Die SV Elversberg bleibt auch gegen den VfL Bochum ohne Sieg im neuen Jahr. Beim 1:1 war die Mannschaft von Trainer Vincent Wagner über weite Strecken spielbestimmend, aber musste sich am Ende mit einem Punkt begnügen.
Die Enttäuschung überwog, als der Schiedsrichter die Partie am Sonntagnachmittag abpfiff. Über fast 60 Minuten hatte die SV Elversberg den VfL Bochum kontrolliert, phasenweise dominiert und sich eine Vielzahl an Torchancen erspielt. Doch am Ende stand nur ein 1:1, das sich aus Sicht der Gastgeber wie zwei verlorene Punkte anfühlte. Vor 9.307 Zuschauern blieb die SVE damit zwar weiterhin zu Hause ungeschlagen, rutschte in der Tabelle jedoch aus den Aufstiegsrängen und wartet nach dem 2:3 in Nürnberg weiter auf den ersten Sieg im Jahr 2026.
Vincent Wagner hatte seine Startelf im Vergleich zur Niederlage beim 1. FC Nürnberg auf drei Positionen verändert. Bambasé Conté übernahm die Spielmacherrolle für Jarzinho Malanga, Nicholas Mickelson ersetzte den muskulär angeschlagenen Lasse Günther auf der linken Seite, Jan Gyamerah begann gegen seinen Ex-Club anstelle von Felix Keidel. Von Beginn an war Elversberg die aktivere Mannschaft. Die Hausherren hatten mehr Ballbesitz, kontrollierten das Tempo und suchten immer wieder den Weg in die gegnerische Hälfte. Bochum zog sich tief zurück, blieb in der Offensive weitgehend blass und war zunächst fast ausschließlich mit Defensivarbeit beschäftigt.
Vermutlich die beste erste Halbzeit
Schon in der Anfangsviertelstunde sammelte die SVE zahlreiche Standards, Freistöße und Strafraumszenen. Der einzige Vorwurf, den man den Gastgebern machen konnte, war die fehlende Konsequenz im Abschluss. Ein Freistoß von Lukas Petkov zwang Bochums Torhüter Timo Horn in der 15. Minute zu einer Parade, weitere Abschlüsse wurden geblockt oder verfehlten ihr Ziel knapp. Bochum hingegen fand offensiv kaum statt – und ging dennoch in Führung. In der 24. Minute verlängerte Maximilian Rohr eine Flanke von Leandro Morgalla unglücklich, der Ball landete bei Mats Pannewig. Der Bochumer ließ einen Gegenspieler aussteigen und traf aus rund sieben Metern mit dem ersten Torschuss der Gäste zum 1:0.
Der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt, Elversberg reagierte wütend. Nur eine Minute später hatte Neuzugang David Mokwa die große Chance zum Ausgleich, scheiterte aus kurzer Distanz jedoch am stark reagierenden Horn. Die Gastgeber erhöhten den Druck weiter, drängten Bochum tief in die eigene Hälfte und erspielten sich eine Chance nach der anderen. Łukasz Poręba traf aus 18 Metern nur die Querlatte, wenig später setzte auch Conté einen satten Abschluss an das Aluminium. Kurz vor der Pause schlenzte Conté den Ball erneut an die Latte – es war bereits der zweite Aluminiumtreffer innerhalb weniger Minuten. Zur Halbzeit war die Bochumer Führung mehr als glücklich.
„Meine Mannschaft hat es in der ersten Halbzeit wirklich gut gemacht, war einmal nach einem Standard nicht griffig genug und wir liegen 0:1 zurück“, sagte Wagner später. „Davon haben wir uns aber nicht verunsichern lassen und weiter angeschoben. Das war vermutlich die beste erste Halbzeit in unseren letzten fünf Spielen, trotzdem ist Fußball am Ende ein Ergebnissport.“
Auch Bochums Trainer Uwe Rösler fand deutliche Worte zur ersten Hälfte. „Die erste Halbzeit war die schwierigste Halbzeit, seit ich in Bochum bin. Wir hatten uns viel vorgenommen, aber es kaum geschafft, eigenen Ballbesitz zu haben“, sagte der VfL-Coach. „Uns hat der Mut verlassen, wir haben die Viererkette nicht stark genug verschoben und unsere Außenstürmer mussten immer wieder aushelfen. Dadurch konnten wir nach vorne kaum Akzente setzen.“
Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst wenig. Elversberg blieb spielbestimmend – und belohnte sich diesmal. In der 53. Minute flankte Mickelson von der linken Seite, Horn kam mit der Faust an den Ball, verlängerte ihn jedoch genau vor die Füße von Lukas Petkov. Der nahm kurz an und jagte den Ball unter die Latte zum überfälligen Ausgleich. „Wir sind in der ersten Halbzeit fast verzweifelt. Mit ein bisschen mehr Glück gewinnen wir“, sagte Petkov später.
Brisantes Duell auf dem Betzenberg
Der Treffer veränderte das Spiel nur bedingt. Elversberg drängte weiter, verpasste es aber, den zweiten Treffer nachzulegen. Maximilian Rohr setzte den Ball nach einer zu kurzen Abwehr von Morgalla von der Strafraumgrenze nur Zentimeter am Pfosten vorbei. Gleichzeitig kam Bochum nun etwas besser ins Spiel. Nach einem Fehlpass von Lukas Pinckert tauchte Felix Passlack frei vor dem Tor auf, doch Nicolas Kristof bewahrte die SVE vor dem erneuten Rückstand.
In der Schlussphase forderte das hohe Tempo seinen Tribut. Das Elversberger Offensivspiel verlor an Durchschlagskraft, die Klarheit in den Aktionen nahm ab. Wagner brachte mit Otto Stange, Malanga und Keidel frische Kräfte, doch der große Druck ließ sich nicht mehr aufbauen. Bochum verteidigte mit viel Aufwand und hatte in der Nachspielzeit sogar noch Konterchancen. Rösler erklärte später: „Uns hat die Halbzeit geholfen, um umzustellen und die Seiten dicht zu bekommen. Wir hatten selbst noch Torchancen nach Umschaltsituationen zum Schluss, auch wenn ein Sieg vielleicht insgesamt nicht verdient gewesen wäre.“
Am Ende blieb es beim 1:1. „In der zweiten Halbzeit haben wir uns ein bisschen schwerer getan, da hatten wir nicht mehr die Klarheit in unseren Situationen“, bilanzierte Wagner. „Mit dem Ausgleich ist uns auch etwas der Punch abhandengekommen. Nichtsdestotrotz hatten wir unsere Momente, aber nicht mehr den großen Druck aufbauen können. Am Ende müssen wir froh sein, dass Bochum aus seinen zwei Möglichkeiten kein Tor mehr schießt.“
So bleibt für Elversberg die Erkenntnis, erneut vieles richtig gemacht, sich aber nicht belohnt zu haben. Die Serie ohne Heimniederlage hält, der erste Sieg im neuen Jahr lässt jedoch weiter auf sich warten. Am kommenden Samstagabend bietet sich im Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern die nächste Gelegenheit, den starken Ansätzen wieder mehr Zählbares folgen zu lassen.