Der Ferrari Amalfi ist der Nachfolger des Ferrari Roma, der vielen als der schönste und eleganteste Ferrari gilt. Der Amalfi steht dem in nichts nach – ein Supersportwagen mit 640 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von über 320 Kilometern pro Stunde. Dennoch ist er alltagstauglich und auch problemlos für längere Strecken gut nutzbar.
„Unseren Amalfi“ dürfen wir dieses Mal in Hamburg übernehmen. Als wir die Geschäftsräume des Händlers betreten, sticht uns gleich ein türkisgrüner Ferrari Amalfi ins Auge, der prominent im Ausstellungsraum steht. Einfach wunderschön, ist die Farbe doch in Anlehnung an das Wasser der Küste von Amalfi gewählt. Meine Lieblingsfarbe ist zwar gelb, aber der Amalfi sieht in diesem New Green, wie es offiziell heißt, wirklich traumhaft aus. Auf dem Hof stehen noch einige andere Amalfis, die alle Farben zeigen, die für diesen Ferrari verfügbar sind, aber keine kommt an dieses Türkisgrün heran.
Über dem tief gezogenen Frontspoiler, der prägnant wie ein markantes Kinn ist, befindet sich ein Lufteinlass, der über die gesamte Breite der Front geht. Darüber liegt eine schmale Partie, an der das Nummernschild befestigt ist. Zwischen der flachen Motorhaube und der beschriebenen Partie haben die Designer dem Ferrari Amalfi einen „Mund“ spendiert, der mit einem breiten Lächeln in die mandelförmig angeschrägten Scheinwerfer übergeht. So entsteht der Eindruck eines überaus freundlichen Lächelns.
Am Ende der Frontscheibe senkt sich das Dach ununterbrochen zum flachen Heck hin. Die seitliche Linie prägen breite Türen und Dreiecksfenster, die Ausblick für den Bereich hinter den Sitzen gewähren. Das Heck schließt mit einer senkrechten Abrisskante ab. Die Rückleuchten sind symmetrisch über den vier Auspuffrohren angeordnet. Sie haben die Form einer „coolen“ Sonnenbrille. Auf jeder Seite gibt es zwei Elemente und jeweils zwei Auspuffrohre. Diese erzeugen im Einklang mit dem Acht-Zylinder-Motor einen famosen Klang, bei dem es mir schwer ums Herz wird, wenn ich daran denke, dass es diese Symphonie in einigen Jahren vermutlich nicht mehr geben wird. So ausgestattet ist der Ferrari Amalfi für den Betrachter von außen ein wahres Kunstwerk. Damit haben die Designer es geschafft, zwei spannungsgeladene Antipoden zu schaffen, die im äußeren Erscheinungsbild des Amalfi und seinem Innenraum bestehen.
Einsteigen lässt es sich ausgesprochen angenehm. Für einen Sportwagen dieser Klasse ist das überraschend einfach, genauso wie der Ausstieg, der sogar noch bequemer funktioniert. Das Innere des Ferrari Amalfi ist ebenfalls eine wahre Pracht, aber hier liegt der Schwerpunkt auf Sportlichkeit und Funktionalität. Das Armaturenbrett ist auf die notwendigen Details reduziert. Das Lenkrad enthält alle für den Fahrer wichtigen Bedienelemente. Der Amalfi hat sogar das ganz neu eingeführte Lenkrad-Modell, das wieder mit echten Schaltern anstelle von Touch-Sensoren arbeitet. Mein Fahrer hat mir glaubhaft versichert, dass sich das Lenkrad ausgezeichnet anfühlt und bedienen lässt. Lediglich die Schalter für die Blinker, die ebenfalls am Lenkrad sitzen, haben bei ihm für Irritation gesorgt. Jedes Mal, wenn er blinken wollte, verspürte er einen Drang zum Griff nach dem Blinkerhebel, den er gewohnt ist. Den gibt es aber nicht, aber daran gewöhnt man sich recht schnell.
Neues Lenkrad wieder mit „echten“ Knöpfen
Einige Autohersteller richten das Armaturenbrett so aus, dass der rechte Teil sich zum Fahrer hinneigt. Er hat dann das Gefühl, in einem Cockpit zu sitzen. Der Beifahrer wird „ausgegrenzt“. Nicht so bei Ferrari. Hier hat der Beifahrer einen ähnlich hohen Stellenwert wie der Fahrer, denn als Beifahrer habe ich direkt vor mir im Armaturenbrett ein breites Display. Dieses zeigt nicht nur – wie es bereits früher bei Ferrari der Fall war – wichtige Fahrtinformationen an, sondern es ist hier auch ein Touch-Display, über das ich für mich wichtige Funktionen steuern kann. So kann ich verschiedenste Sitzeinstellungen vornehmen, die Sitzheizung und -lüftung regulieren oder mich massieren lassen – was übrigens ausgesprochen angenehm ist.
