An der deutschen Zapfsäule ist der Iran-Krieg bereits zwei Tage nach Ausbruch angekommen. Die Gründe will das Bundeswirtschaftsministerium nun untersuchen. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind jedoch umfangreicher.
Die Ölpreise steigen, die deutschen Autofahrer an Tankstellen sind schockiert. Deutlich über zwei Euro kosten nach den jüngsten Attacken Israels und der USA auf den Iran Diesel und Benzin. Luftraumsperrungen und die Bedrohung durch Raketen aus dem Iran und von den mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Nordjemen lassen die Lieferketten weltweit wanken. Wie diese heftigen Preissprünge an der Zapfsäule zustande kommen, will die Bundeswirtschaftsministerin nun kartellrechtlich prüfen lassen. Ein Tankrabatt, wie 2022 von der Ampel eingeführt, kam nicht bei den Verbrauchern, sondern großteils bei den Ölunternehmen an.
Der Krieg ist nun „marktwirtschaftlich eingepreist“, wie es seitens Analysten in solchen Situationen heißt. Sprich, mögliche künftige Verteuerungen werden schon heute an den Verbraucher weitergegeben – Drohnenangriffe auf Öltanker, eine mögliche Sperrung der Straße von Hormus im Persischen Golf. Dies bestätigt auch Anne Grote vom Bundesverband der freien Tankstellen (BFT) auf FORUM-Nachfrage: „Durch Ausweichrouten verlängern sich Transportwege, wodurch die Logistikkosten teurer werden. Die sich verteuernden Einkaufspreise müssen eingepreist werden und so macht sich diese Unsicherheit auch an den Tankstellen durch Preissteigerung bemerkbar.“ Zur Situation in Deutschland nennt Grote noch einen weiteren Grund: fallende Preise. „Selbst wenn Tankstellen kurzfristig sogenannte Bestandsgewinne erzielen, weil sie in ihren Tanks noch zu alten, niedrigeren Preisen eingekauften Kraftstoff verkaufen können, kehrt sich dieser Effekt bei fallenden Preisen schnell wieder um. Hat eine Station noch teurer eingekauften Kraftstoff im Tank, während Wettbewerber bereits günstiger einkaufen konnten, gerät sie sofort unter Preisdruck. Auch dies muss vorausschauend eingepreist werden.“
Künftige Teuerung eingepreist
In der Kriegsregion wird etwa ein Drittel des Öls weltweit gefördert, ein Viertel des Flüssiggases produziert; zwar ist der Iran sanktioniert, trotzdem kauft vor allem die chinesische Volksrepublik einen Großteil ihres Öls dort ein. China als größter Energieimporteur der Welt müsste sich, sollte sich der Krieg ausweiten, nach neuen Verkäufern umschauen und dadurch die Nachfrage erhöhen. Infrage käme etwa Russland, das bereits jetzt enorm vom steigenden Ölpreis profitieren kann: Der russische Staatshaushalt ist auf einen Ölpreis von etwa 60 Dollar pro Barrel der Sorte Urals angewiesen. Zeitweise lag er durch Sanktionen des Westens bei 34 Dollar, also weit unter der erforderlichen Marke für eine solide Haushaltsplanung. Mittlerweile liegt er bei 70 Dollar.
Auch auf den deutschen Wirtschaftsmotor hat der Krieg Auswirkungen: Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft ist ein Anstieg des Ölpreises auf 100 US-Dollar pro Barrel der Sorte Brent „mit Kosten für die deutsche Wirtschaft in Höhe von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2026 und 0,6 Prozent im Jahr 2027 verbunden“, so eine erste Einschätzung. Insgesamt wäre dies ein Verlust an Wirtschaftsleistung in Höhe von etwa 40 Milliarden Euro über zwei Jahre. Und Deutschland kämpft ohnehin bereits darum, ein Wachstum von mehr als 0,3 Prozent des BIP aus dem vierten Quartal 2025 zu halten. Bei Redaktionsschluss lag der Preis der US-Sorte Brent, die auch in Deutschland verbraucht wird, bei 90 Dollar.
Die deutsche Versorgung aber sei gesichert, sagt BFT-Sprecherin Anne Grote. Doch neigen manche Kunden zu Hamsterkäufen und befüllen neben Autos auch Kanister. „Dies kann zu Engpässen an einem Tag führen, bevor am nächsten alles wieder aufgefüllt ist.“ Vieles hänge davon ab, „wie lange der Konflikt sein wird, wie lange die wichtige Straße von Hormus gesperrt bleibt“. Die Opec habe bereits reagiert, heißt, die Fördermengen deutlich angehoben. Damit werde die Produktion mittelfristig kompensiert.
Damit der Markt weniger volatil auf die Hiobsbotschaften aus dem Nahen Osten reagiert, haben die USA nun eine Versicherungsgarantie für dort ausfahrende Schiffe in Aussicht gestellt. Die US Navy soll für den unbeschadeten Abtransport aus dem Persischen Golf sorgen. Ob dies die nervösen Preisausschläge dämpfen kann, hängt auch vom Kriegsverlauf ab.