Die Berliner Vertreter haben in der Regionalliga Nordost 2025/26 andere Ziele als den ersten Platz. Bei einer Umfrage werden andere Vereine als Favoriten genannt.
Vizemeister Hallescher FC, Vorjahresmeister Lok Leipzig, der Greifswalder FC, FC Carl Zeiss Jena und Rot-Weiß Erfurt – das sind laut einer Umfrage unter den Trainern der Regionalliga Nordost die Kandidaten auf Platz eins am Ende der Saison 2025/26. Die hat am vergangenen Wochenende begonnen (Ergebnisse siehe „Fußball in Kürze“ in dieser Ausgabe) – und die fünf Berliner Vertreter in der Staffel kann man, wie übrigens schon im Vorjahr, unter den Topfavoriten nicht finden. Dass der „Talentschuppen“ Hertha BSC II, Vorjahresaufsteiger FC Hertha 03 und BFC Preussen als aktueller Neuling keine Kandidaten für die Meisterschaft sind, versteht sich dabei von selbst – aber auch der BFC Dynamo (zwölfte Saison in der Liga) und die VSG Altglienicke (im neunten Jahr dabei), deren Aufstiegsambitionen hinlänglich bekannt sind, zählen erneut nicht zum Kreis der Favoriten.
Totalumbruch beim BFC
Enis Alushi ist nach einem halben Jahr Einarbeitung als Geschäftsführer Sport bei Dynamo in die Vollen gegangen. Nach über 30 Transfers (16 Neuzugänge, 18 Abgänge) ist vom Kader des Vorjahrs nicht mehr viel übrig geblieben. Das hat der Mannschaft nicht nur eine Verjüngung gebracht (24,3 Jahre im Schnitt gegenüber 26,0 im Vorjahr), sondern auch den Gesamtmarktwert der BFC-Spieler gesenkt (knapp 800.000 Euro weniger als 2024/25). Alushi und Trainer Dennis Kutrieb setzen vom alten Kader besonders auf Kapitän und Torjäger Rufat Dadashov (33), Regisseur Ivan Knezevic (32), Abwehrspieler John Liebelt (23) und Torwart Paul Hainke (20). Unter den Neuzugängen sind viele Startelfaspiranten: in der Abwehr Tobias Gunte (28) oder Enrique Miguel Pereira da Silva (23), im Mittelfeld Can Karatas (24), Américo Neves (21) oder Valdemar Sadrifar (24) sowie offensiv Leandro Putaro (28) und Willi Reincke (22). Eine längere Findungsphase ist dabei eingepreist – vielleicht auch schon im Hinblick auf die Saison 2026/27, wenn der Nordost-Sieger wieder direkt aufsteigen darf.
VSG: Parallelen zum BFC
Auch bei der VSG Altglienicke scheint man sich eher auf die kommende Saison vorzubereiten: 14 Zu- und 16 Abgänge sind nur etwas weniger als beim Ligarivalen BFC Dynamo, auch hier wurden der Altersdurchschnitt (von 25,1 auf 24,1) sowie der Gesamtmarktwert des Kaders zunächst gesenkt (von 2,95 Millionen Euro auf 2,02). Unterschied: Den Umbruch in Altglienicke soll mit Ersan Parlatan ein neuer Trainer begleiten. Der 47-Jährige bringt viel Erfahrung als Assistenz- und Cheftrainer in Deutschland (unter anderem 1. FC Nürnberg, Wuppertaler SV, Kickers Offenbach) sowie der Türkei mit (unter anderem Göztepe FK, Konyaspor), sein Punktschnitt von insgesamt 1,76 aus 280 Spielen spricht für ihn. Nun ist der gebürtige Berliner nach sechseinhalb Jahren zurück in der Hauptstadt. Mit Jonas Nietfeld (31, unter anderem Jahn Regensburg) und Tim Rieder (31, unter anderem 1860 München) bekommt er dabei weitere Routiniers hinzu – aber auch einige junge Spieler, die bereits über Erfahrung in der Regionalliga verfügen: Torwart Klatte (HSV II), Kardam, Kizildemir und Schickersinsky (alle Hertha II), Hartl (Hertha 03) oder Kebe (Emden). Der Wechsel des Heimspielstandorts ins 50 Kilometer entfernte Fürstenwalde wird dabei von den Verantwortlichen nicht als Hypothek angesehen.
