Hertha BSC siegt in Kaiserslautern und geht mit breiter Brust in die Ligapause. Das 1:0 auf dem Betzenberg war nicht nur der dritte Ligaerfolg in Serie, sondern vor allem Ausdruck neuer defensiver Stabilität und gewachsener Überzeugung.
Ob die besondere Statistik etwas mit der Vergangenheit von Luca Schuler zu tun hat? Der Mittelstürmer von Hertha BSC wurde jedenfalls zehn Jahre lang in der Jugend des 1. FC Kaiserslautern ausgebildet, mittlerweile spielt Schuler die zweite Saison für Hertha BSC und bringt es dort auf insgesamt sieben Tore. Drei davon aber gelangen ihm allein auf dem Betzenberg: zwei vergangene Saison beim 4:3-Sieg der blau-weißen Berliner – und vergangenen Samstagabend zum Tor des Tages beim 1:0-Erfolg.
Wie in seinem Wohnzimmer ließ der 26-Jährige jedenfalls im Strafraum FCK-Verteidiger Gyamfi mit einer Körpertäuschung stehen und traf platziert in die Ecke. Der Sieg fiel nach allgemeiner Einschätzung unter dem Strich verdient aus, wenn die Hauptstädter auch in der Schlussphase die Kontrolle phasenweise verloren. So hatte Prtajin als Höhepunkt des Spannungsbogens noch in der Nachspielzeit für die „Roten Teufel“ getroffen, das Tor wurde aber letztlich wegen einer knappen Abseitsposition nicht anerkannt.
„Das ist das Quäntchen Glück, das wir uns in den letzten Wochen erarbeitet haben“, hatte Tjark Ernst nach Abpfiff die passende Erklärung dazu parat. Herthas Torwart konnte sich dabei erneut in einigen wichtigen Situationen auszeichnen. „Was er gehalten hat, ist brutal“, lobte Torschütze Schuler anschließend in einem Interview, „er ist ein Riesenrückhalt für uns.“ Und Routinier Toni Leistner, der zwischenzeitlich wegen einer Wunde mit einem „Turban“ spielen musste, rettete einmal per Kopf auf der Linie.
Nach Abpfiff schwärmten so alle im Berliner Tross besonders von der starken Abwehrleistung: „Wir haben uns in alles geworfen“, beschrieb es Stefan Leitl kurz, aber begeistert. Ein zweites Tor zur Absicherung des Ergebnisses wäre dabei allerdings nicht nur wünschenswert, sondern auch möglich gewesen: „Nach 60, 65 Minuten muss das Ding hier erledigt sein – wir waren die klar bessere Mannschaft und hatten Riesen-Tormöglichkeiten“, fand Herthas Trainer im Anschluss auch ein Haar in der Suppe.
In der Tat vergaben Fabian Reese je einmal vor und nach der Pause, Schuler und Michael Cuisance die Chance auf das 2:0, außerdem hatte Kennet Eichhorn Pech mit einem Pfostenschuss unmittelbar vor der Halbzeit. Dazu wurden mehrere Umschaltsituationen unsauber zu Ende gespielt, sodass es gar nicht erst zu einem möglichen Torabschluss kam. „Wir haben uns leider nicht belohnt, um das Spiel zuzumachen, und dann kommt der ‚Betze‘ natürlich mit der Emotion und der ersten Torchance aus dem Nichts.“
Doch mit Leidenschaft und Glück hielt „die Null“ am Ende auch im vierten Pflichtspiel in Folge – insgesamt siebenmal ließ die Berliner Abwehr in der 2. Liga 2025/26 bereits kein Gegentor zu (dazu noch zweimal im DFB-Pokal), einmal mehr als in der gesamten Vorsaison. Die Defensive ist also unverkennbar auch die Ursache für den Aufwärtstrend von Hertha BSC – und, so Stefan Leitl: „Je öfter du zu null spielst, desto mehr Selbstvertrauen gibt dir das.“
Und so können die Berliner auch mal wieder eine länger nicht mehr erreichte Marke knacken: nach aktuell drei Ligasiegen in Folge, die erst zum dritten Mal seit Herbst 2016 gelangen, käme der vierte beinahe schon der Einstellung eines „Uraltrekords“ gleich. Dazu müsste nach der Ligapause noch ein Heimsieg gegen Eintracht Braunschweig her (21. November, 18.30 Uhr) – zuletzt war das im Frühjahr 2013 unter Trainer Jos Luhukay in der 2. Liga geglückt. Damals schaffte Hertha BSC den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga als Meister des Unterhauses – gegen eine Wiederholung der Geschichte hätte man nun bei der „Alten Dame“ sicher nichts einzuwenden.
