Nach einer punktemäßig makellosen Woche fährt der 1. FC Saarbrücken als Tabellenzweiter nach Wiesbaden. Verbesserungsbedarf gibt es dennoch. Das Team ist bisher in keinem Spiel ohne Gegentor geblieben.
Viele Fans des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken waren überrascht, als Cheftrainer Alois Schwartz im Sommer Innenverteidiger Sven Sonnenberg zum Mannschaftskapitän machte. Der gebürtige Berliner ist ein schlauer Typ, studiert neben seiner Profikarriere und hat auch schon einiges erlebt. Eine Rampensau ist „Sonne“ aber nicht. „Ich will einen, der immer auf der Platte steht, und einen, dessen Wort innerhalb der Mannschaft Gewicht hat und der die Truppe auch mal nach außen vertreten kann“, sagte Schwartz zur Begründung.
Schiri Schreiners schwarzer Tag
Am vergangenen Freitag, nach dem mühevollen 2:1-Erfolg der Blau-Schwarzen gegen Aufsteiger FC Schweinfurt, zeigte Sonnenberg, warum er für diese Rolle geeignet ist. Erst stellte er sich sehr ausführlich den Medien, anschließend ging er ruhig und besonnen in die Schiedsrichterkabine. Dort wartete Schiri Simon Schreiner. Warum der DFB einen Schiedsrichter aus Bayern ansetzte, bleibt sein Geheimnis. Dass die 3. Liga gern als Versuchskaninchen für ambitionierte Unparteiische herhalten muss, ist bekannt. Dass die Qualität von Jahr zu Jahr schlechter wird, ist sichtbar. Schon bei seinem Debüt in Rostock vor einigen Wochen fiel der 27-Jährige negativ auf. Seine Darbietung vor 13.500 Zuschauern im Ludwigspark war alarmierend. Selten hatte ein Schiedsrichter eine derart schlechte Zweikampfbewertung, mehrfach stand er in einem Schuss- oder Passweg. Die Krönung: Kapitän Sonnenberg, der mit einer Schürfwunde am Arm ins Spiel gegangen war, sollte plötzlich bei einem Freistoß für die Gäste beim Stand von 2:1 vom Feld, um sich verbinden zu lassen. „Ich bin der größte Spieler bei uns, die Verletzung war nicht neu. Wenn er vorher irgendwann mal was sagt, ist das okay. Aber doch nicht in so einer Situation, die spielentscheidend sein kann“, sagte Sonnenberg kopfschüttelnd.
Der Fairness halber muss man allerdings erwähnen, dass der Platzverweis für den Saarbrücker „Dauer-Sünder“ Calogero Rizzuto berechtigt war. Warum der Außenverteidiger, der sportlich in blendender Form war, nach 83 Minuten in der gegnerischen Hälfte derart rüde einstieg, ist kaum zu erklären. „Er ist ein wichtiger Spieler“, sagte Coach Schwartz, „aber ich bin jetzt seit zwölf Spieltagen hier, und er ist jetzt das dritte Mal vom Platz geflogen. Das ist eigentlich kaum zu fassen.“ Immerhin: Der prominent besetzte Kader verfügt über mehrere Optionen. Philip Fahrner ist wieder fit, auch Maurice Multhaup wird von Schwartz auf der Schienenposition gesehen, und Lasse Wilhelm hat als Rizzuto-Vertreter in Cottbus zu Saisonbeginn überzeugt.
Der Aussetzer des Außenverteidigers trübte die Stimmung nach dem 2:1-Erfolg gegen Schweinfurt. Kai Brünker hatte vor der Pause doppelt getroffen. Da sah es so aus, als würde der FCS den vierten Sieg in Folge souverän einfahren können. Doch dann traf der Schweinfurter Lauris Bausenwein in der 53. Minute volley aus gut 35 Metern. „Den trifft er nicht oft so, da kann man uns wenig vorwerfen“, sagte FCS-Kapitän Sonnenberg und trat ganz Leitwolf dem Eindruck entgegen, der FCS wäre im Gefühl des sicheren Sieges leichtfertig geworden. „Nein, das kann ich so nicht stehen lassen. Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen. Wir hatten eine gute Einstellung. Der Gegner hat nach der Pause umgestellt, direkt getroffen und war dann am Drücker. Wir haben nicht die besten Lösungen gefunden, und daher mussten wir zittern. Aber solche Spiele wird es immer wieder geben, es ist wichtig, dass wir es gezogen haben.“
Nach sieben Spielen hat der FCS 16 Zähler auf der Habenseite. „Wir hatten keine einfache Vorbereitung, daher sind wir absolut im Soll. Aber wir wissen auch, dass es viele Sachen gibt, die wir noch analysieren müssen“, sagte Sonnenberg. Dazu gehört auch, dass der FCS bisher noch in keinem Spiel ohne Gegentor geblieben ist. „Das ist nervig und kann nicht unser Anspruch sein. Jedes Gegentor hat seine Geschichte. Heute, das war kaum zu verteidigen. Aber wir lassen generell zu viel zu, haben Probleme bei der Strafraumbesetzung“, sagte Sonnenberg.
Die Sechser-Position bleibt ein Problem
Und noch eins wurde gegen die „Schnüdel“ sichtbar: Die Sechser-Position des FCS ist derzeit die größte Baustelle. Elijah Krahn hat deutliche Fortschritte gemacht, versucht aber viele Dinge spielerisch zu lösen. „Wenn man 2:0 führt, darf und muss man die Dinge auch mal sauber und einfach klären. Sobald wir führen, hat man den Eindruck, dass die Jungs anfangen wollen zu zocken. Da fehlt uns teilweise die Ernsthaftigkeit“, monierte Schwartz. Und Kapitän Sonnenberg stellte fest: „Es wird Spiele geben, da schießen wir keine drei Tore. Da muss auch mal eins reichen, um zu gewinnen.“
Nach der ersten englischen Woche und vor der zweiten dieser Spielzeit steht der FCS auf dem zweiten Tabellenplatz. „Ich habe gesagt, dass wir Zeit brauchen. Und auch wenn jetzt alle euphorisch sind, haben wir immer noch genug Dinge, die wir besser machen können“, sagte Schwartz vor dem Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden am Samstag.