In „No Hit Wonder“ landet der erfolglose Popstar Daniel im Krankenhaus. Pflegerin Lissi möchte den miesepetrigen Patienten für ihre Zwecke nutzen. Die Komödie stellt die Frage, ob Singen glücklich macht.
Florian David Fitz ist ein bisschen allein – jedenfalls in der deutschen Kinolandschaft. Nachdem Til Schweiger sich nach einigen Aussetzern zurückgezogen hat und Matthias Schweighöfer sich in dramatischen Rollen versucht, ist Florian David Fitz zurzeit der einzige Schauspieler, der das richtige Händchen hat für erfolgreiche Komödien mit lebensnahen, authentischen Geschichten. Der jetzt 50-Jährige hat mit „Der geilste Tag“, „100 Dinge“ und „Oscars Kleid“ als Hauptdarsteller und Drehbuchautor für volle Kinos gesorgt.
Das Besondere an seinen Filmen: Sie sind stets unterhaltsam, haben immer auch einen Hauch Tragik und hinterfragen gesellschaftliche Zustände wie Einsamkeit, den Wunsch nach menschlicher Selbstbestimmung und die Jagd nach Reichtum. Auch seinem neuen Film „No Hit Wonder“ gelingt diese Gratwanderung.
Einsamkeit ist ein großes Thema
Daniel ist allein. Der Sänger hatte vor langer Zeit einen großen Pop-Hit. Inzwischen hält er sich mit Auftritten in Einkaufszentren über Wasser. Er muss einsehen, dass er ein One-Hit-Wonder ist und ihm keine weitere besondere Karriere bevorsteht. Tiefpunkt: RTL lehnt ihn als Dschungelcamper ab. Als er genug hat von den Misserfolgen, beschließt er sich umzubringen – und hofft, wenigstens nach seinem Tod noch einmal groß in die Medien zu kommen. Aber nicht einmal die Pistole setzt er richtig an: Er schießt sich ein Loch in die Wange und fällt vom Balkon seiner Plattenbauwohnung in den Vorgarten. Stark ramponiert landet er in der Psychiatrie. Dort pflegt ihn Lissi. Sie hat eigentlich keine Lust auf den Job. Sie möchte viel lieber mit einem Forschungsprojekt groß rauskommen. Sie wittert bei Daniel ihre Chance und schlägt ihm einen Deal vor: Sie hilft ihm bei seiner Flucht aus der Geschlossenen, dafür soll er mit einsamen Menschen singen und prüfen, ob Singen glücklich macht. Was als Zweckgemeinschaft beginnt, entwickelt sich zum chaotischen Abenteuer. Daniel und Lissi glauben, den jeweils anderen kontrollieren und ausnutzen zu können, verstricken sich aber in gegenseitige Abhängigkeit.
Zwei Stunden gute Laune
Frust, Einsamkeit, ein Suizidversuch – nicht unbedingt passende Themen für einen unterhaltsamen Film. Dass „No Hit Wonder“ dennoch eine gute Komödie geworden ist, liegt hauptsächlich an Florian David Fitz. Der Schauspieler mit neuer Blondhaarfrisur hat auch das Drehbuch geschrieben und lässt seine Filmfiguren über die Tragik des Lebens, über Verzweiflungstaten, über die Hoffnung auf eine gute Zukunft und über enge Freundschaften streiten. Die Regie bei „No Hit Wonder“ führte Florian Dietrich (Regie in der ZDF-Neo-Serie „Doppelhaushälfte“), der ebenfalls wie sein Hauptdarsteller ein gutes Gespür beweist für die humorvolle Erzählung einer dramatischen Prämisse. An Fitz’ Seite spielt Nora Tschirner die überengagierte Medizinerin Lissi. Die Schauspielerin hat schon in „Keinohrhasen“, „Zweiohrküken“, „Wunderschön“ ihr komödiantisches Talent bewiesen. Bei dem Trio Fitz/Dietrich/Tschirner ist es also kein Wunder, dass „No Hit Wonder“ nach Daniels Flucht aus dem Krankenhaus noch an Unterhaltungswert gewinnt. In der zweiten Hälfte der Story rücken andere Patienten mit ihren Schicksalen in den Fokus. Depression, Burn-out, Alzheimer – jeder hat schwer zu schleppen an einem ganz persönlichen Päckchen. Weder veralbert „No Hit Wonder“ diese Krankheiten, noch macht der Film die Erkrankten zu Witzfiguren. Der Film nimmt sie ernst und bietet durch die Chor-Gründung einen Weg zurück in die Gemeinschaft an. Das klappt selbstverständlich nicht reibungslos, allein durch Singen ist nicht alles wieder ins rechte Lot zu rücken.
Am Ende von „No Hit Wonder“ bleibt etwas Bitterkeit, die aber durchaus nötig ist, um Tragik und Komödie im Einklang zu lassen. Alles andere wäre zu oberflächlich. Allein ist im Finale niemand mehr, sodass die Frage eindeutig beantwortet wird: Singen macht glücklich und bringt Menschen zusammen – auch in den Kinos, in denen „No Hit Wonder“ für zwei Stunden für gute Laune sorgt.