Die 2. Fußball-Bundesliga wird immer spannender, Prognosen werden aber immer schwerer. Und in der kommenden Saison vielleicht noch mehr als sonst. FORUM versucht es trotzdem.
Hinter uns liegt die wahrscheinlich spannendste Saison in der Geschichte der 2. Fußball-Bundesliga. Zwei Spieltage vor Schluss durfte die halbe Liga noch auf den Aufstieg hoffen, der spätere Meister 1. FC Köln hätte am letzten Spieltag noch auf Rang vier abrutschen und leer ausgehen können. Die Spiele waren im Vorjahr fast untippbar. Zumindest auf dem Papier könnte aber eine noch spannendere Saison folgen. Denn mit Köln und dem Hamburger SV stiegen am Ende zwei Groß-Clubs und die beiden Topfavoriten auf. Im Gegenzug kamen mit Bochum und Kiel zwei etwas kleinere Clubs runter. Direkt wieder abgestiegen sind mit Ulm und Regensburg zwei Aufsteiger des Vorjahres, die durch die ambitionierten Traditionsvereine aus Bielefeld und Dresden ersetzt werden.
Hannover 96 plant diesmal den großen Wurf
Sieben Clubs gehen mit neuen Trainern ins Rennen, zwei weitere mit erst am Saisonende verpflichteten. Manche Teams haben einen solchen Umbruch erlebt, dass sie wahre Wundertüten sind. Deshalb stellt man sich die Fragen: Wer sind denn jetzt eigentlich die Favoriten? Und wer soll überhaupt absteigen? Wir wagen einen vorsichtigen Ausblick:
Holstein Kiel
In ihrer ersten Bundesliga-Saison haben sich die Kieler besser verkauft, als es die nur 25 Punkte glauben lassen. Vor allem offensiv war das Spiel der Störche sehr ansehnlich, mit 49 Toren schossen sie so viele wie Europacup-Teilnehmer Freiburg. Deshalb durfte Trainer Rapp trotz des Abstiegs bleiben. Mit Remberg und Becker gingen wichtige Spieler, dazu erfahrene wie Holtby und Arp. Vor allem sind weitere wie Stürmer Machino weiter umworben. Prognose: Für den direkten Wiederaufstieg müsste alles passen.
VfL Bochum
Nach dem fatalen Fehlstart hatte Routinier Hecking den VfL übernommen und wiederbelebt. Nach einem 3:2 bei den Bayern hatte Bochum den Relegationsplatz erobert. Es folgten zwei Punkte aus acht Spielen und der Abstieg. Trotzdem bleibt Hecking, er ist beliebt und gilt als Hoffnungsträger. Der Umbruch ist recht groß ausgefallen. Doch vor allem die Rückkehr von Kevin Vogt nach 13 Jahren und über 350 Erstliga-Spielen sorgte für Euphorie. Prognose: Bochum gehört zumindest zu den Favoriten.
SV Elversberg
Nur wenige Minuten fehlten dem größten Aufsteiger unter den Clubs der vergangenen Jahre zur 1. Liga. Doch die Aufmerksamkeit musste die SVE teuer bezahlen. Erfolgstrainer Steffen wechselte nach Bremen, dazu ging mehr als die halbe Stammelf. Doch Manager Book hat mit Vincent Wagner nicht nur einen spannenden Trainer geholt, sondern wieder mal sehr kreative Transfers getätigt. Und holte mit Gyamerah, Condé oder Pfeiffer auch sehr erfahrene Profis. Prognose: Kaum ein Team ist schwerer einzuschätzen. Es scheint fast alles möglich.
SC Paderborn
Der Umbruch in der Mannschaft war gar nicht so groß, der im Umfeld umso größer. Ralf Kettemann ersetzt als Trainer den nach Köln gewechselten Erfolgs-Coach Lukas Kwasniok, Sebastian Lange den nach Augsburg gegangenen Sportchef Benjamin Weber. In Verl war der gebürtige Paderborner Lange Baumeister einer der bemerkenswerten Erfolgsgeschichten. Prognose: Paderborn landet in der oberen Tabellenhälfte.
