Wie sich Urlaubsmitbringsel im Laufe der Zeit gewandelt haben
In den meisten Bundesländern sind die Sommerferien bereits zu Ende. So manch einer dürfte zuvor am Badestrand in Bella Italia, am Playa in Espania oder in Odysseus’ Heimat Griechenland darüber nachgedacht haben, mit welchen Souvenirs – früher hießen die Mitbringsel – man die Lieben zu Hause beglücken könnte.
Dank Smartphone-Digitalkamera kann man sich heute zumindest das Verschicken realer Postkarten ersparen – und dennoch Freunde, Verwandte und Arbeitskollegen in der Heimat hautnah und pixelscharf an den Freuden und Schönheiten des Urlaubsstandorts und den mediterranen Köstlichkeiten der südlichen Küche teilhaben lassen.
Aber nicht nur die Urlaubsgrüße sind anders geworden, auch Sitten und Gebräuche der Urlaubenden selber unterscheiden sich grundlegend von früheren Zeiten. Statt mit geziemender Strandkleidung – also kurzer Hose, weißen Socken und Sandalen – erscheint man heute bereits am Strand in Dreiviertel-Badeshorts und Flip-Flops. Und statt stundenlang auf dem Handtuch in der Sonne zu schmoren – nur gelegentlich unterbrochen von kurzen Wasseraufenthalten sowie Federball-, Frisbee- und Fußballspiel am Strand – muss heute auf jeden Fall gesurft, geskatet, Beachvolleyball gespielt und Wasserski gefahren werden.
Neu hinzugekommen sind zudem sündteure Strandliegen und Sonnenschirme sowie – als ganz persönliches Souvenir – das Stechen von Tattoos. Bei Letzteren sollte man allerdings die Namen glutäugiger, schwarzgelockter und flüchtiger Strandbekanntschaften tunlichst vermeiden. Geblieben von früher sind nur der Sonnenbrand und die Klagen über schlecht funktionierende Hotel-Klimaanlagen.
Aber auch sonst sind die Souvenirs der modernen Urlaubsreisenden völlig anders geworden. Das waren noch Zeiten, als Bill Ramsey Anfang der 1960er-Jahre voller Begeisterung den Verschluss der Bluse von Gina Lollobrigida, Charlie Chaplins Hut, Picassos Kamm, von der Garbo eine Brille und von der Monroe einen Schwamm und ähnliche Skurrilitäten als Souvenir besang. Gibt es alles nicht mehr, Taylor Swift, Helene Fischer, Peter Maffay und Co. lassen nichts mehr liegen.
Gefälschte Luxusuhren oder Mode-Accessoires in Form von Taschen und Tüchern bekannter Pariser Luxus-Modehäuser hingegen haben noch immer Hochkonjunktur. Ebenso landestypische Naturalien wie Gewürze und Olivenöl. Aber das sind Opas Souvenirs.
Die heutige Jugend bringt Extravagantes und Exotisches mit. So wie jüngst Erling Haaland, der baumlange blonde norwegische Mittelstürmer, als er zum Fußballspielen in Texas weilte. Voller Stolz trug er bei der Heimkehr beim Verlassen seines Fliegers in Oslo einen possierlichen Waschbären unter dem Arm, der seinerseits eine leere Gin-Flasche in seinen Pfoten hielt. Natürlich war der Waschbär ausgestopft, ebenso wie die beiden Eichhörnchen in Haarlands Tasche. Hinzu kamen Cowboystiefel aus Schlangenleder und ein Stetson-Cowboyhut, die der blonde Weltstar zusätzlich mit sich führte. Nebenbei: Der norwegische Zoll hatte bei der Einfuhr der Tierchen keine Einwände – weil Waschbär wie Eichhörnchen in den USA nicht geschützt, sondern eine Plage sind.
Da mussten und müssen deutsche Urlauber noch immer beim deutschen Zoll ganz andere Erfahrungen machen. Die Beamten finden immer wieder Skurriles und Exotisches als Souvenir im Gepäck. So war in den Medien zu lesen, dass Zollbeamte aus den Koffern frisch gebräunter Urlauber schon mal in Reisschnaps eingelegte Kobras aus Vietnam entnehmen mussten, ebenso Leopardenfelle oder Schildkrötenpanzer. Alles geschützt und der Import streng verboten! Saftige Geldstrafen und Anzeigen inklusive.
Übrigens: Auch Viktualien aus Ländern außerhalb der EU dürfen nicht eingeführt werden. Ja, ja, alles wird beschlagnahmt und gnadenlos vernichtet. Dabei gibt es nichts, was deutsche Urlauber nicht als Souvenir nach Hause bringen möchten. Besonders skurril war eines, das Düsseldorfer Zollbeamten im Gepäck eines Urlaubers fanden – ein aufgespießter und bereits gegrillter Steppenwaran!
Da bleib ich als Urlauber doch lieber bei Marillenschnaps aus der Wachau, dem Parmesan aus der Emilia-Romagna oder dem Filzhut aus Tirol.