Seit über zwölf Jahren arbeitet Tara Tut aus Köln als Creatorin im Beauty-Bereich. Im Interview erzählt sie von ihren Anfängen und ihrem Alltag und gibt Einblicke in ihre liebsten sommerlichen Make-up-Looks.
Liebe Tara, wie entstand Dein großes Interesse für den Beauty-Bereich?
Beauty war immer schon mein Schwachpunkt. Mein erstes Geld gab ich in Parfümerien aus und testete bis spät in die Nacht Produkte. Ich liebte schon als Kind Farben und Liner und jede Art von Glitzer und Glam.
Du bist schon seit zwölf Jahren Creatorin. Wie hat sich die Branche seit Deinem Beginn verändert?
Sehr stark. Früher war Social Media deutlich entschleunigter. Die Menschen haben sich Zeit genommen, Inhalte bewusst anzuschauen und Creator wirklich zu begleiten. Heute ist alles schneller geworden und der Algorithmus entscheidet oft mit, was überhaupt gesehen wird.
Wie sahen Deine Anfänge als Beauty-Creatorin aus?
Mein erstes Youtube-Video drehte ich in meiner alten Studentenwohnung. Die Lichter und die Kamera waren geliehen und ich hatte vor Aufregung einen komplett verschwitzten Kopf. (Lacht) Ich habe einfach gemacht, was die Follower wollten, und bin beinahe auf jeden Wunsch eingegangen. Hauls und Beauty-Tutorials waren früher DAS Ding.
Wie ging es danach weiter und wie wurdest Du erfolgreich?
Am Anfang war es gar nicht so leicht, mit Marken zusammenzuarbeiten. Viele Unternehmen konnten damals noch nicht einschätzen, welchen Einfluss Social Media hat.
Ich habe sogar Vorträge für große Firmen wie L’Oréal oder Procter & Gamble gehalten und ihnen erklärt, wie Social Media funktioniert. Mit der Zeit haben Marken erkannt, dass Creator ihre Zielgruppen oft direkter erreichen als klassische Werbung. Dadurch hat sich die Branche professionalisiert und es entstanden Managements und langfristige Kooperationen.
Wie hat sich Dein eigenes Instagram-Profil mit der Zeit verändert?
Das Jahr 2013 und die folgenden Jahre waren relativ easy. Es gab keine Storys und auch keine weiteren Plattformen, die so stark wie Youtube und Instagram waren. Man schoss ein paar Bilder, suchte sich ein einziges raus, auch Karussell-Posts gab es damals noch nicht, bearbeitete es stark mit Filtern und dann wurde es ins Internet gestellt. Tausende von Menschen interagierten sofort und liebten nahezu alles, was man ihnen gab. Ich liebte diese Zeit sehr. Einfach, weil man schnell und unbeschwert Momentaufnahmen teilen konnte.
Wie darf man sich Deinen Alltag vorstellen. Aus welchen Bereichen und Tätigkeiten besteht Dein Beruf und wie sieht Deine Arbeit hinter den Kulissen aus?
Mein erster Gedanke jeden Tag ist (leider) der Content. Während ich die Zähne putze, meinen Sohn für die Kita fertig mache und ihn hinbringe, habe ich nur Termine und Abgaben im Kopf, die ich an diesem Tag erledigen muss. Ich möchte Content so machen, dass die Follower, meine Freunde, Freude daran haben. Dass sie wissen, dass sie alles schaffen können, dass sie alle schön sind. Ich habe eine Mitarbeiterin und ein Management und wir sitzen natürlich auch an Strategien, um Kunden, die ich liebe, zu akquirieren. Ich kann gar nicht sagen, wie die Tage genau aussehen, da sie alle unterschiedlich sind. Entweder wir shooten den ganzen Vormittag bis etwa 14 Uhr oder ich drehe und schneide in meinem Ankleidezimmer/Büro. Danach hole ich mein Kind ab und arbeite zwischendurch und, wie jetzt, wenn er eingeschlafen ist, weiter.
Du hast inzwischen Deine eigene Make-up-Marke Tamtam Beauty. Wie kam es dazu und was ist Dir bei den Produkten wichtig?
Meine Beauty-Brand gibt es seit 2018. Damals gab es nicht viel mit High-End-Qualität in der Drogerie. High End war und ist aber nicht gerade erschwinglich. Ich wollte, dass jeder das Gefühl von High End zu Hause hat, und habe daher meiner Meinung nach die besten Produkte zu der Zeit entwickelt. Meine Beauty-Produkte waren in rund 2.000 dm-Filialen als Limited Edition verfügbar und dauerhaft ausverkauft. Und auch die neue Kollektion ist atemberaubend, darauf könnt ihr euch verlassen.