1. FC Magdeburg
Wie der Dritte und Vierte des Vorjahres verlor auch der Fünfte Magdeburg seinen Trainer. Christian Titz ging nach Hannover. Nachfolger Markus Fiedler ist aber einer der spannendsten jungen Trainer, hielt Stuttgart als einziges U23-Team in der 3. Liga. Im Kader gab es lange kaum Veränderungen, Stars wie Martijn Kaars waren aber umworben. Prognose: Magdeburg stürzt nicht ab. Entwickelt der FCM auch noch eine Heimstärke, ist alles möglich.
Fortuna Düsseldorf
In Düsseldorf wollen sie Kontinuität. Trainer Thioune geht ins vierte Jahr, Vorstand Allofs ins sechste, der vereinstreue Christian Weber allein als Sportdirektor ins vierte. Doch die Mannschaft verlor nach Tsolis im Vorjahr mit Johannesson wieder den besten Spieler. Mit Rasmussen von Ajax Amsterdam, Alexandropoulos von Sporting Lissabon oder El Azzouzi aus Zwolle kamen aber vielversprechende Neue. Prognose: Düsseldorf gehört zu den Favoriten.
1. FC Kaiserslautern
Der Trainerstuhl auf dem Betze war in jüngerer Vergangenheit ein Schleudersitz. Nun sitzt dort mit dem gebürtigen Pfälzer Torsten Lieberknecht einer, der den Club lebt und liebt. Zudem ging in Ache nur ein Leistungsträger. Im Gegenzug versprechen Neue wie Emreli, Prtajin, Kunze, Asta, Sahin oder Gyamfi Qualität. Kommen Stabilität und Euphorie dazu, ist alles möglich. Prognose: Diesmal könnte es wirklich was werden mit der Bundesliga-Rückkehr des FCK.
Karlsruher SC
Nach der Hinrunde des Vorjahres war der KSC Zweiter. Nach dem Verkauf von Torjäger Zivzivadse im Winter nach Heidenheim waren die Badener in der Rückrundentabelle nur noch Zehnter. Die Mannschaft blieb gut zusammen, Trainer Eichner ist schon im sechsten Jahr. Prognose: Der KSC landet im Mittelfeld.
Hannover 96
16 Abgänge und schon 15 Zugänge bis Mitte Juli, dazu mit Titz ein neuer Trainer: In Hannover wurde vieles auf Null gestellt. Unter den Abgängen sind mit Zieler und Halstenberg die beiden größten Stützen und mit Tresoldi das größte Talent. Manager Mann bewies Kreativität und holte vielversprechende Spieler auch aus Schottland, Südafrika, Rumänien, Frankreich, England, Österreich oder Japan. Prognose: Passt das Puzzle zusammen, ist Hannover einer der ersten Anwärter auf den Aufstieg.
Hertha hat sich deutlich verbessert
1. FC Nürnberg
Unter WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose wurde der Club zur großen Talentschmiede. Nach Jeltsch (18) im Winter gingen nun Tzimas (19) und Castrop (21). Mit Stepanov (17), von der Hitz (18) oder Janisch (19) ist die nächste Generation schon bereit. Die Frage ist nur: Ist das nicht ein bisschen zu viel der Jugend? Prognose: Der Club entwickelt mehr und mehr eine DNA und ein Gesicht. Zum Aufstieg reicht es aber (noch) nicht ganz.
Hertha BSC
Die Hinrunde des Vorjahres war erschreckend schlecht, die Rückrunde wegen der Tordifferenz sogar noch minimal schlechter. Nun muss bei der Hertha der große Sprung kommen. Und die Chancen stehen gut. Reese ist fit und wohl der Topspieler der Liga. Dazu kam mit Krattenmacher, Grönning oder Seguin Qualität. Prognose: Gelingt der Start – doch das wird angesichts des heftigen Programms schwierig – ist die Hertha einer der Top-Favoriten.
