20 Jahre nach Teil eins kehren die Stars in „Der Teufel trägt Prada 2“ mit einer Fortsetzung der Fashion-Kult-Comedy auf die Leinwand zurück. Schöne Menschen, traumhafte Orte, prächtige Designer-Roben, glamouröse Modeschauen – und Lady Gaga als Zugabe.
Wie sich die Zeiten ändern. Vor 20 Jahren, als „Der Teufel trägt Prada“ in die Kinos kam, wurde der Film wenig schmeichelhaft als „chick flick“ bezeichnet. Also als ein Mädchenfilm, der viel billiger zu produzieren ist als die aufwendigen und teuren Action-Movies für Männer. Und da der Teufel, der damals Prada trug, der allmächtigen „Vogue“-Chefin Anna Wintour nachempfunden war, hatten die Macher große Schwierigkeiten, die dafür nötigen extravaganten Outfits zu bekommen – denn viele Haute-Couture-Label hatten Angst vor Wintour und wollten sie um Himmels Willen nicht verärgern. Falls sie im Film schlecht wegkam oder der Film gar floppte, würde man dann jemals wieder in der „Vogue“ präsentiert werden?
Die Sorge war unbegründet. Wintour, die in „Der Teufel trägt Prada“ Miranda Priestly hieß und die Chefredakteurin des Mode-Magazins „Runway“ war, wurde von der großartigen Meryl Streep dargestellt. Und für die Rolle für den Oscar nominiert. Das chick flick entpuppte sich als phänomenaler Blockbuster und spielte weltweit über 350 Millionen Dollar ein, etwa das Zehnfache des Budgets.
Es wundert also schon, dass es – nach diesem Riesen-Erfolg – 20 Jahre gedauert hat, bis eine Fortsetzung (mit der Stammbesetzung) ins Kino kam. „Der Teufel trägt Prada 2“ (wieder unter der Regie von David Frankel) legte schon am Startwochenende mit einem Einspielergebnis von über 230 Millionen Dollar einen Traumstart hin. Allein in Deutschland spielte der Film über sieben Millionen Euro ein.
Der Film „Der Teufel trägt Prada“ basierte auf einem Buch von Lauren Weisberger, die um die Jahrtausendwende als Assistentin für Anna Wintour gearbeitet und unter ihr gelitten hatte. Ihr Schlüs-selroman kam 2003 auf den Markt und wurde schnell zu einem Bestseller. Das Interessante am Roman wie auch am Film ist, dass die High-End-Modebranche mit erfrischend boshaften Sticheleien vorgeführt wurde. Und natürlich bekam vor allem die Galionsfigur Wintour ihr Fett weg. In „Der Teufel trägt Prada 2“ ist das böse glimmende Feuer des Originals nahezu verloschen. Der Teufel ist einem nun fast sympathisch.
Liebeserklärung an die Modewelt mit Stil und Herz
Das Sequel, das auf Weisbergers Roman „Revenge Wears Prada“ (2013) basiert, beginnt damit, dass aus Andy Sachs (Anne Hathaway), der damals von Miranda schikanierten Modeassistentin, eine Starreporterin bei einer angesehenen Tageszeitung geworden ist. Auf einer Preisverleihung für das Blatt wird ihr auf dem Smartphone die Kündigung mitgeteilt. Schockiert hält Andy dennoch vor versammelten Publikum eine feurige Rede auf den Wert von gutem Journalismus. Der Clip geht viral und wird vom Chef des „Runway“-Imperiums gesehen. Der ist von Andys Engagement so beeindruckt, dass er sie über Nacht zur Feature-Redakteurin von „Runway“ macht. Denn das Magazin ist längst nicht mehr die Mode-Bibel, die es jahrzehntelang war. Von Andy erhofft sich der Chef, dass sie durch gut recherchierte Artikel und Interviews dem Magazin wieder mehr Relevanz und Auflage beschert.
Als Andy am nächsten Morgen in der „Runway“-Redaktion vor Miranda Priestly steht, kann die sich nicht mehr daran erinnern, dass Andy einmal „eine der Emilies war“, wie ihr Mode-Adlatus Nigel (Stanley Tucci) süffisant bemerkt. Auch eine andere Emily (Emily Blunt) hat inzwischen Karriere gemacht und ist jetzt die Leiterin der New Yorker Dior-Niederlassung.
Bei einem Business-Meeting mit Miranda, in dem es um einen wichtigen Deal mit Dior geht, lässt Emily ihren Rachegelüsten freien Lauf. Mit giftigem Blick teilt sie Miranda mit: „Keine Werbeanzeigen von Dior, kein Runway.“ Emily hat sich zudem auch noch den Tech-Milliardär Benji (Justin Theroux) geangelt, der ein abschreckendes Beispiel dafür ist, dass Superneureiche zwar obszön viel Geld haben, aber absolut keinen Geschmack.
Und schon sind wir mittendrin im Kampf der Player – für die es nur noch um Klickzahlen, Mega-Renditen und Macht geht – gegen die Menschen, die ihren Kulturverstand (noch) nicht der Künstlichen Intelligenz geopfert haben. Natürlich steht auch diesmal Miranda wieder im Zentrum der perfiden Machtspiele. Und Andy steht ihr dabei natürlich wieder zur Seite. Dass die Original-Idee dabei etwas recycelt wird – geschenkt. Wenn man es mit so viel Stil und Herzblut macht.
„Der Teufel trägt Prada 2“ ist eine nostalgische Liebeserklärung an die Welt der Mode und ihre Macher. Temporeich, mit scharfem Blick und trockenem Humor inszeniert. Und mit einem Schauspielerensemble der Luxusklasse. Lauren Weisberger hat schon einen neuen „Prada“-Roman geschrieben. Der Titel: „When Life Gives You Lululemons“. Meryl Streep hat schon Interesse an der Verfilmung bekundet.