Die 3. Liga steht im Jahr 2026 in den Startlöchern. Sowohl beim Kampf um den Aufstieg als auch beim Abstieg ist Spannung programmiert. Vorne stehen drei Überraschungsmannschaften.
Vor dem Beginn der Rückrunde bietet die 3. Liga ein vertrautes, zugleich aber überraschendes Bild. Zwischen ambitionierten Aufstiegskandidaten, positiven Überraschungen und namhaften Clubs in Schwierigkeiten sind die Kräfteverhältnisse enger denn je.
Energie Cottbus
Elf Siege und 44 Treffer – kein anderes Team verbindet Konstanz und Durchschlagskraft in dieser Form. Energie Cottbus hat sich damit zum Ende der Hinrunde an die Spitze gesetzt, und das nicht zufällig. Besonders bemerkenswert ist diese Bilanz angesichts des großen personellen Umbruchs im Sommer. Kapitän Axel Borgmann sprach im „kicker“ von einer „überragenden Hinrunde“, auch Präsident Sebastian Lemke betonte: „36 Punkte – das hätte keiner gedacht. Wir können stolz sein.“
Im Vergleich zur Vorsaison steht lediglich ein Zähler weniger zu Buche, damals ging Cottbus als Zweiter hinter Dynamo Dresden in die Winterpause. Trotz der starken Ausgangslage bleibt der Club in seiner Zielsetzung bewusst vorsichtig. „Unser primäres Ziel war und ist der Klassenerhalt“, stellte Lemke klar. Angesichts von 15 Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz scheint dieses Thema jedoch frühzeitig erledigt. Die entscheidende Frage lautet daher, wann der Fokus offensiver nach oben gerichtet wird. In der vergangenen Spielzeit wartete Trainer Claus-Dieter Wollitz bis zum Überschreiten der 46-Punkte-Marke – rückblickend, wie er später einräumte, möglicherweise zu lange.
SC Verl
Der Abschluss der Hinrunde hätte aus Sicht von Tobias Strobl kaum besser laufen können. Nach dem letzten Spiel sprach der Cheftrainer von einem „gebührenden Abschluss des Jahres“, der mit Rang zwei in der Tabelle belohnt wurde. Die Erklärung für diese Entwicklung sieht Strobl vor allem im Inneren der Mannschaft. Entscheidend sei die gewachsene Gemeinschaft und die Bereitschaft der Spieler, Verantwortung zu übernehmen. „Unsere Ziele sollen nicht vom Trainerteam sein. Die Mannschaft hat sich Ziele gesetzt“, erklärte Strobl. Dass er diese Haltung nicht nur propagiert, sondern lebt, zeigt der weitere Blick auf die Bilanz: „Und die Ziele haben wir Stand heute erreicht. Wir wollten oben dran bleiben, wir wollten im Pokal überwintern, und wir wollten die beste Offensive haben. Das haben wir, glaube ich, alles geschafft.“
MSV Duisburg
Auch ohne Herbstmeistertitel fällt das Fazit beim MSV Duisburg ausgesprochen positiv aus. Platz drei zur Winterpause wird intern als großer Erfolg eingeordnet. Torhüter Maximilian Braune erinnerte dabei an die jüngere Vergangenheit des Clubs: „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen und wo wir letztes Jahr noch gespielt haben. Deswegen bin ich superstolz auf den Verein und die Mannschaft, wie sie dieses Jahr angekommen ist.“ Getragen von einer enormen Unterstützung von den Rängen mischte der MSV die Liga spürbar auf. Entscheidend für die Rückrunde wird sein, ob es gelingt, diese Euphorie dauerhaft zu konservieren.