Darmstadt 98
Trainer Kohfeldt startete stark, stürzte dann komplett ab und bekam noch mal die Kurve. Doch welches der Lilien-Gesichter war das wahre? Das Gebilde scheint zumindest angespannt, auch wenn Güler, Bialek oder Rückkehrer Pfeiffer spannende Neue sind. Prognose: Der Blick muss zur Absicherung nach unten gehen.
SpVgg Greuther Fürth
In Fürth kann man in Ruhe arbeiten, da waren jahrelang alle sicher. Im Vorjahr mussten mit Zorniger, Haas und Siewert drei Trainer gehen, dazu Sportchef Azzouzi und Sportdirektor Pinto. Der Club habe seinen Weg und sein Gesicht verloren, mahnten viele. Deshalb muss das erste Ziel sein, wieder in die Spur zu kommen und zur Ruhe zu finden. Prognose: Es könnte sehr gefährlich für Fürth werden.
FC Schalke 04
Platz 14 in der 2. Liga bedeutete die schlechteste Ausbeute der Vereinsgeschichte. Dass Frank Baumann neuer Vorstand wurde, kam überraschend. Dass seine Wahl als Trainer auf Miron Muslic fiel, kam noch überraschender. Transfers fielen wegen der Finanznot schwer. Immerhin kam mit Kiels Becker ein echter Schalke-Fan und mit El-Faouzi aus Aachen der laufstärkste Spieler der ersten drei Ligen. Prognose: Auch, wenn Schalke mit dem Umfeld Schwung unter die Flügel kriegen kann, ist der Aufstieg normalerweise utopisch. Und die Situation brandgefährlich.
Die Aufsteiger haben es schwer
Preußen Münster
Dass der doppelte Aufstiegs-Trainer Hildmann kurz vor Saisonende gehen musste, war auf den ersten Blick überraschend. Es folgten ein furioses Saisonfinale und die Rettung. Der neue Trainer Alexander Ende ist sehr vielversprechend, dasselbe gilt für Neuzugänge wie Jaeckel, Meyerhöfer, Batista Meier, Vilhelmsson, Lokotsch oder Benger. Prognose: Münster könnte eine ruhige Saison gelingen.
Eintracht Braunschweig:
Die Eintracht wandelte die ganze Saison über am Abgrund, wechselte vor der Relegation noch mal den Trainer und stand dort gegen Saarbrücken kurz vorm Absturz. Doch die Torhüter Hoffmann und Tempelmann, als Winter-Transfers die entscheidenden Spieler in der Rückrunde, blieben. Und Neu-Trainer Heiner Backhaus hat für frischen Wind gesorgt. Prognose: Es geht wieder nur gegen den Abstieg, aber die Chancen scheinen gut.
Arminia Bielefeld
Im Februar riefen die Arminia-Fans „Kniat raus“, im Mai hatte der Trainer nicht nur den Aufstieg und die Drittliga-Meisterschaft geholt, sondern den Club erstmals ins DFB-Pokalfinale geführt. Das Gerüst scheint stabil, zumal mit Oppie und Wörl nur zwei Helden des Vorjahres verloren gingen. Prognose: Die Arminia hat gute Chancen auf den Klassenerhalt und hat Potenzial, für Überraschungen zu sorgen.
Dynamo Dresden
Nachdem die Zweitliga-Rückkehr zweimal in der Rückrunde verspielt wurde, zog Dynamo es diesmal mit Trainer Stamm durch und fand dabei auch endgültig seine Heimstärke wieder. Die muss auch eine Liga höher zum Faustpfand werden. Prognose: Es geht nur um den Klassenerhalt. Kommen noch zwei, drei Neuzugänge, wird er realistischer.