Spätestens mit der Menopause beginnt sich die Gender-Lücke bezüglich des Schnarchens allmählich zu schließen. Ab diesem Lebensabschnitt schnarchen Frauen fast genauso häufig und laut wie Männer.
Die Erkenntnisse einer repräsentativen, im März 2019 veröffentlichten Studie zum Schnarchverhalten der beiden Geschlechter dürften viele Frauen sicherlich schockieren. Zumal das Wissenschaftsteam unter Leitung von Prof. Nimrod Maimon von der israelischen Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva einen hochinteressanten Ansatz für seine Arbeit gewählt hatte. Alle 1.913 Teilnehmer der Studie, etwa doppelt so viele Männer wie Frauen (1.238 Männer und 675 Frauen), wussten vorab, dass mit ihrem Schlaf etwas nicht in Ordnung gewesen war. Daher wurden sie zunächst vorab um Selbstauskünfte zu ihrem persönlichen Schlafverhalten gebeten. Anschließend wurden ihre Angaben im Schlaflabor überprüft und dabei ihre Atemgeräusche exakt festgehalten. Obwohl mehr als ein Viertel der Frauen die Eigeneinschätzung abgegeben hatte, geräuschlos zu schlafen, zeigten die Labor-Messwerte das Gegenteil. Unter den männlichen Teilnehmern hatten sich nur sieben Prozent vorab selbst unkorrekt als Nicht-Schnarcher eingestuft. Etwa viermal mehr Frauen als Männer hatten sich daher fälschlicherweise als Nicht-Schnarcher angesehen. Wobei die erhobenen Messdaten letztendlich 93 Prozent der an der Studie beteiligten Männer und 88 Prozent der Frauen als Schnarcher ermitteln konnten.
Auch in der durchschnittlichen Lautstärke des Schnarchens war der Unterschied zwischen den Geschlechtern nur marginal: 50 Dezibel bei den Frauen, 51,7 Dezibel bei den Männern, was in etwa der Lautstärke eines normalen Gesprächs oder leiser Radiomusik entspricht, ein Weckerklingeln steht für rund 60 Dezibel. Unter den 37 Prozent der Frauen, die nach Ende der Labormessungen verlautet hatten, beim Test überhaupt nicht geschnarcht zu haben, fanden sich schwere oder sogar sehr schwere Schnarcherinnen mit Lautstärken von 55 Dezibel und mehr. „Die allgemeine Annahme, dass Männer deutlich häufiger schnarchen als Frauen, ist in dieser Absolutheit nicht richtig“, so der Hallenser Schlafmediziner Dr. Steffen Schädlich in einem MDR-Interview, „Männer schnarchen deutlich früher und auch schon bei geringerem Übergewicht oder geringerem Alkoholkonsum. Frauen haben bis zur Menopause einen gewissen Schutz vor diesen unschönen Dingen. Aber spätestens ab diesem Zeitpunkt gibt es kaum noch Unterschiede.“
Schnarch-Lautstärke-Weltrekord
Die Britin Jenny Chapman hatte mit unglaublichen, bei ihr von Ärzten gemessenen 111,6 Dezibel den Schweden Kåre Walkert im „Guinness Buch der Rekorde“ abgelöst, was in etwa der Lautstärke eines Rockkonzertes oder eines Düsenjets im Tiefflug entspricht. Als ursächlich für diese enorme Lärmbelästigung, die ihren Ehemann Colin zur Flucht in ein getrenntes Schlafzimmer veranlasst hatte, war eine Fehlstellung im Rachen.
Anatomische Besonderheiten
Frauen haben generell eine engere Rachenöffnung als Männer, auch ihre Atemwege, vor allem die Nasenhöhle, die Luftröhre oder die Verästelungen der Bronchien sind kleiner ausgebildet, weshalb sie eigentlich anfälliger für Schnarchen sein müssten. „Aber ihre Zunge fällt seltener zurück, weil die Muskulatur aufgrund des Östrogeneinflusses bei ihnen eine höhere Spannung aufweist. Außerdem flattern die Weichteile des Rachens weniger beim Atmen“, so die „Apotheken Umschau“.
Schnarchen und Hormone
Frauen haben dank der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron bis zur Menopause einen gewissen natürlichen Schutz gegen die Ausbildung des Schnarchens, weil beide Hormone dazu beitragen können, den Muskeltonus in Hals und Atemwegen, sprich den Spannungszustand dieser Muskeln, auch während der Schlafphase aufrechtzuerhalten. Ab der Menopause führt die Abnahme der beiden Hormone dann jedoch wegen der Erschlaffung von Muskeln und Gewebe im Hals- und Rachenbereich zu einer erhöhten Inzidenz des weiblichen Schnarchens und dessen Lautstärke.
Schnarch-fördernde Faktoren
Hier gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern, von daher gilt das Gleiche, wie unter diesem Punkt auf der vorhergehenden Seite schon mitgeteilt wurde.
Schnarchen und Alter
Ab der Menopause holen die Frauen ihren Rückstand ganz gehörig auf. Und im Unterschied zu den Männern verläuft die Abnahme des Schnarchens bei Frauen ab dem 59. Jahr deutlich langsamer. Das konnte in einer 2017 publizierten Studie aus Taiwan nachgewiesen werden, deren Ergebnisse allerdings lediglich auf Computer-geführten Telefoninterviews mit 3.624 Erwachsenen (1.473 Männer und 2.151 Frauen) beruht hatten. In der Untersuchung wurde bei den weiblichen Teilnehmern die höchste Schnarchrate im Alter zwischen 50 und 59 Jahren festgestellt. Als Erklärung dafür wurden die Zunahme der Adipositas abdominalis, die durch eine übermäßige Fettansammlung im Bauchbereich gekennzeichnet ist, und der mit der Menopause einhergehende Östrogenabfall genannt. Ausführlich wurde in den hiesigen Medien auch eine Studie des Londoner „Royal National Throat, Nose and Ears Hospital“ aus dem Jahr 2018 referiert. Weil die Ergebnisse so verblüffend gewesen waren und die gängigen Vorstellungen zwischen den Geschlechtern bezüglich des Schnarchens gleichsam auf den Kopf gestellt hatten. Die britischen Forscher wollten bei ihrer Untersuchung herausgefunden haben, dass junge Frauen zwischen 25 und 34 Jahren viel schlimmer schnarchen als ihre männlichen Altersgenossen. In der Studie wurde behauptet, dass stolze 34 Prozent der jungen Frauen dreimal pro Woche „schwer“ geschnarcht hatten, während das von den gleichaltrigen jungen Männern nur 31 Prozent geschafft hatten. Als Begründung für dieses überraschende Schnarchen der jungen Frauen wurde von den Wissenschaftlern ein deutlicher Anstieg der weiblichen Fettleibigkeit seit dem Jahr 1990 angeführt. Außerdem hatten die Forscher eine erhebliche Reduktion des Schnarchens ab dem 75. Lebensjahr herausgefunden, wovon Frauen wie Männer gleichermaßen profitieren sollen.