Der Transfer von Gabriel Fontaine löst im Umfeld der Eisbären Berlin große Euphorie aus. Der Stürmer will an seine herausragende Saison beim DEL-Rekordchampion anknüpfen.
Nach einer Saison zum Vergessen gab Gabriel Fontaine ein Interview mit einer Münchner Zeitung. Darin sprach er über seine Verletzung, das enttäuschende Halbfinal-Aus mit Red Bull – und er äußerte auf subtile Art auch seine Hoffnung auf Besserung. Der Lesefreund antwortete auf die Frage, welchen Titel das Buch der abgelaufenen Spielzeit 2025/26 haben könnte, folgendermaßen: „Vielleicht ‚Es werden bessere Tage kommen‘.“ Zufall oder nicht: Zwei Wochen später sorgte die Nachricht, dass der Eishockeyprofi von München zu den Eisbären Berlin wechselt, für Aufsehen. Fontaine war erst vor einem Jahr von den Eisbären an die Isar gewechselt, und zwar als einer, „der zu den absoluten Topspielern dieser Liga gehört“, wie Red-Bull-Manager Christian Winkler damals stolz verkündete: „Seine läuferischen und körperlichen Qualitäten werden unserem Spiel helfen.“ Doch die Realität sah etwas anders aus.
München hatte sich mehr erhofft
Der Mittelstürmer kam in 38 Spielen auf 21 Scorerpunkte – eine Bilanz, die okay ist, aber nicht überragend. In den entscheidenden Playoffs konnte er nur einmal für München auflaufen. Eine nicht näher genannte Unterkörperverletzung kurz vor dem Jahreswechsel im Spiel gegen die Löwen Frankfurt hatte den Kanadier mächtig aus der Bahn geworfen. Die Münchner Verantwortlichen hatten sich sicher mehr erhofft von dem Transfer, und so legten sie Fontaine auch keine Steine in den Weg, als dieser um eine Rückkehr nach Berlin bat. Fontaine besaß bei Red Bull eigentlich noch einen Vertrag bis 2027. Die Eisbären sind sich sicher, dass der Angreifer bei ihnen wieder zu alter Topform finden wird. In der Meistersaison 2024/25 war er einer der überragenden DEL-Profis, erzielte 40 Scorerpunkte in 42 Hauptrundenpartien (19 Tore, 21 Vorlagen). In den Playoffs war er ebenfalls einer der Titel-Helden (9 Punkte in 14 Spielen). Besonders herausragend war seine Schusseffizienz von 19,79 Prozent. Doch Fontaine war in Berlin nicht nur einer, der auf den eigenen Erfolg aus war. Ganz im Gegenteil. Seine sehenswerte Puckkontrolle, seine geschmeidigen Bewegungen, seine starke Übersicht, sein unermüdlicher Einsatz auch im eigenen Drittel – all das beeindruckte auch die Fans. Fontaine spielte sich schnell in die Herzen des Berliner Publikums.
Umso mehr schmerzte sein Abgang nach nur einer Saison. Doch die Rückkehr löste nun große Vorfreude bei den Anhängern aus. Genauso wie bei den Club-Verantwortlichen und beim Spieler selbst. Da der Angreifer wieder mit der gewohnten Rückennummer 97 auflaufen wird, können die Fans einfach ihre alten Trikots herausholen, sollten sie sie damals mit den Namen und der Nummer des Kanadiers beflockt haben. „Ich freue mich sehr, wieder zurück nach Berlin zu kommen“, sagte Fontaine und verriet: „Vor zwei Jahren hatten wir eine besondere Spielzeit, und auch in der letzten Saison hatte ich fortlaufend Kontakt mit meinen ehemaligen Mitspielern.“ Über seine Saisonziele wollte er so konkret noch nicht sprechen. Aber klar sei, dass der Meister erneut „ein Anwärter auf den Titel“ sei. Er könne es „kaum abwarten, wieder loszulegen“. Zumal er auch die Hauptstadt, die „viel zu bieten“ hat, vermisst habe. Während seiner ersten Zeit in Berlin hatte er auch dem legendären Techno-Club „Berghain“ mal einen Besuch abgestattet. „Was für eine Erfahrung! Ich bin nicht sicher, ob ich noch mal hingehen würde“, sagte er rückblickend: „Aber ich würde jedem empfehlen, das einmal auszuprobieren.“ Im Red-Bull-Kosmos wird spekuliert, dass sich Fontaine und seine Familie in der bayerischen Landeshauptstadt privat weniger wohlgefühlt hatten und dass dies auch ein gewichtiger Faktor für den Wechsel gewesen sei.