Noch keine Rückkehr von Zeefuik
Um den großen Wurf im kommenden Sommer zu schaffen, braucht es allerdings noch viel Geduld und Fleiß. Schließlich sind es zum Relegationsrang zwar nur noch drei Zähler, zum FC Schalke 04 auf Platz zwei aber immer noch sieben. Dafür tüftelt Stefan Leitl auch Woche für Woche an der passenden Aufstellung – drei Wechsel hatte Herthas Trainer etwa in Kaiserslautern in der Startelf vorgenommen.
Im Fall von Linus Gechter, der wegen Oberschenkelproblemen passen musste, war er zur Änderung gezwungen. Dabei hatte er sich für folgende Umstellung entschieden: Michal Karbownik verschob er von der linken auf die rechte Defensivseite, während Niklas Kolbe sein Glück auf der anderen Außenbahn versuchen sollte.
Der feierte erst seinen zweiten Startelfeinsatz für die Berliner, weil er zwischenzeitlich wegen einer Rippenverletzung pausieren musste. Auch die Tatsache, dass der 1,96 Meter große Innenverteidiger eben auf der Außenbahn nicht unbedingt zu Hause ist, sorgte für einen gewissen Überraschungseffekt – dabei hatte Leitl zuvor ja bereits Gechter in dieser Form umfunktioniert, und Kolbe durfte sich beim 2:0 gegen Dynamo Dresden zumindest eine halbe Stunde nach seiner Einwechslung auf dieser Position bereits einarbeiten.
Viele hatten aber vermutlich mit einer Rückkehr des wieder genesenen Deyovaisio Zeefuik gerechnet, doch das Risiko eines längeren Einsatzes schien dem Trainer wohl noch zu groß. Kolbe machte seine Sache dann auch ordentlich – bekanntermaßen ist der 28-Jährige trotz seiner Körpergröße schnell und technisch beschlagen.
Dazu rotierte der Hertha-Coach aber auch erneut personell: So kehrte Eichhorn an Stelle von Diego Demme auf die Doppel-Sechs neben Paul Seguin zurück. Schon in der englischen Woche zuvor hatte Leitl in diesem Bereich alle drei möglichen Varianten ohne erkennbaren Qualitätsverlust aufgestellt, dafür aber eine sinnvolle Belastungssteuerung erreicht.
Nach einer Stunde ersetzte Demme dann wiederum den auch bereits verwarnten 16-Jährigen – zu diesem Zeitpunkt durfte auch Torschütze Schuler Feierabend machen und wurde wieder durch Sebastian Grönning ersetzt.
Auch die Startelfnominierung von Marten Winkler (für Maurice Krattenmacher) machte sich dabei in Kaiserslautern bezahlt: Als schneller Flügelspieler und Flankengeber hatte der 23-Jährige schließlich das Führungstor von Schuler vorbereitet.
Auch in diesem Fall war die Änderung ein Resultat der verbesserten Personalsituation, die gleichzeitig eine optimierte Anpassung an das jeweilige Spiel sowie die erforderliche Belastungssteuerung ermöglicht. Auf diese Weise will man nun auch die wichtige Phase mit fünf ausstehenden Partien bis zum Ende der Hinrunde möglichst erfolgreich bestreiten.