Rot-Weiss Essen
Mit 73 Punkten aus 38 Spielen schloss Rot-Weiss Essen das Kalenderjahr 2025 als erfolgreichstes Team ab. Cheftrainer Uwe Koschinat sprach rückblickend von einem „famosen Jahr“, machte jedoch auch deutlich, dass die Hinrunde nicht frei von Schwankungen war. Die Anforderungen an die eigene Entwicklung formulierte er klar: „Wir müssen ehrlicherweise sagen, wenn wir eine Spitzenmannschaft sein wollen, müssen wir zwei Dinge ändern. Wir brauchen eine stabilere, noch bessere Heimbilanz, und wir müssen unsere Gegentorzahl minimieren.“ Im Winter reagierte der Club mit weiteren Verstärkungen – Essen bleibt ein ernsthafter Anwärter für die obere Tabellenregion.
Hansa Rostock
In den vergangenen Wochen vermieden Mannschaft und Trainer Daniel Brinkmann konsequent das Wort Aufstieg und sprachen stattdessen davon, den Rückstand nach oben verkürzen zu wollen. Vorstandschef Ronald Maul formulierte die Ambitionen nun offener. „Es gibt kein Muss in diesem Fußballgeschäft. Aber klar ist: Wir sind aktuell gut unterwegs in der 3. Liga, wir sind letzte Saison Fünfter geworden, und wir wollen natürlich immer besser werden. Na klar wollen wir dann am Ende der Saison auch den Aufstieg feiern“, sagte Maul im Gespräch mit der dpa. Nach einem wackeligen Start hielt der Verein am Trainer fest – inzwischen befindet sich Hansa wieder in Schlagdistanz.
VfL Osnabrück
32 Punkte nach der Hinrunde sorgen an der Bremer Brücke für berechtigte Zufriedenheit. David Kopacz brachte es auf den Punkt: „Wir können sehr stolz sein. Nach dem letzten Jahr hätte niemand damit gerechnet. Aber wir haben immer daran geglaubt und werden im neuen Jahr wieder angreifen. Wir haben den Plan und eine super Mannschaft. Wir bleiben dran.“ Mit Timo Schultz erwies sich auch die Trainer-Entscheidung als Glücksgriff – Osnabrück spielt weiter eine Rolle im oberen Bereich der Tabelle.
TSG Hoffenheim II
Die Zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim bestätigt auch in der 3. Liga die Qualität ihrer Nachwuchsarbeit. Die jungen Spieler fanden sich nahezu ohne Anlaufzeit zurecht, werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben und zeigen, dass ihre Entwicklung längst nicht abgeschlossen ist.
1860 München
Markus Kauczinski hat den Löwen sichtbar Stabilität verliehen. Dem 55-Jährigen gelang es, das vorhandene Potenzial auf den Platz zu bringen und den Anschluss an das obere Tabellendrittel herzustellen. Kauczinski betonte dabei: „Wenn alle da sind, haben wir eine gute Truppe. Dann packen wir es im nächsten Jahr an, einfach dranzubleiben und diese Momente auf unsere Seite zu bringen. Wir haben schon gute Schritte gemacht, aber ein bisschen fehlt noch.“ Nach der Winterpause wartet direkt ein Härtetest: Am 17. Januar empfängt 1860 Rot-Weiss Essen, aktuell vier Punkte voraus.
VfB Stuttgart II
Ähnlich wie Hoffenheim setzt auch der VfB Stuttgart II konsequent auf Entwicklung. Nach dem knapp gesicherten Klassenerhalt im Vorjahr verläuft die zweite Drittligasaison deutlich stabiler. Die Talente nutzen die Liga als nächsten Schritt auf ihrem Ausbildungsweg.
SV Wehen Wiesbaden
Auch in Wiesbaden brachte ein Trainerwechsel neue Impulse. Daniel Scherning übernahm ein verunsichertes Team. Zwar endete das Jahr mit einer Niederlage, dennoch wirkten die Auftritte unter seiner Leitung strukturierter. Diese „positiven Eindrücke“ sollen laut Scherning über den Winter verinnerlicht werden, um mit neuem Schwung in die Rückrunde zu starten.
