Der stilprägende Ex-Nationaltorwart war in den 80ern Europameister, zweimal Vize-Weltmeister und mehrfach Deutscher Fußballmeister und Pokalsieger. Der 72-Jährige beschäftigt sich heute mit dem modernen Torwartspiel und ist ehrenamtlich sozial engagiert.
Als langjähriger Bundesliga-Profi, Torwarttrainer und gefragter Experte bei diversen Medien ist Toni Schumacher bis heute eine ziemlich öffentliche Person geblieben. Sein Bestseller „Anpfiff“ von 1987, der zuerst als eine Art Karriere-Zwischenbilanz gedacht war, geriet zu einer Generalabrechnung mit dem damaligen Fußball. Das hatte ihn wohl seinen Job beim 1. FC Köln und in der Nationalmannschaft gekostet, weil das Buch viele brisante Informationen und beleidigende Äußerungen über Kollegen enthielt. Vor allem die Enthüllungen über massiven Dopingeinsatz sorgen bis heute für Diskussionen.
Mitwirkung an Theaterstück
Der ehemalige Nationaltorwart betont, dass er dieses Buch trotz der vielen negativen Folgen jederzeit wieder so schreiben würde: „Lieber ein Knick in der Laufbahn als im Rückgrat.“ Er habe in „Anpfiff“ auch den vierten Schiedsrichter, den Videobeweis sowie mehr Komfort und mehr Frauen und Kinder in Stadien gefordert: „Das hat aber keinen interessiert“, klagt der ehemalige Nationalkeeper heute. Nicht annähernd so viel Aufsehen wie sein millionenfach verkaufter Erstling erregte 2017 sein zweites Buch „Einwurf: Wahrheiten über den Fußball und mein Leben“. Darin beschäftigt sich Schumacher unter anderem mit seiner Polyneuropathie und seinen Narben aus körperlichen Begegnungen mit ehemaligen Kollegen. Sein eigenes spektakuläres Foul am französischen Nationalspieler Battiston im WM-Halbfinale 1982 sorgte damals für viel Aufsehen und ist Fußballfans immer noch sehr präsent. Dieses Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich wurde sogar 2024 in dem Theaterstück „Die Nacht von Sevilla“ künstlerisch aufgearbeitet und Schumacher zeigte auf der Bühne mit seinem Schlussmonolog eine weitere Facette seines öffentlichkeitswirksamen Lebens. Er gibt heute auch offen zu, dass ihn das grobe, folgenreiche Foul an Battiston immer noch beschäftigt und ihn „stark geprägt“ hat. Schumacher geht mit diesem Vorfall heute differenzierter um. Deshalb habe ihn die Idee gereizt, an dem Theaterstück mitzuwirken, um die Ereignisse nicht nur sportlich, sondern auch kulturell und menschlich zu betrachten. 2020 konnte er in der Satiresendung „Kroymann“ in einem Sketch erneut sein darstellerisches Talent beweisen.
Daneben beschäftigt sich Schumacher zuletzt häufig mit den Entwicklungen des modernen Torwartspiels und warnt davor, dass Deutschland seine langjährige Stärke auf der Torhüterposition verlieren könnte. Seiner Meinung nach werde heute die Ausbildung junger Torleute oft zu sehr auf das Mitspielen mit dem Fuß ausgerichtet, während die klassischen Fähigkeiten wie Mut, Strafraumbeherrschung, Reaktionsschnelligkeit und Persönlichkeitsentwicklung eher vernachlässigt würden. Er bezeichnet diese Entwicklung als „dramatisch“ und fordert von den Nachwuchsleistungszentren ein Umdenken, damit Deutschland seine Tradition als Land der Weltklasse-Torhüter aufrechterhalten kann.
Achtet sehr auf seine Gesundheit
Schumacher ist heute noch gefragt als Gast bei Fußballveranstaltungen, Jubiläen oder Traditionsspielen. In Talkrunden und Sportsendungen legt man Wert auf sein prägnantes und kritisches Urteil über aktuelle Sportereignisse oder brancheninterne Probleme, auch wenn er sich inzwischen meist zurückhaltender äußert. Über das Sportliche hinaus engagiert Schumacher sich viel im ehrenamtlichen und sozialen Bereich oder beteiligt sich an karitativen Aktionen. Er gehört zudem dem Kuratorium der Egidius-Braun-Stiftung des DFB an.
Schumacher verrät, dass er schon in jungen Jahren Mentaltraining genutzt und schon als 18-Jähriger autogenes Training gemacht hat: „Das durfte aber nicht rauskommen, aus Angst vor den Schlagzeilen: ‚Kölner Torwart liegt bei Psychologen auf der Couch‘.“ Heute als Anfang-Siebziger legt Schumacher – anders als früher – viel Wert auf seine Gesundheit, auch wenn ihn fußballbedingt etliche Wehwehchen plagen: „Wenn ich aber an die Erfolge denke, die mit den Schmerzen verbunden sind, wird es direkt besser.“ Dank seiner Frau Jasmin ernähre er sich gesund und bewege sich viel: „Manchmal bin ich acht Stunden mit Gartenarbeit beschäftigt. Ich gehe früh ins Bett, stehe oft um 5 Uhr auf und mache Yoga und Meditationsübungen.“ Er sei eben fußballerisch betrachtet schon weit in der zweiten Halbzeit, „wahrscheinlich sogar schon in der Nachspielzeit“. Insgesamt sei er aber körperlich und geistig gesund. Dazu trägt auch seine jüngste Tochter bei, an deren Studium er regen Anteil nimmt. Abstand gewonnen hat Schumacher inzwischen vom 1. FC Köln, wo er 1987 als Spieler im Zuge seiner Buchveröffentlichung ausgebootet und 2019 als Vize-Präsident abgelöst wurde. Obwohl der FC trotzdem immer noch sein Herzensverein sei, habe er „keinen wirklichen Draht“ mehr zu den heute Verantwortlichen: „Und auch nicht das Gefühl, dass da ein großes Bedürfnis besteht.“ Er sei glücklich darüber, dass er damit heute im Reinen ist.