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WAS MACHT EIGENTLICH...

Juli 1988: Stefan Edberg schlägt Boris Becker im Finale des Herren-Einzelturniers in Wimbledon
Foto: picture-alliance / dpa

Stefan Edberg?

Er stand an der Spitze der Tennis-Weltrangliste, gewann insgesamt 41 Turniere im Einzel und holte mit Schweden viermal den Davis-Cup. Anfang der 10er-Jahre war er Super-Coach von Roger Federer. Heute betreibt der 59-Jährige ein Finanzunternehmen in seiner Heimat Schweden.

Jahrelang war Stefan Edberg in Sachen Tennis weltweit unterwegs und sah seine schwedische Heimat eher selten. Heute verbringt er seine Zeit am liebsten mit der Familie auf seinem Bauernhof in der Nähe des südschwedischen Ortes Växjö, für den er nach seinem Tennis-Abschied noch einige Jahre lang in der Squash-Erstligamannschaft aktiv war. „Ich mache ein wenig Sport, bin im Finanzbereich tätig und verbringe viel Zeit mit meiner Familie. Ich bin ein glücklicher Mensch“, beschreibt Edberg im Vorjahr seinen Alltag recht bescheiden bei „Sportwetten24“.

Stefan Edberg erhält 2023 in Rom den "Golden Racket Award"
Stefan Edberg erhält 2023 in Rom den "Golden Racket Award"- Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Schon früh hatte er sich intensiv auf die Zeit nach der Karriere vorbereitet, weil er sich ab diesem Zeitpunkt selbst um die Verwaltung seiner über 20 Millionen Tennispreisgelder und weiteren Werbeeinnahmen kümmern wollte: „Ich las Wirtschaftsseiten im Internet. Ich wollte herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt, Geld anzulegen“, sagte Edberg der Zeitschrift „Das Investment“. Dabei hatte er meist eine glückliche Hand und noch nie wirklich Geld verloren: „Anders als auf dem Tennisplatz bin ich beim Geldanlegen nicht aggressiv, sondern eher vorsichtig.“ Ein Teil seines Geldes steckt in seinem Bauernhof mit einem größeren Waldstück, das er zu landwirtschaftlichen Zwecken verpachtet. „In der Nähe habe ich außerdem Mietshäuser gekauft und recht viel Geld in Unternehmensanleihen gesteckt.“ Einen weiteren Teil seines Vermögens hat Edberg in überwiegend schwedische Fonds seiner Vermögensverwaltung „Case Asset Management“ investiert, die er 2004 mit zwei langjährig befreundeten Hedgefonds-Managern gegründet hat. Zu Edbergs Kunden gehören vor allem vermögende Privatleute, darunter auch etliche ehemalige Tennisprofis.

Super-Coach von Roger Federer

Edberg galt zu seiner aktiven Zeit als einer der fairsten Sportler und hat fünfmal die „Sportsmanship Trophy“ des Welt-Tennisverbandes gewonnen. „Es ist wichtig, auf dem Tennisplatz fair zu sein, und am Ende aber sogar noch wichtiger: außerhalb des Platzes“, betont Edberg kürzlich bei „We Are Tennis“. Dass er menschlich so geschätzt war, begründet er auch damit, dass er nie versucht habe, jemand anderes zu sein: „Es macht das Leben so viel einfacher, wenn man andern keine Rolle vorspielen muss.“

Eine kurzzeitige Rückkehr zum Profitennis gab es für Edberg, als er 2014/15 eineinhalb Jahre Super-Coach von Roger Federer war. „Es war eine spannende, intensive Zusammenarbeit“, begründet Edberg sein Trainer-Engagement. Er habe sich aber nie als Coach gefühlt, sondern eher als Rat- und Ideengeber des fast perfekten Schweizers. Danach noch öfter eintreffende Trainerangebote habe er immer abgelehnt: „Aber am Ende war ich einfach nicht bereit, noch einmal so viel für Tennis zu opfern“, erzählt Edberg der „Rheinischen Post“. Auch eine Tätigkeit im Verband kam nicht in Frage: „Das ist mir alles zu viel Politik!“

Die großen Namen der vergangenen Jahre mit Federer, Nadal oder Djokovic haben nach Edbergs Meinung dem Tennissport bei der Vermarktung sehr geholfen: „Ihre Dominanz ist schon enorm gewesen. Es wird eine Zeit brauchen, bis sich eine neue Generation nach vorne gespielt hat“, erklärt er und gibt zugleich zu, dass die heutigen Asse auf einem „viel höheren Level spielen als wir.“ Edberg informiert sich heute gelegentlich noch bei großen Turnieren über den Leistungsstand der aktuellen Spielergeneration und freut sich über ein Wiedersehen mit den alten Rivalen.

Mit einem Blick auf das einst überragende schwedische Tennis mit Topleuten wie Björn Borg, Mats Wilander und ihm sieht Edberg heute eine große, kurzfristig kaum zu schließende Lücke. Vereine und Verband litten unter Geldmangel und die jungen Spieler müssten frühzeitiger mit qualifiziertem Training beginnen. Außerdem seien sie durch die Randlage Schwedens benachteiligt, weil sie sich dort nicht ständig mit Talenten der mittel- und südeuropäischen Länder messen können. Deshalb greift Edberg schon seit längerer Zeit mit seiner nach ihm benannten Stiftung hoffnungsvollen jungen Spielern mit Stipendien unter die Arme, um sie international konkurrenzfähig zu machen.

Spielt nur noch selten Tennis

Edberg bedauert keineswegs, dass seine Kinder Emily und Christopher keine großen Tennisspieler geworden sind: Christopher hat mit 16 den Schläger aus der Hand gelegt, Emily ist Eiskunstläuferin. Ihrem Vater war es vor allem wichtig, dass sie überhaupt Sport treiben, weil das bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung hilft. Edberg selbst spielt nur noch selten Tennis und meidet den Golfplatz. Dafür geht er mit seiner Frau oft spazieren und ist gern mit der Familie oder Freunden zusammen. Da er trotz Vollzeitjob im Finanzmanagement Arbeitszeit und -umfang selbst bestimmen kann, verreist er ab und zu mit seiner Frau, am liebsten innerhalb Europas. Meistens ist er aber zu Hause in Schweden anzutreffen: „Wir haben den Luxus, das zu tun, was wir wollen!“

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