Beim 2:2 in Schweinfurt rettet sich der 1. FC Saarbrücken spät einen Punkt, zerschlägt aber dennoch viel Porzellan. Die Abstiegsangst ist zurück.
Mag sein, dass dieser eine späte Punkt beim abgeschlagenen Schlusslicht FC Schweinfurt am Ende etwas wert sein wird. Doch der traurige Abend im Sachs-Stadion markiert einen Tiefpunkt der jüngeren Vereinsgeschichte. Immerhin: Der Abstand auf den ersten Abstiegsplatz wurde auf fünf Zähler ausgebaut, und am Ende muss der tief gefallene Aufstiegskandidat darauf hoffen, dass vier Mannschaften noch weniger punkten. Ein Sieg steht aus den vergangenen 19 Spielen zu Buche, auf fremden Plätzen gelang erst ein Dreier.
Dabei war zum Abschluss des 26. Spieltags alles angerichtet. Aue hatte verloren, Regensburg und Ulm sich die Punkte geteilt. Mit einem Sieg hätte der FCS richtig Meter machen können. Zehn Minuten lang sah es dann auch ordentlich aus. Niko Bretschneider hätte den FCS in Führung bringen müssen, vergab aber freistehend. „Wir haben einfach scheiße gespielt, das war Kindergartenfußball“, schimpfte Abwehrchef Robin Bormuth, und Trainer Argirios Giannikis räumte ein: „Wir hatten eine sehr schlechte halbe Stunde. Darüber werden wir sprechen müssen.“
Die Gastgeber nutzten die Phase des Saarbrücker Tiefschlafs und kamen durch Erik Shuranov (30. und 45. Minute) zu einer 2:0-Pausenführung.
Giannikis wechselte offensiv, brachte Sebastian Vasiliadis, Tim Civeja und Maurice Multhaup für die unglaublich schwachen Kasim Rabihic, Rodney Elongo-Yombo und Elijah Krahn. Im zweiten Abschnitt profitierten die Blau-Schwarzen von den nachlassenden Kräften der Schweinfurter. Schlussmann Toni Stahl parierte mehrfach gut, doch nach 71 Minuten schien der Abend gelaufen, als der ebenfalls eingewechselte Dominic Baumann den Ball aus zwei Metern Entfernung über das leere Tor bugsierte.
Mag sein, dass der Rasen uneben war, aber die TV-Bilder belegen, dass der routinierte Stürmer gar nicht zum Ball schaute. Bezeichnend für die wenig professionelle Attitüde des Teams, in dem weite Teile offenbar noch nicht begriffen haben, wie ernst die Lage ist. Civejas Glücksschuss nach 87 Minuten eröffnete eine turbulente Schlussphase, in der Vasiliadis per Kopf doch noch der Ausgleich gelang. Am Ende lag sogar der Siegtreffer in der Luft. Es wäre wahrlich des Guten zu viel gewesen. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen, jetzt müssen wir schauen, dass es nicht ertrinkt“, formulierte Giannikis drastisch.
Die Botschaft ist klar: Ein überalterter, überbezahlter und sich selbst massiv überschätzender Kader muss irgendwie den Super-GAU noch abwenden.
Der neue Coach muss sich allerdings bereits jetzt fragen lassen, ob er die viel zitierte Breite des Kaders ausnutzt. Vor dem Spiel räumte er ein, dass Kai Brünker nach einem grippalen Infekt nur Luft für 60 Minuten habe. Patrick Schmidt stand aufgrund einer Handverletzung ebenfalls nicht zur Verfügung. Warum aber blieb dann der junge Luca Wollschläger zu Hause? Und was ist mit Amine Groune, von Giannikis’ Vorgänger Jürgen Luginger im Januar noch zum Gewinner der Vorbereitung geadelt?
In Schweinfurt wurde auf eklatante Weise deutlich: Ohne Brünker in guter Verfassung ist der FCS im Sturmzentrum kaum drittligatauglich. Dass der Kader während der Winterpause nicht verändert wurde, darf man getrost als fahrlässig bezeichnen. Am Mittwoch kommt der SV Wehen Wiesbaden in den Ludwigspark. Man darf auf die Reaktion der Anhänger gespannt sein. In Schweinfurt verweigerten die rund 700 mitgereisten Fans am Ende die Unterstützung, drehten sich demonstrativ ab, als die Mannschaft in die Kurve wollte.
FORUM-Einzelkritik:
Phillip Menzel: Parierte einmal gut, bei den Gegentoren machtlos. Note 3
Niko Bretschneider: Fürchterliche erste Halbzeit, danach wurde es etwas besser. Note 4-
Robin Bormuth: Immerhin rustikal, aber auch nicht wirklich gut. Note 4
Lasse Wilhelm: Beim zweiten Gegentor zu passiv, ansonsten ordentlich. Note 3-
Calogero Rizzuto: Sehr wild und defensiv nicht gut. Note 4-
Patrick Sontheimer: Immerhin einer mit halbwegs guter Einstellung. Note 3
Elijah Krahn: Eine Mischung aus Strand- und Schlafwagenfußball. Note 6
Kasim Rabihic: Wie schon in Ulm vollkommen deplatziert. Note 6
Rodney Elongo-Yombo: Eine gute Aktion, ansonsten blass. Note 5
Kai Brünker: Körperlich nicht fit, daher ohne Mehrwert. Note 5
Florian Pick: Emsig, aber glücklos und zu verkrampft. Note 5
Maurice Multhaup: Kam zur Pause, ordentliches Comeback. Note 3
Tim Civeja: Einige Fehlpässe, aber immerhin Mut zum Abschluss. Note 3
Sebastian Vasiliadis: Lange unauffällig, dann mit einem schönen Tor. Note 3
Dominic Baumann: Behäbig, schwerfällig und unkonzentriert. Note 6