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WAS MACHT EIGENTLICH...

2019: Philip May und Premier­ministerin Theresa May begrüßen US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump in der Downing Street in London am zweiten Tag seines Staats­besuchs in Großbritannien
Foto: picture alliance / empics

Theresa May?

Ihre Amtszeit als britische Premierministerin von 2016 bis 2019 gilt als „glücklos“. Nach ihrem Rücktritt 2019 blieb sie bis 2024 Mitglied im Unterhaus und gehört seitdem als neuernannte Baroness of Maidenhead dem Oberhaus an. Am 1. Oktober wird sie 70 Jahre alt.

Die britische Premierministerin Theresa May ist nicht zuletzt an den „brutalen“ Auseinandersetzungen um den Brexit gescheitert. Obwohl sie selbst den Verbleib Großbritanniens in der EU befürwortet hatte, versuchte sie aus „demokratischem Pflichtbewusstsein“, den mehrheitlich beschlossenen EU-Austritt im Interessenausgleich beider Seiten umzusetzen, fand damit aber keinen ausreichenden Rückhalt im Parlament. Dort fiel ihr mit der EU ausgehandeltes Abkommen dreimal durch. Auch ihre Entscheidung, 2017 vorgezogene Neuwahlen anzusetzen, belastet ihre Bilanz, weil ihre Partei dabei die Mehrheit verlor und sie mit einer Minderheitenregierung weiterarbeiten musste. Im Rückblick bezeichnete es May als größte Herausforderung für Premierminister, neben dem enorm großen Aufwand für die Außenpolitik noch ausreichend Zeit für die eigenen Kollegen im Parlament zu haben: „Was die Brexit-Abstimmung betrifft, frage ich mich, ob wir ein anderes Ergebnis erzielt hätten, wenn ich mehr Zeit mit denjenigen hätte verbringen können, die auf beiden Seiten extrem feste Positionen vertraten!“ Dies habe zu einem großen Misstrauen der Brexit-Befürworter ihr gegenüber geführt, obwohl sie das nicht in ihrem Sinne ausgegangene Votum hinterher bestmöglich umzusetzen versucht habe. Abseits der Brexit-Abstimmungen kann May durchaus Erfolge vorweisen: In ihre Regierungszeit fielen Verbesserungen in der Kriminalitätsbekämpfung, ein 25-Punkte-Umweltplan zur Reduzierung des britischen Beitrags zur Erderwärmung, die Modernisierung der Industriestrategie, eine Reduzierung des Staatsdefizits und eine Steuersenkung für breite Bevölkerungskreise.

Theresa May im September 2026 in London anlässlich einer Ausstellung zum Teppich von Bayeux im British Museum
Theresa May im September 2026 in London anlässlich einer Ausstellung zum Teppich von Bayeux im British Museum - Foto: picture alliance / Photoshot

May hat sich dann 2019 aus ihren Spitzenämtern zurückgezogen, vermisst heute diese Tätigkeiten aber nicht. „Politik kann brutal sein, aber das Leben geht weiter. Ich verweile nicht in Reue. Jeder Fehler ist eine Gelegenheit, um zu lernen“, betont die Ex-Premierministerin. Nachdem sie sich 2024 aus dem britischen Unterhaus verabschiedet hatte, wechselte sie kurz danach als neu ernannte „Baroness May of Maidenhead“ auf Lebenszeit ins Oberhaus („House of Lords“).

Einsatz gegen Menschenhandel

Ihre politischen Erfahrungen verleihen May heute ein großes Ansehen, ihre vielfach anerkannte Autorität beruht auf moralischer Ernsthaftigkeit und Prinzipientreue. Daran ändert auch nichts, dass man ihr im Amt gelegentlich steifes Auftreten und mangelndes Charisma vorgehalten hat. Als Mitglied im Oberhaus bleibt sie aber nun eine aktive Stimme der britischen Politik und unterhält regelmäßige Kontakte zu globalen Finanz- und Wirtschaftsplayern. Als Gründerin und Vorsitzende der „Globalen Kommission für moderne Sklaverei und Menschenhandel“ setzt sie sich engagiert für die Abschaffung von Menschenhandel und Zwangsarbeit bis 2030 ein und versucht, Regierungen, Unternehmen und internationale Organisationen als Unterstützer zu gewinnen.

Als sehr interessierte Beobachterin aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen befürchtet May, dass soziale Medien und Populismus die Polarisierung immer weiter vorantreiben und politische Kompromisse fälschlicherweise als „Schwäche“ verunglimpft werden, obwohl sie für stabiles Regieren unerlässlich seien. Die wachsende Bedrohung durch autoritäre Führer müsse durch Reformierung der bisherigen multilateralen Institutionen eingedämmt werden. „Wir leben in einer Welt, die oft die lautesten Stimmen und spalterische Inhalte belohnt.“

Umweltschutz spielt eine Rolle

Auch als Vortragsrednerin ist Theresa May sehr gefragt. Ihre Themen reichen von internationaler Politik und Wirtschaft über geopolitische Entwicklungen bis hin zu Fragen der modernen Demokratie. Zur finanziellen Abwicklung solcher Aktivitäten hat sie das Unternehmen „Office of Theresa May Limited“ gegründet, das die Einnahmen für Mitarbeiterentlohnung, Finanzierung öffentlicher Tätigkeiten und Wohltätigkeit verwendet. Das von May als Direktorin geleitete Office arbeitet mit über 20 Wohltätigkeits- und Freiwilligenorganisationen zusammen, wobei die Förderung von Medizin und Umweltschutz eine wichtige Rolle spielt. An der amerikanischen Universität Yale ist May Senior Fellow der „Jackson School of Global Affairs“, wo sie sich vor allem mit aktuellen demokratischen Fragestellungen beschäftigt und sich besonders auf internationale Zusammenarbeit konzentriert.

Neben allen öffentlichen Tätigkeiten führt Theresa May ein relativ zurückgezogenes Privatleben mit ihrem Ehemann Philip und freut sich ­darüber, dass nach all den Jahren politischer Tätigkeit nicht mehr jeder ihrer Schritte von der Öffentlichkeit verfolgt wird. Die regelmäßige Gottesdienstbesucherin bezeichnet den christlichen Glauben als wesentlichen Bestandteil ihrer Grundüberzeugungen. Zu ihren persönlichen Interessen zählen Kochen, Lesen und Wandern, wobei sie Letzteres besonders gerne in den walisischen Bergen und in der Schweiz ausübt.

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