Der FC Union Berlin kann zwei Spieltage vor Saisonschluss nicht mehr absteigen. Das erleichtert die Arbeit für die kommende Spielzeit. Ein paar Deals sind bereits eingetütet.
Bei den Abschiedsworten von Marvin Friedrich klang damals reichlich Wehmut durch. „Ich habe mich von Beginn an bei Union sehr wohl gefühlt. Hier bin ich Stammspieler geworden und habe es zusammen mit dem gesamten Verein in die Bundesliga und nach Europa geschafft“, sagte der Abwehrspieler vor viereinhalb Jahren, als sein Wechsel von den Eisernen zu Borussia Mönchengladbach öffentlich bekannt gegeben wurde: „Die letzten Jahre waren unbeschreiblich und werden für immer unvergessen bleiben.“ Demnächst dürfte Friedrich wieder in einer Pressemitteilung der Eisernen zitiert werden, denn: Der 30-Jährige kehrt übereinstimmenden Medienberichten zufolge zurück nach Berlin-Köpenick. Da sein Vertrag in Gladbach ausläuft, würde Friedrich ablösefrei kommen. Im Gespräch ist ein Vertrag bis 2028 mit einer Option für eine weitere Saison.
Die Rückkehr dürfte bei den Fans auf große Zustimmung stoßen. Der Innenverteidiger war einer der Garanten für den Aufstieg 2019, als er nicht nur kompromisslos verteidigte, sondern auch bei Standards sehr torgefährlich war. Sein entscheidendes Tor im Aufstiegs-Relegationsspiel gegen den VfB Stuttgart ging in die Club-Geschichte ein. Auch deswegen ist Friedrich bei den Anhängern nach wie vor beliebt. Insgesamt bestritt er zwischen 2018 und 2022 in vier Jahren 141 Pflichtspiele. In Mönchengladbach wurde er sportlich nicht wirklich glücklich, einen Stammplatz hatte er am Bökelberg nur selten. In der laufenden Saison kam er nur in einem Spiel über 90 Minuten zum Einsatz: ausgerechnet im Gastspiel der Gladbacher in der Alten Försterei, das Union 3:1 gewann. In den vergangenen Wochen kämpfte Friedrich gleich mit doppelten Abstiegssorgen: Zum einen wollte er auf keinen Fall im letzten Vertragsjahr mit der Borussia absteigen, zum anderen fieberte er auch bei Unions Mission Klassenerhalt mit. Seine Erleichterung dürfte nun entsprechend groß sein, denn zwei Spieltage vor Saisonende sind sowohl sein aktueller als auch sein vermutlich künftiger Arbeitgeber gerettet.
Für Union geht es in den verbleibenden Partien nur noch darum, die durchwachsene Saison möglichst mit einem guten Gefühl abzuschließen. Dafür braucht es Punkte im Auswärtsspiel am Sonntag (10. Mai) beim FSV Mainz 05 mit Unions Ex-Coach Urs Fischer und zum Saisonabschluss im Heimspiel in der Alten Försterei gegen den FC Augsburg. Der Abstiegsdruck ist aber weg, was auch die Arbeit hinter den Kulissen erleichtert. Und es gibt viel zu tun. Schließlich muss nicht nur der Kader dringend verstärkt, sondern auch der Cheftrainer-Posten neu besetzt werden. Seit dem Ende der Ära von Fischer 2023 hatte Union bei seiner Auswahl kein großes Glück. Ob sich das mit Christian Eichner ändert? Der Coach des Zweitligisten Karlsruher SC wird in Medien zumindest als heißer Kandidat gehandelt.
Klar ist, dass Marie-Louise Eta in der kommenden Saison nicht mehr die Profimannschaft der Männer trainiert. Daran ändert auch der erste Punktgewinn unter ihrer Regie beim 2:2 gegen den 1. FC Köln nichts. Für sie selbst war das Remis nach einer erfolgreichen Aufholjagd dennoch extrem wichtig, denn bei einer dritten Niederlage im dritten Spiel hätten die Zweifel an der Entscheidung, erstmals eine Frau in der Bundesliga zum Chefcoach zu befördern, zugenommen. „Wir können heute glücklich sein, nach dem 0:2 noch zurückzukommen“, sagte Eta unmittelbar nach dem nervenaufreibenden Spiel. Auch nach dem Rückstand hätte die Mannschaft „gelebt“ und „ihr Herz auf dem Platz gelassen“, wie die Interimstrainerin zufrieden feststellte. „Der Glaube war einfach immer da“, sagte Eta: „Schön, dass sich die Mannschaft mit einer tollen Aktion auch belohnt hat und am Ende hier auch verdient den Punkt mitnimmt.“ Sie habe versucht, „mit Wechseln und Umstellungen frische Impulse zu bringen“ – und das ist ihr hervorragend gelungen.