Hertha 03: Das „verflixte zweite Jahr“
Der FC Hertha 03 erreichte 2024/25 als Underdog den Klassenerhalt – nun ist der langjährige Trainer Robert Schröder zum Halleschen FC gewechselt. Seinen Nachfolger Steffen Israel kannte er vom gemeinsamen Trainerlehrgang, und der 39-Jährige, der zuletzt die U19 des FC Carl Zeiss Jena leitete, bekam bei der Entscheidung hinsichtlich der Schröder-Nachfolge auch den Zuschlag. Mit allein acht Abgängen zur Ligakonkurrenz haben die Zehlendorfer dabei viel Qualität verloren, darunter ihren Toptorjäger Bocar Baro (jetzt Hallescher FC) – immerhin blieben Stützen wie Abwehrchef Jake Wilton und Kapitän Sven Reimann. Dafür wurden mit Nicolas Hebisch (35, Mittelstürmer), Stanley Keller (23, Mittelfeld) und Shinji Yamada (31, rechte Außenbahn defensiv) in der Regionalliga erprobte Kräfte hinzugewonnen – aber traditionell gibt man auch wieder jungen Spielern eine Chance zum Sprung auf das nächste Level. Dazu zählen etwa Torwart Alexis Dedidis (24), die Verteidiger Ernes Matjaz (23) sowie Nanitonda Quiala (19) und für das Mittelfeld Jules Hasenberg (20). Angreifer Ernesto Carratala-Jimenez (25) könnte dazu Baros Nachfolge antreten. Alles in allem aber wird es Hertha 03 mit seinen Halbprofibedingungen auch im zweiten Jahr wieder schwer haben.
die Hertha-Bubis führen - Foto: Nickele
BFC Preussen: Neuling mit Erfahrung
Man sollte sich nicht blenden lassen: Bei „transfermarkt.de“ hat der Kader des BFC Preussen zwar den mit Abstand geringsten Marktwert in der Staffel, mancher traut dem Aufsteiger aber eine Saison ohne Abstiegssorgen zu. Die von der Vorsaison verbliebenen Spieler sind schließlich bis dato noch unbewertet – und der Gesamtwert von 475.000 Euro ergibt sich allein aus den sieben Neuzugängen, die allesamt aus der Regionalliga verpflichtet wurden. Mittelfeldspieler Niklas Brandt (33) hat etwa einen immensen Erfahrungsschatz sogar aus der 3. Liga und soll der Anführer sein. Im Tor dürfte Karl Albers (24) die Nummer eins werden, neuer Abwehrchef Ivan Kireski (24) von Meister Lok Leipzig – im Mittelfeld sorgten dazu Alexander Dikarev (20) und Ole Hoch (23) in der Vorbereitung für Schwung. Auch Flügelspieler Shean Mensah (24) belebte das Offensivspiel – nach dem Abgang von Torjäger Cruz Magalhaes (2024/25: 22 Tore) könnten Routinier Patrick Breitkreuz (33) und Neuzugang Gobe Gouano (24) die Lücke gemeinsam schließen.
Hertha II: „Zulieferbetrieb“ der Profis
Bei der Reserve des Zweitligisten ist von den Voraussetzungen her alles beim Alten: Die Profis bestimmen praktisch das Personal, mit dem die U23 an den Spieltagen aufläuft. Ob Ausgemusterte, die sich fit halten oder Rekonvaleszenten, die wieder Einsatzzeit sammeln sollen – sie sind die Spieler, die sich zum Stamm der Talente gesellen. Da jedoch einige davon abgegeben wurden, hat man bei der „Zweiten“ auch mal extern zugeschlagen und sich mit Nash-Daniel Amankona (25, Tor), Mathis Bruns (21, Abwehr) sowie Joel Richter (27, Mittelfeld) bei der Ligakonkurrenz bedient. Taktgeber der „Bubis“ soll aber weiter Änis Ben-Hatira (37) bleiben. Daher sollte der Abstiegskampf kein Thema sein.