In der vergangenen Saison spielten Energie Cottbus und der 1. FC Saarbrücken bis zum Schluss um den Aufstieg mit. Nun starten beide in eine Saison mit vielen Fragezeichen und treffen am ersten Spieltag gleich aufeinander.
Die vergangene Spielzeit hatte in Cottbus fast märchenhafte Züge. Als Aufsteiger hielt der FC Energie lange mit den Großen mit und verpasste den Durchmarsch in die 2. Liga nur hauchdünn. Präsident Sebastian Lemke bremste frühzeitig die Erwartungen und machte klar, worum es im zweiten Jahr nach dem Aufstieg geht: Es gehe zunächst nur um den Klassenerhalt. Man wolle den Profifußball in Cottbus dauerhaft etablieren; nur wenn wie im Vorjahr schnell viele Punkte gesammelt würden, könne man über andere Ziele nachdenken.
Trainer Claus-Dieter Wollitz, in Personalunion auch Sportdirektor, hat in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, dass er aus zahlreichen neuen Spielern eine funktionierende Einheit formen kann. In der neuen Saison vertraut er auf einen flexibleren Kader. Nicht alle Abgänge erfolgten aus finanzieller Not. Trotz des großen Umbruchs verfügt Energie weiterhin über eine tragende Achse. Torhüter Elias Bethke, Antreiber Cigerci und Torjäger Timmy Thiele bleiben dem Verein erhalten. Sie gehörten in der vergangenen Saison ligaweit zu den verlässlichsten Kräften auf ihren Positionen. Hinzu kommen vielversprechende Neuzugänge: Offensivallrounder Jannis Boziaris aus Walldorf, Mittelstürmer Ted Tattermusch aus Jena und Flügelspieler Justin Butler aus Sandhausen wechselten ablösefrei. Für Abwehrchef Nyamekye Awortwie-Grant wurde eine Ablöse gezahlt, ebenso kam mit Leon Guwara ein erfahrener Linksverteidiger aus Ingolstadt. Aus der eigenen U19 rückte Finn Heidrich hoch, zudem soll Leihspieler Lukas Michelbrink im Mittelfeld kreative Impulse setzen. Für Aufsehen sorgt Rückkehrer Can Moustfa, der in der Vorbereitung mit zwölf Treffern in acht Testspielen überzeugte.
Der FCE verzeichnete 14 Abgänge, darunter zentrale Spieler wie Maximilian Krauß, Niko Bretschneider (zum FCS), Yannik Möker, Lucas Copado und Filip Kusić. Unklar ist auch, wie lange das neu formierte Team braucht, um zusammenzufinden. Sollte der Prozess zu lange dauern, könnte ein negativer Lauf entstehen. Zudem ist Cottbus nun nicht mehr der unbekümmerte Aufsteiger. Die Erwartungen der Fans sind gestiegen, das mediale Interesse ebenfalls. Gegner wissen inzwischen, wie sie sich auf das schnelle Umschaltspiel des FCE einstellen müssen.
Die Vereinsführung tritt daher bewusst auf die Bremse. Der Umbruch mit bisher neun Neuverpflichtungen und 14 Abgängen macht das Unterfangen nicht leichter. Um die Chancen auf eine solide Saison zu erhöhen, sollen bis zu vier weitere Spieler kommen. Gesucht werden erfahrene Profis mit Führungsqualitäten, doch der Verein bleibt finanziell diszipliniert. Gleichzeitig ist nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Abgänge folgen.
Torleute rechtzeitig fit geworden
Beim 1. FC Saarbrücken ist man dennoch gewarnt. „In Cottbus zu bestehen, ist immer schwer. Publikum und Mannschaft bilden eine Einheit. Uns wird ein Hexenkessel erwarten“, sagte Trainer Alois Schwartz. Die Vorbereitung bei den Blau-Schwarzen verlief durchwachsen. Die viel diskutierte „Budget-Blockade“ durch den Aufsichtsrat verzögerte die Personalplanungen. Coach Schwartz erklärte bis zuletzt, dass er sich weitere Verstärkungen wünscht. „Im Hinblick auf eine ganze Saison gesehen, ist die Gruppe zu klein“, sagte Schwartz, dem teilweise nur 14 Feldspieler zur Verfügung standen. Immerhin: Die beiden Torleute, Phillip Menzel und Tim Paterok meldeten sich beide rechtzeitig zurück. So überwog nach dem abschließenden 3:1-Erfolg gegen den luxemburgischen Spitzenclub F91 Düdelingen das Positive: Trotz eines vermeidbaren Gegentors zeigte sich FCS-Trainer Alois Schwartz nach dem Testspiel insgesamt zufrieden: „Wir dominieren das Spiel, machen dann aber durch einen unnötigen Fehler den Gegner stark. Das war seine erste echte Chance – wir hätten vorher führen können.“ Vor der Pause sei es „etwas wild“ geworden, doch in der Kabine habe man sich neu sortiert. „Wichtig war, dass die Mannschaft zurückgekommen ist. Das zeigt Charakter.“ Auch das Ergebnis spiegele den Spielverlauf nur bedingt wider: „Mit etwas mehr Kaltschnäuzigkeit machen wir früher alles klar.“ Lob gab es für Torwart Menzel, der erstmals nach längerer Pause im Kasten stand: „Er war präsent, lautstark, das war wichtig. Am Gegentor konnte er nichts machen.“ Bis zum Saisonstart wolle man weiter am Spiel mit Ball arbeiten: „Etwas ruhiger und einfacher spielen – dann ergeben sich mehr Möglichkeiten.“
Vor dem Saisonstart in Cottbus wollte sich Schwartz nicht in die Karten schauen lassen. „Ich gehe schon davon aus, dass die, die heute begonnen haben, gute Chancen auf einen Startelf-Einsatz haben“, sagte Menzel und mit Blick auf sein Comeback: „Ich bin bereit“. Sorgen bereitete die Abwehrformation, in der Joel Bichsel eine überaus fehlerhafte Vorbereitung absolvierte: „Er kann viel, aber er muss lernen, dass das Wort Verteidiger von verteidigen kommt. Er muss nicht immer versuchen, im Spielaufbau etwas Besonderes zu machen“, tadelte der Trainer. Dennoch deutet für den Saisonstart viel auf eine Dreierkette hin. „Wir haben Spieler, die das können“, sagte Schwartz. Problematisch wird es aber im ersten Spiel auf der rechten Seite, da mit Lasse Wilhelm nur noch ein Spieler zur Verfügung steht, der diese Position halbwegs spielen kann. In der Mittelfeldzentrale wird alles davon abhängen, ob Patrick Sontheimer rechtzeitig fit wird. Elijah Krahn dürfte gute Startelfkarten haben, mit seinem Doppelpack gegen Düdelingen sollte Kasim Rabihic an Tim Civeja vorbeigezogen sein: „Es war wichtig, dass Kasim noch Minuten bekam. Wir werden sehen, wer am Wochenende in welcher Verfassung ist“, sagte Schwartz. Nach einer durchaus holprigen Vorbereitung keimt doch noch Optimismus auf: „Die Gruppe ist gut, wir wissen, was wir können“, sagte Torwart Menzel.