Mark Ruffalo spielt in „Task“, einer der besten Thriller-Serien dieses Jahres, einen FBI-Agenten: Er leitet eine Sondereinsatzgruppe, die Drogengangstern im Biker-Milieu das Handwerk legen soll. Ein episches Katz-und-Maus-Spiel zwischen seelischen Abgründen, Tod und Vergebung.
Delaware County ist eine Bilderbuch-Gegend westlich von Philadelphia mit Wäldern, Seen, Flüssen und über das Land verstreuten Städtchen. Dort lebt und arbeitet der Müllmann Robbie Pendergast (Tom Pelphrey); er wurde von der Mutter seiner Kinder verlassen und muss zudem den gewaltsamen Tod seines Bruders Billy verkraften. Mit seinem Kollegen Cliff (Raúl Castillo) späht er bei den Müllabfuhr-Touren die Häuser von Drogendealern aus. Nach Feierabend kehren die beiden dann in die Drogenhöhlen zurück – und erbeuten jedes Mal große Mengen Bargeld. Mit dem Geld will Robbie sich, seinen beiden jungen Kindern und seiner erwachsenen Schwester Maeve (Emilia Jones) ein neues Leben ermöglichen – jenseits der Grenze, in Kanada. Mit jedem Beutezug scheint Robbie seinem Traum ein großes Stück näher zu kommen. Doch dann nimmt das Unglück seinen Lauf: Bei einem missglückten Raubzug gegen Mitglieder der örtlichen Motorrad-Gang „Dark Hearts“ werden Robbie und Cliff in eine Schießerei verwickelt. Zurück bleiben zwei Tote – und ein verwaister Junge. Weil Robbie sich nicht anders zu helfen weiß, nimmt er diesen Jungen mit zu sich nach Hause.
Streben nach einem besseren Leben
Unweit davon steckt Tom Brandis (Mark Ruffalo) mitten in einer Existenzkrise. Vor einem Jahr ist seine geliebte Frau ums Leben gekommen. Ausgerechnet sein eigener – psychisch auffälliger – Sohn hat sie im Affekt erschlagen. Seitdem versucht Tom, sich nicht vom Schmerz übermannen zu lassen und seine schwer traumatisierte Familie irgendwie zusammenzuhalten. Allerdings ist das Verhältnis zu den beiden Töchtern ziemlich angespannt. Seinen tristen Alltag versucht er, mit Alkohol wenigstens etwas abzumildern.
Tom ist ein ehemaliger katholischer Priester, der den Talar der Liebe wegen ablegte und den es eher zufällig zum FBI verschlagen hat. Eines Tages wird er von seiner Chefin (Martha Plimpton) beauftragt, eine Task-Force zusammenzustellen, die diese mysteriösen Überfälle aufklären und einen Bandenkrieg im Drogenmilieu verhindern soll. Zusammen mit der jungen Polizistin Lizzie (Alison Oliver), dem arroganten Cop Anthony (Fabien Frankel) und der Scharfschützin Aleah (Thuso Mbedu) nimmt er den Fall in Angriff. Anfangs scheinen die schleppenden Nachforschungen von Tom & Co. nirgendwohin zu führen. Doch dann wird aus dem Katz-und-Maus-Spiel tödlicher Ernst.
Die Idee zu „Task“ hatte Brad Ingelsby, der schon mit der ausgezeichneten Serie „Mare of Easttown“ (2021) mit Kate Winslet in der Hauptrolle gezeigt hat, wie man spannende Geschichten erzählen kann, die weit über die übliche Krimi-Konfektion hinausgehen. Die Menschen, die bei „Mare of Easttown“ und „Task“ vorkommen und von einem ungnädigen Schicksal zusammengewürfelt werden, sind sehr sorgfältig gezeichnet. Das lässt sie echt und absolut authentisch wirken. Es sind innerlich strauchelnde, ja zerrissene Figuren, die bei der Suche nach einem Sinn im Leben sehr müde geworden sind. Wie Robbie Pendergrast, wie Tom Brandis. Sie stehen zwar auf der jeweils anderen Seite des Gesetzes, haben aber vieles gemeinsam: Verantwortungsbewusstsein, tief empfundene Liebe zu den Menschen und zum Leben, einen Sinn für Gerechtigkeit und eine Sehnsucht nach Erlösung. Immer wieder streuen die Drehbuchautoren Brad Ingelsby und David Obzud in die Handlung von „Task“ religiöse Beiklänge ein, sicher nicht zufällig.
Hervorragende Besetzung
Bemerkenswert ist auch, dass „Task“ nur sehr langsam auf den Plot zusteuert und sich Zeit lässt, damit sich die komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen voll und ganz auffächern können. Und immer wieder gibt es auch stimmungsvolle Bilder voller Schönheit von der majestätischen Natur im Delaware County, die mit der brutalen Realität aus Mord und Totschlag in herbem Kontrast stehen. In der fünften Episode treffen Robbie Pendergrast und Tom Brandis dann endlich aufeinander. Und da entfaltet sich die ganze Tragödie mit wahrhaft epischer Wucht.
„Task“ zeichnet sich auch durch eine durchgängig hervorragende Besetzung aus. Hier sind Schauspieler am Werk, die innere Konflikte sensibel und ohne Schönfärberei sichtbar machen können. Und die, wenn es darauf ankommt, auch vor roher und todbringender Gewalt nicht zurückschrecken. Besonders hervorzuheben ist dabei Tom Pelphrey, den man unter anderem schon in „Ozark“ und der True-Crime-Miniserie „Love & Death“ als versierten Schauspieler kennenlernen konnte. Er spielt Robbie – bei all seiner kriminellen Energie – mit einer ergreifenden Menschlichkeit, die einem als Zuschauer wirklich unter die Haut geht. Und endlich konnte auch Hollywoodstar Mark Ruffalo wieder einmal sein ganzes Können ausspielen. Er hat in seiner langen Karriere – neben seinen Ausflügen ins Marvel-Comic-Universum als Hulk – ja schon häufig düstere Figuren dargestellt, die sich im Leben nur schwer zurechtfinden.
Auch der Witwer Tom Brandis hat seine besten Tage lange hinter sich. Zu Hause muss er mit einer zerrütteten Familie klarkommen, die er von den erlittenen Verletzungen zu beschützen versucht. Und in seinem Job als FBI-Agent muss er Jagd auf einen Menschen machen, den er eigentlich retten will. Wie Ruffalo, als dieses fragile (Un-)Gleichgewicht dann schließlich kippt, den Agenten Brandis ohne großes Gewese, sondern mit Würde und Hingabe gestaltet – das ist große Schauspielkunst. Lassen wir zum Schluss noch Tom Brandis selbst zu Wort kommen, der im Laufe der Ermittlungen zu seinem Task-Force-Kollegen sagt: „Es ist einfacher, von Vergebung zu reden, wenn man nicht selbst betroffen ist.“