In „The Rip“ sorgen Ben Affleck und Matt Damon für Hochspannung. Als Drogenfahnder geraten sie ins Zwielicht. Sind sie ehrliche Cops oder wollen sie sich den Millionen-Dollar-Fund selbst unter den Nagel reißen?
Drogen-Cops in Miami leben gefährlich. Das wissen Dane Dumars (Matt Damon) und J.D. Byrne (Ben Affleck) nur zu gut. Nach der Ermordung ihrer Miami-Police-Department-Chefin, Jackie Velez (Lina Esco), rätselt man, wer sie wohl auf dem Gewissen haben könnte: Das Drogenkartell? Oder waren es etwa korrupte Beamte der Spezialeinheit Tactical Narcotics Team (TNT)?
Da bekommt Lieutenant Dumars einen anonymen Tipp: In einem Wohnhaus in der Vorstadt soll Geld aus Drogengeschäften gebunkert worden sein. Zusammen mit seinem TNT-Team – zu dem neben Byrne auch noch die Oscar-nominierten Teyana Taylor als Detective Numa Baptiste und Steven Yeun als Detective Mike Ro gehören – führt Dumars eine Durchsuchung des Hauses durch und macht dort tatsächlich einen Riesenfund. Zu seiner großen Überraschung entdeckt er nämlich nicht wie üblich ein paar Hunderttausend Dollar, sondern den Jackpot des Drogenkartells – satte 20 Millionen. Laut Protokoll müsste er das Geld sofort beschlagnahmen und ins Polizeihauptquartier bringen. Aber zur großen Verwunderung seines Teams hält sich Dumars nicht ans Protokoll. Das sorgt natürlich für Reibereien im Team und führt sogar zu einer brutalen Konfrontation mit Byrne, der dafür überhaupt kein Verständnis hat. Will Dumars den Millionenfund allen Ernstes unterschlagen? Ist etwa er der korrupte Polizist?
Eine-Millionen-Dollar- Überraschung
Plötzlich klingelt das Telefon. Ein Unbekannter droht dem Team damit, dass sie alle sterben werden, wenn sie nicht in den nächsten 30 Minuten das Haus verlassen – natürlich ohne das viele Geld. Was tun? Dumars versucht, die Lage unter Kontrolle zu halten. Byrne traut Dumars aber nicht mehr und ruft seinen Kollegen Matty Nix (Kyle Chandler) von der Drug Enforcement Administration (DEA) zu Hilfe. Da gehen im Haus die Lichter aus und das Team gerät unter schweren Beschuss. Es gibt Verwundete und Tote. Schließlich gelingt es dem TNT-Team, die vermummten Angreifer in die Flucht zu schlagen. Als sich der Pulverdampf verzieht, teilt das Drogenkartell überraschend mit, dass nicht sie es waren, die den Überfall durchgeführt haben. Da trifft endlich Matty Nix mit seinem Panzerwagen ein. Keine Minute zu früh – denn das Haus geht plötzlich in Flammen auf. Doch das TNT-Team ist gerettet. Das Drogen-Geld wird in Nix’ gepanzertes Fahrzeug verfrachtet. Dumars, Ro und Byrne steigen zusammen mit Nix in den Geldtransporter ein. Im Laderaum des Trucks, zusammengepfercht, geraten die vier Männer heftig aneinander. Jeder verdächtigt den anderen, ein Spitzel zu sein. Die Lage eskaliert gefährlich. Während der Truck volle Fahrt aufnimmt, kommt es schließlich zum Showdown. Und der hält noch einige Überraschungen bereit …
Ben Affleck und Matt Damon haben sich für ihre erneute Zusammenarbeit einen packenden Thriller ausgesucht. Die Handlung ist bewusst sehr vertrackt, daher kann man als Zuschauer lange rätseln, wie die Geschichte wohl enden wird. Im Laufe der Zeit heizt sich die Atmosphäre immer weiter auf und entfacht eine Dynamik, die einen bis zur letzten Minute in ihren Bann schlägt. Regie bei diesem klaustrophobischen Thriller führte der US-Regisseur Joe Carnahan („Narc“, „The Grey“), der einmal mehr bewiesen hat, wie man eine komplexe Story mit ultraharten Action-Sequenzen inszenieren kann, ohne dabei die Protagonisten aus dem Blick zu verlieren. Denn die agieren hier nicht – wie so oft in Action-Movies – als klischeehafte Pappkameraden, sondern ihrem Charakter entsprechend absolut glaubwürdig. Carnahan schrieb auch das Drehbuch zu „The Rip“. Es basiert auf den Erfahrungen eines Polizisten aus Miami, der ihm einen ungeschminkten Einblick in die Polizeipraxis der Drogenfahnder gab. „The Rip“ kann so durchaus als Hardcore-Version der glamourösen TV-Serie „Miami Vice“ aus den 80er-Jahren durchgehen.
Ein eingespieltes Schauspieler-Team
Das Highlight des Films ist, dass die aggressiven Auseinandersetzungen hauptsächlich zwischen Ben Affleck und Matt Damon stattfinden. Sie sind fraglos die Stars von „The Rip“, fügen sich aber nahtlos in den Kontext des Films ein. Ihre Firma Artist Equity, die sich schon viele Jahre auf die Entwicklung von originellen Stoffen spezialisiert hat, produzierte den Film für Netflix und war zudem auch maßgeblich an der Besetzung von Cast und Crew beteiligt. Auch deshalb wirkt „The Rip“ wie aus einem Guss.
Natürlich kommt diesem Film auch die jahrzehntelange Freundschaft der beiden Stars zugute. Damon schwärmte von den Dreharbeiten mit den Worten: „Das Schönste ist doch, Filme mit Leuten zu machen, die man liebt.“ Seit Ben Affleck und Matt Damon für ihren Film „Good Will Hunting“ 1998 den Oscar für das beste Drehbuch bekamen, standen sie bereits in mehr als zehn Filmen gemeinsam vor der Kamera, zuletzt in „The Last Duel“ und „Air“. Matt Damons Rolle in „The Rip“ erinnert übrigens entfernt an Martin Scorseses Film „The Departed“ (2006), in dem Damon auch einen Polizisten spielte, der aber auch noch für einen Gangsterboss – gespielt von Jack Nicholson – arbeitet und vor Mord und Totschlag nicht zurückschreckt. „The Rip“ ist schon jetzt einer der erfolgreichsten Filme von Netflix. Er war in 89 Ländern auf Platz eins der Charts und hat bereits über 40 Millionen Aufrufe. Schön wäre es, wenn das ein Ansporn für die Streaming-Plattformen wäre, bei ihren Filmen mehr auf Qualität zu setzen statt – wie viel zu oft – bloß die Ausschussware berühmter Hollywoodstars zu versenden.