Das Armaturenbrett ist in der Mitte durch einen fast waagerechten Lüftungsauslass unterteilt. Er ist die Trennlinie zwischen den beiden Cockpits. Der Fahrer hat natürlich deutlich mehr als der Beifahrer, aber das, was Ferrari mir spendiert, vermittelt mir das Gefühl, dass dieses Auto tatsächlich an alle Insassen denkt. Das sind zwar nur zwei, aber ich fühle mich ernst- und wahrgenommen. Das ist bei weitem nicht in jedem Auto so.
Die Mittelkonsole besteht aus mattem Metall und enthält neben einer Ablage noch einige für den Fahrer wichtige Bedienelemente. Hervorzuheben ist aus meiner Perspektive, dass der Fahrer nie vom Blick auf die Straße abgelenkt wird, weil er irgendeine Bedienfläche auf einem großen Touchscreen suchen muss. Vielmehr kann er alles Wichtige per Knopf- oder Rädchenbedienung erledigen. Das meiste davon sogar, ohne eine Hand vom Lenkrad zu nehmen.
Bequeme Schalensitze, geeignet für Langstrecke
Die Sitze sind Schalensitze mit integrierter Kopfstütze. Sie sind sehr bequem und wir können sie in vielfältiger Weise einstellen. Neben den selbstverständlichen Variationen können wir auch eine Lordosenstütze und den Seitenhalt variieren. Das sorgt für perfekten Sitzkomfort, auch auf langen Strecken. Hinter den Sitzen finden wir Platz, um Jacken, Taschen oder kleines Gepäck zu verstauen. Der Kofferraum bietet Platz für einen großen Reisekoffer oder zwei Bordcases, so scheint es uns. Wir haben es mangels Gepäckstücken nicht selbst ausprobiert.
Mein Fahrer stellt gleich zu Anfang unserer Testfahrt fest, dass „man den ja auch langsam fahren kann!“ Das hat ihn überrascht, denn er fährt das erste Mal einen Ferrari und hatte erwartet, dass jeder Druck auf das Gaspedal den Wagen wie eine Rakete beschleunigen würde. Natürlich ist der Ferrari auch dafür gut, wie Matthias auf der Autobahn mit überschwänglicher Begeisterung erfährt: „Das ist ja geil, wir fahren 220 Stundenkilometer und der zieht ab, als würden wir stehen!“ Ja, das macht er – und nicht nur bei 220 Kilometern pro Stunde, wie ich aus Erfahrung weiß.
Unser Testwagen begeistert nicht nur uns, sondern auch andere Menschen. In Hamburg überquert ein kleiner Junge vor uns an einer roten Ampel die Straße und winkt ganz begeistert und lächelnd zu uns. Auf einem Parkplatz, den wir für eine Mittagspause ansteuern, hält direkt neben uns ein sportlicher französischer Wagen. Die Fahrerin wartet mit dem Aussteigen, bis auch wir aussteigen. Ihr eigenes Auto lässt keine Zweifel, dass sie begeisterte Autofahrerin ist – trotz ihres fortgeschrittenen Alters. Erst erreichen uns nur vorsichtige Blicke, dann die schüchterne Frage: „Der ist noch ganz neu, oder?“ Ja, das ist er. Er hat erst 8.000 Kilometer auf der Uhr. „Der hat doch bestimmt 400 PS?!“ Nein, er hat 640 PS – große Augen und fasziniertes Staunen sind die Folge. „Der ist sicher teuer im Unterhalt im Monat?“ Ja, das ist er bestimmt. Wie teuer, wissen wir nicht, aber das verraten wir nicht. Wir genießen an dieser Stelle den Anschein, als wäre es unser eigenes Auto. Nachdem wir uns in Richtung Bistro aufmachen, um einen Happen zu essen, drückt sich die ältere Dame die Nase an der Scheibe des Amalfi platt. Hätte sie danach gefragt, hätten wir ihn ihr gerne ausführlicher gezeigt.
Exzellente Kurvenlage auch bei hohem Tempo
Zweimal haben wir Passanten um eine Auskunft gebeten, beide Male neigten sie sich weit nach unten, um einen Blick ins Innere erhaschen zu können, was eigentlich gar nicht notwendig gewesen wäre. Aber wir können es verstehen, denn wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit, solch ein Ausnahmeauto aus nächster Nähe zu betrachten?
Neben den ganzen Schwärmereien für unseren Testwagen sollte erwähnt werden, dass er uns oft genug mit Wucht in die Sitze gepresst hat, wenn Matthias mal so richtig Gas gegeben hat. Die Kurvenlage ist exzellent und vermittelt uns das Gefühl, wie auf Schienen unterwegs zu sein. Es ist herrlich. Dieses Auto hat wirklich das Zeug, uns dauerhaft zu Begeisterungsstürmen hinzureißen.