Viktoria Köln
Der Sommer stand bei Viktoria Köln im Zeichen eines umfassenden Umbruchs. Sportlicher Leiter Stephan Küsters setzte bewusst auf junge Spieler – auch auf der Trainerposition, wo Marian Wilhelm seine erste Station im Profibereich antrat. Eine Serie negativer Ergebnisse zum Jahresende brachte Küsters nicht aus der Ruhe. „Hätte uns jemand vor der Saison gesagt, dass wir nach 19 Spielen 27 Punkte haben, hätte ich das sofort angenommen und unterschrieben“, erklärte er.
SV Waldhof Mannheim
Unruhe prägte die Hinrunde in Mannheim. Ein früher Trainerwechsel, dazu im Winter der Streit mit Kennedy Okpala, der seinen Vertrag kündigte und inzwischen in der 2. Liga spielt. Ruhe kehrt beim Waldhof selten ein – und genau das spiegelt sich auch in den sportlichen Leistungen wider.
Jahn Regensburg
Michael Wimmer übernahm beim Jahn unter schwierigen Voraussetzungen – und stabilisierte die Mannschaft Schritt für Schritt. „Wir sind extrem schwer in die Liga gestartet, auch die Ergebnisse waren nicht so prickelnd. Aber wir haben weitergemacht, sind ruhig geblieben und haben aus den letzten zehn Spielen 17 Punkte geholt. Von daher wirkt das Ganze stabil. Aber wir sind auch froh, nach der Vorrunde jetzt auch mal ein bisschen durchzuatmen und durchzuschnaufen.“ Die Winterpause soll genutzt werden, um zu reflektieren, „was gut und was nicht so gut war“.
FC Ingolstadt
Die Hinrunde des FC Ingolstadt verlief historisch schwach. Lediglich 22 Punkte aus 19 Spielen bedeuten einen Negativwert, den es so bislang nicht gab. Als Tabellen-14. beträgt der Vorsprung auf die Abstiegsplätze nur einen Zähler – deutlich zu wenig für die eigenen Ansprüche. Trotz des großen Umbruchs im Sommer blieb Trainerin Sabrina Wittmann zunächst im Amt.
1. FC Saarbrücken
Zwölf Spiele ohne Sieg in Serie sprechen eine deutliche Sprache. Auch unter Jürgen Luginger stellte sich der erhoffte Turnaround ergebnistechnisch nicht ein, wenngleich die Verantwortlichen betonen, dass „wichtige Impulse“ gesetzt worden seien. Ob sich das Gesicht der Mannschaft nach der Winterpause verändert, bleibt abzuwarten.
Erzgebirge Aue
Der Verein hielt am Trainer fest und installierte mit Michael Tarnat einen neuen Sport-Geschäftsführer. In Aue hofft man nun auf einen spürbaren „Ruck“, der angesichts der schwachen Hinrunde dringend notwendig erscheint.
Alemannia Aachen
„Der Trainer ist doch der Ärmste bei uns“ sagte Bentley Bexter-Bahn Anfang Januar in einem Interview. Auch mit Mersad Selimbegovic gelang es den Alemannen bislang nicht, die erhoffte Dynamik zu entwickeln. Die Stimmungslage passt zur Tabellenposition: tief im Keller.
SSV Ulm
16 Punkte aus 19 Spielen und Platz 18 – der SSV Ulm steht vor einer enorm schwierigen Rückrunde. Sechs Punkte und 13 Tore fehlen bereits zum rettenden Ufer. Trainer Pavel Dotchev formulierte eine klare Erwartung: „Wir müssen wie eine Spitzenmannschaft spielen, ansonsten wird es nicht reichen. Dafür müssen wir uns in allen Bereichen steigern – auch konditionell und fußballerisch.“
TSV Havelse
Für den TSV Havelse erweist sich die 3. Liga erneut als zu große Herausforderung. Mit 13 Punkten nach 19 Spielen besteht nur noch geringe Hoffnung auf den Klassenerhalt.
SC Schweinfurt 05
Diese 13 Punkte hätte das Schlusslicht sicher gern selbst gesammelt. Zwei Siege und sechs Zähler markieren die bisherige Ausbeute – zugleich bringen sie frühzeitig Planungssicherheit für die Regionalliga.