Mit welchen besonderen Aufträgen warst Du in der letzten Zeit beschäftigt?
Mein letzter großer Launch war die Co-Creation mit Newsha Professional Haircare. Ich habe ein Sleek-Gel entwickelt, welches die Haare sanft an Ort und Stelle hält, es nicht bricht oder austrocknet. Es ist mit dem legendären Soft-Cotton-Duft versehen und wirkt wie eine Haarmaske. Das enthaltene Lecithin und der schwarze Hafer pflegen die Haarstruktur maximal und das Gel kann ganz ohne Rückstände aus dem Haar gekämmt werden. Ein Muss in jeder Haircare-Schublade!
Wenn Du Dinge im Modebusiness und bei den sozialen Medien verändern könntest, welche wären das?
Ich würde mir wünschen, dass wir im Modebusiness und auf Social Media wieder mehr Echtheit zulassen. Weniger inszenierte Perfektion, weniger Vergleich und mehr Persönlichkeit. Mode sollte Ausdruck sein, nicht Druck. Und Social Media sollte inspirieren, nicht verunsichern.
Für welche Dinge außer Make-up-Looks und -Fotos nutzt Du Deine Reichweite gern?
Politisch habe ich mich die letzten Jahre einige Male geäußert. Manche sehen es gern, sehr viele aber weniger. Trotzdem finde ich, muss man sich immer stark für Schwächere, Ärmere und nicht europäisch aussehende Menschen einsetzen. Ich weiß selbst, wie hart die Gesellschaft ist, und mag, wahrscheinlich aufgrund meines Sternzeichens, absolut keine Ungerechtigkeit.
Welche Beauty- und Pflegeartikel sind für dich unverzichtbar?
Wirklich alle Arten von Seren, sie sind so ein Gamechanger. Ob für Haut oder Augen, ich liebe sie. Rotlicht sowie Micro- und Nanostrom-Devices ebenfalls. In der Kategorie Beauty ist Blush & Contour wahrscheinlich mein liebster Step.
Welche sind für Dich die revolutionärsten Beauty-Wirkstoffe, durch die man wirklich eine positive Veränderung sieht?
Retinol ist revolutionär, da man sichtbar Veränderungen sieht. Vitamin C stärkt die Haut gegen oxidativen Stress. Niacinamid stärkt die Hautbarriere. Und natürlich Hyaluronsäure – maximale Feuchtigkeit. Auch Peptide und AHA/BHA-Peelings sind toll.
Welche Produkte findest Du hingegen völlig überflüssig oder treffen einfach nicht Deinen Geschmack?
Slugging, finde das etwas unverständlich. Das kann wahrscheinlich bei sehr trockener Haut helfen, aber wirkt bei den meisten wie eine Fettschicht ohne Benefit.
Was sind Deine Must-have-Beauty-Produkte und -Tools speziell für den Sommer?
Glaskugeln aus dem Kühlschrank für die Augen, genauso wie Augenpads aus dem Kühlschrank – liebe ich!
Wie sehen Deine Lieblings-Alltags-Make-ups für den Sommer aus?
Color-Correcting für Haut und Augenringe, etwas CC-Creme, Blush und Bronzer und Augenbrauengel. Mascara auf die äußeren Wimpern geben – et voilà.
Wie schminkst Du Dich, wenn es schicker sein soll?
Ich betone die Augen gerne mit Eyeshadow und Kajal auf der Wasserlinie. Die Haut muss sehr glowy aussehen, ohne dass das Make-up verrutscht. Hier verwende ich Setting-Sprays, die fixieren, aber gleichzeitig Feuchtigkeit spenden.
Kannst Du Tipps für stylishe Sommer-Make-ups und passende Frisuren geben?
Im Sommer setze ich auf leichte, frische Looks mit viel Glow und cremigen Texturen. Statt schwerer Foundation lieber einen Skin Tint, dazu Bronzer für einen sonnengeküssten Effekt und einen cremiger Blush in Peach- oder Korall-Tönen. Die Haut darf nach Haut aussehen. Bei den Haaren liebe ich weiche Wellen oder einen cleanen Sleek-Bun –
unkompliziert, aber trotzdem elegant. Sommer-Make-up sollte Leichtigkeit ausstrahlen und die natürliche Ausstrahlung unterstreichen. Die Haut ist meistens gebräunt und sieht sowieso wunderschön aus.