Mutige und forsche Art der Offensivspieler
Der von ihr in der zweiten Halbzeit eingewechselte Livan Burcu erzielte spät den 2:2-Ausgleichstreffer, der in der Alten Försterei bejubelt wurde wie ein Siegtor. Der erste Bundesliga-Treffer des Offensivspielers war ein wunderschönes: ein Schlenzer aus halblinker Position ins kurze Eck. „Mein erstes Bundesligator, noch dazu in der Situation, in der wir uns befinden – das war eine Erleichterung“, sagte der türkische U21-Nationalspieler, der sein großes Talent bei Union bislang nur in Ansätzen gezeigt hat. Er sei mit einer Verletzung in die Saison gestartet und hätte deswegen eine lange Anlaufzeit gebraucht, erklärte Burcu. Die Teamkollegen hätten ihm den Rücken gestärkt, doch wirklich gezweifelt habe er an sich nie: „Ich bin ein sehr selbstbewusster Typ. Ich weiß genau, was ich kann.“
Es ist genau diese mutige und forsche Art, die Eta an ihrem Offenspieler schätzt. „Er ist ein Spieler, der gerade im letzten Drittel eine hohe Kreativität hat, aber eben auch eine hohe Abschlussqualität“, sagte sie. Im Training würde Burcu diese besondere Qualität, ein Unterschiedsspieler zu sein, oft zeigen. Der Ex-Magdeburger sei ein Spieler für gewisse Momente. So wie gegen Köln, beim Stand von 1:2, als er mit einer genialen Aktion das Spiel kippte und auch sonst sehr präsent war. „Als er drin war, hat man ja auch gemerkt, dass er das Spiel einfach an sich reißen kann“, sagte Eta: „Deswegen hat er das bestätigt, was er schon in den Trainingseinheiten gezeigt hat.“ Burcu selbst sah sich aber nicht als alleinigen Grund dafür, dass Union zumindest einen Punkt im Abstiegskampf retten konnte. Es sei „sehr stark“ gewesen, „wie wir zurückgekommen sind, um das 2:2 zu machen. Ich bin stolz auf die Truppe.“
Dass bei Union ein ganz besonderer Zusammenhalt entstehen kann, weiß Friedrich auch aus eigener Erfahrung. Er war sogar ein wichtiger Faktor, warum es auf und neben dem Platz so gut lief während seiner Zeit bei den Eisernen. Bei seiner kolportierten Rückkehr soll der Innenverteidiger wieder eine Führungsrolle einnehmen, denn in der Dreier-Abwehrkette dürften mit großer Wahrscheinlichkeit zwei Plätze frei werden: Die Verträge von Diogo Leite und Danilho Doekhi laufen aus, eine Verlängerung lehnten beide Abwehrstars ab. Sie dürften im Sommer ablösefrei wechseln – das ist finanziell schmerzhaft für den Club. Die Nachfolger sollen entsprechend auch möglichst kein Geld kosten. Und so soll sich Union neben Friedrich auch mit einem zweiten Innenverteidiger bereits auf einen ablösefreien Wechsel geeinigt haben: Von Royal Antwerpen soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge der 22-jährige Zeno van den Bosch kommen. Der Belgier, der bei Antwerpen Stammspieler ist, erhält demnach sogar einen Vierjahresvertrag. Der Deal soll bereits im vergangenen Winter unter Dach und Fach gebracht worden sein.
Neben den beiden Neuzugängen stehen in der kommenden Saison noch Abwehrchef Leopold Querfeld und der aktuell an Drittligist Waldhof Mannheim verliehene Oluwaseun Ogbemudia als Innenverteidiger im Union-Kader. Außerdem gilt es als wahrscheinlich, dass die Berliner Verantwortlichen die Kaufoption bei Stanley Nsoki ziehen. Er ist aktuell von der TSG Hoffenheim ausgeliehen. Nsoki gilt als guter Back-up, eine Rolle als Stammspieler wird ihm aber eher nicht zugetraut. Es ist also gut möglich, dass Union in der Verteidigung noch mal nachlegt, auch wenn aktuell andere Positionen Priorität genießen. Der nun auch theoretisch gesicherte Klassenerhalt dürfte bei den Verhandlungen sehr helfen.