Auf der Kanareninsel La Gomera zeigt das „Bancal Hotel & Spa“ mit einem umfassenden Nachhaltigkeitskonzept, wie sich ein großes Luxusferienhotel ressourcenschonender betreiben lässt. Ein exemplarischer Blick auf einen durchdachten Wertekreislauf.
Hinter seiner terrassierten Fassade arbeiten Solaranlage, Wärmerückgewinnung und Wasseraufbereitung für möglichst geschlossene Kreisläufe. Eine ungewöhnliche Führung durch das technische Untergeschoss macht sichtbar, was den Gästen gewöhnlich verborgen bleibt.
Während die Gäste des imposanten Terrassenhotels Bancal oben am Pool liegen und über den Atlantik bis zum Teide auf Teneriffa schauen, beginnt unten eine Hotelführung der besonderen Art. Sie führt nicht zu Zimmern und Spa, sondern vorbei an Rohren, Wärmespeichern und Kältemaschinen. Bildschirme zeigen Temperaturen, Energieflüsse und Betriebszustände. Dazwischen steht André Ramos, Ingenieur und Herr über dieses unsichtbare Reich. Er spricht Spanisch. Alejandro Morín, Verkaufs- und Marketingdirektor des „Bancal Hotel & Spa“, übersetzt und erläutert.
„Alles ist miteinander verbunden“, sagt Morín und zeigt auf einen Monitor. Über das Building-Management-System (BMS) werden Anlagen, Raumtemperaturen und Beleuchtung kontrolliert. Ramos kann einzelne Bereiche per Tablet oder Smartphone überwachen. Entscheidend ist jedoch, was in den Maschinen geschieht. Energie soll nach einmaligem Gebrauch möglichst nicht verloren gehen. Drei große Kältemaschinen erzeugen kaltes Wasser für die Klimatisierung. Dabei fällt Wärme an, die andernorts häufig an die Umgebung abgegeben wird. Im Bancal wird diese Wärme aufgefangen, um Brauchwasser vorzuwärmen. Weitere Anlagen bringen es anschließend auf die erforderliche Temperatur. Auch die Pools profitieren von der zurückgewonnenen Wärme. „Die Energie, die wir einmal eingesetzt haben, nutzen wir wieder und wieder“, erklärt Ramos sinngemäß. Vollständig verlustfrei kann jedoch auch dieses System nicht arbeiten. Doch das Prinzip ist einleuchtend: Eine eingesetzte Kilowattstunde erfüllt möglichst mehrere Aufgaben.
Die technischen Kreisläufe arbeiten unter einem Haus, dessen Architektur von der Topografie und den Farben La Gomeras erzählt. Seine 276 Zimmer verteilen sich terrassenförmig über den Hang bei El Clavo zwischen Schlucht und Steilküste. Wo sich heute die Gebäude zum Meer hinabstaffeln, lag früher eine Tomatenplantage. Seinen Namen verdankt das Hotel den „bancales“, den charakteristischen Anbauterrassen der Kanaren. Nach dem Niedergang des arbeits- und wasserintensiven Tomatenanbaus lag das Gelände lange brach. Die designorientierte Architektur greift die historischen Geländestufen auf und übersetzt sie in eine klare, zeitgemäße Formensprache. Die Gebäude verteilen sich über den Hang; das beim Aushub gewonnene Basaltgestein wurde für die Mauern des Areals verwendet. Vulkanstein, warmes Holz, Naturtöne und lokale Keramik führen den Bezug zur Insel in den Interieurs fort.
Auch die Bepflanzung folgt den örtlichen Bedingungen: Heimische und an das Klima angepasste Arten benötigen weniger Wasser als eine tropische Hotelkulisse. Vor der Rezeption wächst ein kleiner Kräuter- und Gemüsegarten. Perspektivisch sollen sieben Terrassen mit inseltypischen Nutzpflanzen bewirtschaftet werden, zudem ist eine eigene Kompostierung geplant.
Die Haustechnik arbeitet elektrisch
Auf und zwischen den Terrassen verteilen sich 2.200 Photovoltaikmodule mit einer installierten Leistung von rund einem Megawatt. Damit verfügt das Bancal nach eigenen Angaben über eine der größten direkt in ein Hotelgelände integrierten Solaranlagen Spaniens. Nach Angaben des Hauses erzeugt die Anlage im Jahresmittel rund 40 Prozent des benötigten Stroms; der übrige Strom wird aus zertifizierten erneuerbaren Quellen bezogen. Die Haustechnik arbeitet vollständig elektrisch. Gas, Heizöl oder Diesel werden im regulären technischen Betrieb nicht eingesetzt, erklärt Morín. Energieintensive Vorgänge werden möglichst in sonnenreiche Stunden verschoben. So läuft die Wäscherei bevorzugt dann, wenn die Photovoltaikanlage besonders viel Strom liefert. „Wir erzeugen hier kein CO₂“, sagt Morín während des Rundgangs. Ganz CO₂-frei ist ein Hotel jedoch nicht. Auch Bau und Ausstattung, Lebensmittel, Lieferketten sowie die An- und Abreise der Gäste gehören zur Klimabilanz. Genauer betrachtet entstehen durch die elektrische Haustechnik vor Ort kaum direkte energiebedingte Emissionen. Wie klimafreundlich der Gesamtbetrieb ist, hängt unter anderem vom Eigenstromanteil und von den einbezogenen indirekten Emissionen ab.
