defensiv jedoch kompakt. Die Partie spielte sich über weite Strecken im Mittelfeld ab, klare Chancen blieben zunächst aus. Die beste Gelegenheit für die Hausherren hatte Batista Meier, der in der 52. Minute im Eins-gegen-eins an einer starken Fußabwehr von Krahl scheiterte.
Lange wirkte es, als habe der FCK alles im Griff. Doch in der Schlussphase wurde es noch einmal eng. Nach einer Kopfballablage von Rondic schnürte Heuer mit seinem zweiten Treffer den Doppelpack und verkürzte auf 2:3 (86.). Münster warf in den letzten Minuten alles nach vorne, während Lautern verteidigen musste.
Lieberknecht und die „unsägliche Kritik“
Weil Kenny Redondo auf der anderen Seite die Entscheidung frei vor Schenk verpasste (90.+4), blieb es bis zum Abpfiff spannend. Am Ende stand dennoch ein unter dem Strich verdienter Auswärtssieg.
Lieberknecht zeigte sich zufrieden – mit dem Ergebnis, vor allem aber mit der Umsetzung. „Hier bei den Preußen zu bestehen, ist nicht einfach, ungeachtet der Tabellenposition. Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir inhaltlich die Dinge umgesetzt, die wir in der Trainingswoche angesprochen haben. Etwa eine schnelle Seitenverlagerung gegen die Raute von Münster oder – wie auch schon im Hinspiel – gute Flanken. Es war heute kein Arbeitssieg, sondern ein gutes Spiel zweier Mannschaften auf einem trotz der Witterungsverhältnisse sehr guten Platz, auch wenn wir das Spiel hätten früher entscheiden müssen. Aber für uns war es wichtig, einfach mal den Auswärtsdreier zu holen. Und das ist uns gelungen.“
Besonders deutlich wurde der Trainer jedoch, als es um den Umgang mit seinem jungen Stürmer ging. „Mich hat es sehr für Norman Bassette gefreut“, sagte der 52-Jährige und wurde grundsätzlich: „Gegen Fürth hat er zwei tausendprozentige Chancen liegenlassen. Was danach auf ihn eingeprasselt ist, war wirklich eine unsägliche Kritik. Das war nicht mehr normal, sondern unter der Gürtellinie, was so ein junger Spieler in den sozialen Netzwerken über sich ergehen lassen muss.“
Fast schon eine Brandrede folgte. Das habe „mit einer normalen Gesellschaft nichts mehr zu tun“, befand Lieberknecht und sprach von einer „Verrohung der Gesellschaft“.
Umso mehr freue es ihn, „dass wir ihm den Rückhalt gegeben haben. Die Mannschaft hat ihm diesen Rückhalt auch gegeben. Ich war mit Norman Bassette sehr zufrieden.“
Auch Marlon Ritter erhielt ein Sonderlob. Der Kapitän ging voran, verwandelte den frühen Elfmeter, traf nach Bassettes Vorarbeit zum 2:1 und prägte das Offensivspiel. Neben ihm ragte Luca Sirch heraus, der den Strafstoß herausholte und immer wieder Tiefe ins Spiel brachte.
Sportdirektor Marcel Klos stellte den Erfolg in einen größeren Kontext. „Ich war auch nach der Niederlage in Darmstadt überzeugt, dass wir gegen Fürth und auch gegen Münster gewinnen können. Weil ich an die Mannschaft glaube, weil ich an den Trainer glaube. Und weil wir ganz klar die Qualität haben, Spiele zu gewinnen“, sagte er. Gerade gegen Gegner aus dem Tabellenkeller seien es „Big Points für uns – gerade auch, weil es auswärts war, wo wir noch nicht so viele Punkte geholt haben.“
Mit 37 Punkten ist der FCK nun Sechster, der Abstand zu den Top fünf beträgt fünf Zähler. Auf die Frage nach Ambitionen im Aufstiegsrennen reagierte Lieberknecht zurückhaltend: „Das ist noch sehr weit weg. Für uns war es wichtig zu gewinnen. Die Punkte tun uns aber trotzdem gut, wenn man sieht, wie eng alles ist. Aber unser Blick geht nur geradeaus – zum nächsten Spiel.“
An diesem Samstag empfängt Kaiserslautern den SC Paderborn auf dem Betzenberg. In dieses Spiel kann der FCK mal wieder mit ein wenig Rückenwind gehen. Denn in Münster war vieles dabei: Effizienz, Widerstandskraft und Emotion. Und ein Stürmer, der nach einer harten Woche die richtige Antwort gegeben hat.