Trump feiert den 250. amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli vor allem, indem er sich selbst feiert. Naturgemäß will er alles anders machen und vor allem – grandioser.
Die USA starten in die Feierlichkeiten zu ihrem 250. Geburtstag – und zufällig den 80. Geburtstag ihres amtierenden Präsidenten – mit einem Ultima-Fighting-Käfigkampf mit Eintrittsgeldern von bis zu 1,5 Millionen US-Dollar. Direkt am Käfig sitzen eingeladene Promis, Politikerinnen und Politiker, per Losverfahren bestimmte Militärangehörige, die kostenfrei zuschauen dürfen. Südlich des Weißen Hauses, in dessen Vorgarten der Käfig stand, verfolgen 85.000 Schaulustige auf riesigen Leinwänden kostenlos die Kämpfe, Motorrad-Stunt-Shows und Drag-Car-Rennen auf der Pennsylvania Avenue.
Käfigkampf zelebriert Stärke und Kampfgeist
Ob diese Feier der Nation würdig war, mag jeder selbst entscheiden. Sie hat auf jeden Fall 60 Millionen Dollar verschlungen, Geld, für das die UFC und ihr Chef Dana White selbst aufkommen. „Der Steuerzahler zahlt nichts, wir zahlen die Rechnung für den ganzen Kampf. Und ich kann noch nicht mal einen Hotdog oder ein T-Shirt verkaufen“, klagt White, weil auf dem Gelände des amerikanischen Bundes nichts verkauft werden darf. Den Steuerzahler kostet es dennoch Geld: Sicherheitsmaßnahmen und Absperrungen rund um das Event werden von Medien auf über zehn Millionen US-Dollar geschätzt. Die Show erschien vielen Kritikern grotesk, für Donald Trump und Dana White aber ist sie der Höhepunkt einer 25-jährigen Freundschaft. White kaufte die heruntergekommene UFC für zwei Millionen Dollar. Wegen ihres schlechten Rufs, ungeschützten Fäusten, kaum Regeln und viel Blut waren UFC-Kämpfe in den meisten US-Bundesstaaten verboten, Donald Trump ließ sie jedoch in seinen Casinos zu. 2016, nach der Einführung strengerer Regeln und gepolsterter Handschuhe, war die Liga schließlich Milliarden wert, füllt heute große US-Arenen und beschert dem Pay-TV gute Einnahmen.
Die Veranstaltung auf dem Rasen des Weißen Hauses ist damit nicht nur die Zelebrierung einer Männerfreundschaft, sondern auch ein Zugeständnis an eine wichtige Wählerschaft, die Trump 2024 ins Weiße Haus getragen hat: weiße junge Männer bis 30 Jahre. Denn die UFC zelebriert Männlichkeit, Härte und Kampfgeist. So will sich Trump selbst sehen, so sieht ihn der harte Kern seiner MAGA-Basis.
Ein Vietnamveteran und ein Bürgeraktivist versuchten, den Kampf in letzter Minute gerichtlich zu untersagen, aber sie unterlagen. Ihr Argument: Korruption. Trump hält Anteile an TKO, der UFC-Muttergesellschaft, sein treuhänderisch verwalteter Fonds kaufte mehrere Tausend Anteile in den vergangenen Monaten auf.
Triumphbogen und eine Trump-Banknote
Die USA feiern ihren Unabhängigkeitstag jedoch nicht nur mit Käfigkämpfen, sondern auch mit einer „Trump-Rally“, einer Veranstaltung mit dem Präsidenten als Hauptredner. Ursprünglich geplant war ein Konzert. Nachdem bekannt wurde, dass eine Trump-unterstützende Organisation Künstlerinnen und Künstler für das Konzert anwarb, stiegen die meisten aus – aus Angst, politisiert zu werden. Neben dieser Veranstaltung gibt es Fitness-Tests, ein Autorennen, ein riesiges Feuerwerk am 4. Juli und zahlreiche „Verschönerungsprojekte“ Washingtoner Bauwerke. Unter anderem das mit Wasser gefüllte Bassin, der Reflecting Pool, zwischen Lincoln Memorial und dem Obelisken, dem Washington Monument. 14 Millionen US-Dollar gab der National Park Service auf Anordnung Trumps aus, um den Boden des Bassins in „American Flag Blue“ zu streichen. Derzeit kämpft der National Park Service mit Wasserstoffperoxid gegen Algenbewuchs, weil die dunkle Farbe und die heißen Temperaturen besten Nährboden für diese darstellen. Die Folge: Das Bleichmittel löst die Bodenfarbe wieder ab.
Weiterhin sollen Statuen an einer Brücke vergoldet werden, bis zum Ende von Trumps Amtszeit ein großer Triumphbogen gebaut werden. Erinnerungsmedaillen und eine Banknote sollen mit seinem Konterfei geschmückt werden – illegal nach US-Gesetz, aber der republikanischen Mehrheit im Kongress scheint dies nicht mehr wichtig zu sein. Gegenwind gab es jedenfalls keinen.