Hinter der nächsten Tür beginnt der Wasserkreislauf. Das Hotel verfügt über eine eigene Klär- und Aufbereitungsanlage. Morín spricht jedoch lieber von einer „Recyclinganlage für Wasser“: Das Abwasser aus Zimmern, Küchen, der Wäscherei und den Toiletten wird geklärt und anschließend zur Bewässerung genutzt. Auf einer Insel mit begrenzten Wasserressourcen senkt jede Wiederverwendung den Bedarf an Frischwasser. Überschüssiges aufbereitetes Wasser wird im Rahmen einer Vereinbarung mit der Inselverwaltung Cabildo de La Gomera für weitere Grünflächen bereitgestellt.
Auch in der Wäscherei wird Wasser mehrfach verwendet. Das Wasser aus dem letzten Spülgang wird in einem Behälter aufgefangen und beim folgenden Waschzyklus für die Vorwäsche verwendet. Anschließend gelangt es in die Aufbereitungsanlage und schließlich in den Bewässerungskreislauf. Was bei einem einzelnen Waschgang gering erscheint, summiert sich bei Tausenden Handtüchern und Laken zu einer beträchtlichen Wasserersparnis.
Papier und Karton werden für das Recycling gepresst, und Elektrofahrzeuge transportieren Personal und Material über das weitläufige Gelände. Rund 70 Prozent der Beschäftigten stammen laut dem Unternehmen von La Gomera. Auch lokale Arbeitsplätze und Wertschöpfung gehören zu seinem Nachhaltigkeitsverständnis.
Die technischen Kreisläufe des Bancal reagieren auf die Bedingungen eines besonderen Naturraums. La Gomera wurde im Jahr 2012 mitsamt einem Teil des umgebenden Meeres zum Unesco-Biosphärenreservat erklärt. Im Inselinneren schützt der Nationalpark Garajonay einen der bedeutendsten Lorbeerwälder der Welt. Der immergrüne Nebelwald bewahrt ein uraltes Ökosystem mit zahlreichen endemischen Arten.
Das Bancal liegt nicht im Nationalpark, sondern an der trockeneren Küste bei San Sebastián. Doch Relief, Vulkangestein, Wasserknappheit und Sonne spiegeln sich in Konzept, Architektur und Betrieb wider: Das Hotel ahmt die Natur nicht bloß dekorativ nach, sondern versucht, auf ihre Grenzen zu reagieren. Auch die Küche und das Rahmenprogramm greifen die Inselkultur auf, ohne im Umweltkonzept die Hauptrolle zu spielen. Das Restaurant „Larrife“ nimmt mit Naturmaterialien und lokaler Keramik die Farben und Texturen La Gomeras auf.
Regionalität bewusst sichtbar
Die Küche folgt keinem strikten Kilometer-null-Prinzip, macht regionale Erzeugnisse und Traditionen jedoch bewusst sichtbar. In einem Workshop lernen die Gäste beispielsweise Gofio kennen, ein kanarisches Mehl aus geröstetem Getreide, dessen Zubereitung über Generationen weitergegeben wurde. Während der Inselexkursion wird den Gästen mit einer Vorführung des Silbo Gomero, einem besonderen Kommunikationssystem, ein weiteres kulturelles Erbe nähergebracht: Die von der Unesco geschützte Pfeifsprache entstand als Antwort auf die zerklüftete Landschaft und ermöglichte die Verständigung über tiefe Täler hinweg.
Zum Abschluss der Führung geht es wieder nach oben. Zurück bleiben Wärmepumpen, Speicher und Rohrleitungen. Über den Terrassen öffnet sich ein weiterer Naturraum: die Dunkelheit. Das Bancal ist seit 2025 als erste „Starlight-Unterkunft“ La Gomeras zertifiziert. Die Zertifizierung zeichnet Unterkünfte aus, die für den Schutz des Nachthimmels sensibilisieren, Beobachtungsmöglichkeiten schaffen und astronomische Kultur vermitteln. Erste Sternbeobachtungen fanden bereits statt; regelmäßige Angebote sollen folgen. Damit schließt sich ein Bogen von den alten Tomatenfeldern und Basaltmauern über Solarstrom und wiederaufbereitetes Wasser bis zum Sternenhimmel. Das Bancal löst jedoch nicht alle Widersprüche eines großen Ferienhotels auf. Auch ein effizientes Haus beansprucht Fläche, Material und Ressourcen und bleibt Teil eines reiseintensiven Tourismus. Doch unter seinen Terrassen zeigt sich, was möglich wird, wenn Energie, Wärme und Wasser nicht als unbegrenzt verfügbar gelten.
Vielleicht ist dies eine ehrlichere Form nachhaltiger Hotellerie: nicht das Versprechen eines spurenlosen Urlaubs, sondern der Versuch, den eigenen Fußabdruck durch technische und alltägliche Entscheidungen zu verkleinern. Das Bancal zeigt zugleich, dass verantwortungsvollerer Tourismus nicht auf Ästhetik, Komfort und Wohlbefinden verzichten muss. Der höhere Preis der Luxuskategorie kann dort gerechtfertigt erscheinen, wo er nicht allein für Ausstattung und Service steht, sondern auch für technische Innovation, regionale Wertschöpfung und einen bewussteren Umgang mit Ressourcen.