„Verletzt draußen zu sitzen ist nie lustig“
Auch sportlich war seine erste Zeit in Berlin für alle Seiten ein Gewinn. Eisbären-Sportdirektor Stéphane Richer verspricht sich deshalb vom Stürmer, der 2016 vom NHL-Club New York Rangers an Position 171 gedraftet wurde, einen direkten Input ohne größere Eingewöhnungszeit. „Er hat bewiesen, dass er ein Topspieler der Liga ist“, sagte Richer: „Zudem bringt Gabriel gute Führungsqualitäten mit. Sowohl auf als auch abseits des Eises.“ Fontaine selbst will zunächst aber vor allem eins: die Verletzungs-Seuche ablegen. „Ich will gesund bleiben – das ist das Wichtigste“, sagte er im Interview der Münchner „TZ“: „Ich fühle mich besser. Verletzt draußen zu sitzen ist nie lustig, ich will dem Team helfen.“ Sein Team ist nun ein anderes, doch das Ziel ist das gleiche. Er habe nach dem Halbfinal-Aus mit München viel über die auch für ihn persönlich schwache Saison nachgedacht, „du sprichst mit den Teamkollegen, hast noch Sitzungen.“ Doch mit dem Wechsel nach Berlin und dem Sommerurlaub schob er diese Gedanken beiseite. Es sei wichtig, auch mal Abstand zu gewinnen. „Eishockey ist so intensiv. Das ist neun Monate lang dein täglicher Alltag“, sagte der Kanadier: „Deshalb ist es gut, etwas frische Luft zu bekommen, mental abzuschalten und dich auf andere Dinge zu konzentrieren.“
Fontaine verriet auch, wie er sich vom Eishockey-Alltag ablenkt: Der Sport spielt bei ihm auch in der langen Pause eine enorm wichtige Rolle. Aktive Erholung nennen Experten das. „Es gibt immer Training und Skating während des Sommers, um auf dem richtigen Level zu bleiben“, sagte der 29-Jährige. Er spielt auch gerne Golf, wofür in der stressigen Saison kaum Zeit bleibt. „Es ist das Schöne an dieser Zeit, dass du die Freiheit hast, andere Dinge zu tun“, sagte der Eishockeyprofi über die monatelange Sommerpause. Er sei schon als kleiner Junge sehr vielseitig an Sport interessiert gewesen, zum Beispiel sei er viel Mountainbike gefahren. „Irgendwann wurde die Kombination teuer und meine Eltern haben mir gesagt, ich müsse wählen“, erzählte er: „Nun ja, ich habe schon mit drei Eishockey gespielt und war viel besser darin. Da fiel die Wahl nicht schwer.“ Dennoch profitiere er noch heute vom Mountainbiken, so Fontaine: „Es ist sehr ausdauerorientiert, mit vielen Reaktionen und Intervallbelastungen – es geht rauf, runter – ich denke, das hilft schon. Ich habe damit aufgehört, weil ich keine Verletzungen im Sommer riskieren wollte, die den Winter gefährden könnten.“
Auch für seinen Neustart in Berlin will er nichts riskieren. Der 1,85 Meter große und 92 Kilogramm schwere Athlet will von Beginn an die hohen Erwartungen erfüllen, die die Verantwortlichen, Teamkollegen und Fans in ihn setzen. Fontaine soll Bullys gewinnen, Gegenspieler blocken, den Puck behaupten, Tore schießen, Torvorlagen geben. Und er will das Bild, das er in München abgab, geraderücken. Er will wieder ein Unterschiedsspieler sein und kein Mitläufer. Er will mit dem Rekordchampion erneut Meister werden und dabei einen gehörigen Anteil haben. Die Qualität dazu hat er, die Motivation auch. Doch auf der Trainerposition gab es eine Neubesetzung, statt Serge Aubin hat nun Éric Dubois an der Bande das Sagen. Das Spielsystem dürfte sich aber nicht grundlegend ändern, und Fontaines Qualitäten dürften auch unter dem neuen Coach gefragt sein. So oder so: Der Rückkehrer will einfach wieder sein Ding durchziehen und auf dem Eis nicht so viel nachdenken. „Ich versuche, Dinge einfach zu halten“, sagte er. Und nach der Spielzeit sagen können: ‚Es sind bessere Tage gekommen.‘