Ein aufregender Meisterkampf winkt in der kommenden Saison nicht. Doch abseits der alles überragenden Bayern steht die Fußball-Bundesliga vor einer spannenden Saison.
Ein scheinbar übermächtiger FC Bayern, dahinter wohl sieben Bewerber für drei Champions-League-Plätze und drei spannende, aber höchst unterschiedliche Aufsteiger – die Fußball-Bundesliga steht vor einer besonderen Saison. Wir wagen eine Prognose.
FC Bayern München
16 Punkte Vorsprung, 28 Siege in 34 Spielen und eine unglaubliche Tordifferenz von +86 – nach dieser Vorsaison des FC Bayern kann sich in dieser Spielzeit nicht ernsthaft die Frage stellen, wer Meister wird. Sondern eigentlich nur, wann die Bayern es werden und wer Zweiter wird. Zumal es keinen schwerwiegenden Abgang gab, dafür mit den WM-Teilnehmern Nathaniel Brown und Ismael Saibari aber zwei vielversprechende Zugänge.
Prognose: Ganz klar, die Bayern werden wieder Meister.
Borussia Dortmund
Der BVB hat eine seltsame Saison hinter sich. 73 Punkte bedeuteten die beste Ausbeute seit 2019, damit war der BVB klar „best of the rest“. Doch die eher enttäuschenden Pokalwettbewerbe sowie die pragmatische Spielweise sorgten dennoch für latentes Murren im Umfeld und sogar gefühlte Unzufriedenheit mit Trainer Niko Kovac. Der hat dem Team aber erfolgreich den Pragmatismus eingeimpft, steigende Attraktivität ist nun seine nächste Aufgabe.
Prognose: Ein ernsthafter Bayern-Jäger ist der BVB nicht. Ein klarer Anwärter auf die Champions-League-Plätze aber sicher.
RB Leipzig
Noch etwas bizarrer wirkte die Trainer-Beurteilung im Fall von Ole Werner. Der schaffte nach dem ersten Verpassen des Europacups eine Wiederbelebung und spielte die zweitbeste Saison der Bundesliga-Historie. Wurde mit Blick auf die Spielweise und Perspektive aber beurlaubt und durch Martin Demichelis ersetzt. Dem früheren Bayern-Spieler ist also gleich klar, was er liefern muss: Erfolg und schöne Spiele.
Prognose: RB hat im Gegensatz zum Vorjahr wieder die Dreifach-Belastung. Trotzdem muss Demichelis schnell liefern. Ein Kandidat für die ersten vier Plätze ist RB aber immer.
VfB Stuttgart
Rettung, Vize-Meisterschaft, Pokalsieg und nun erneut Finale und Champions-League-Qualifikation – was Trainer Sebastian Hoeneß in seinen etwas mehr als drei Jahren aus dem VfB gemacht hat, ist unglaublich. Dazu konnte Nationalstürmer Deniz Undav langfristig gehalten werden und bis in den August hinein war kein Stammspieler gegangen.
Prognose: Im Jahr der letzten Champions-League-Teilnahme wurde Stuttgart nur Neunter. Ein solcher Absturz ist diesmal nicht zu erwarten.
TSG Hoffenheim
Die TSG war fast abgestiegen und Trainer Christian Ilzer fast schon weg. Doch im Vorjahr folgte trotz beharrlicher Unruhe im beschaulichen Umfeld die doppelte Wiederauferstehung. Mit Grischa Prömel ging nur ein Stammspieler. Im Gegenzug investierte die TSG insgesamt 42 Millionen in die drei Super-Talente Nathan De Cat (18), Cajetan Lenz und Mats Rots (beide 20). Prognose: Der Angriff auf die Champions League wird schwierig, doch die TSG ist wieder klarer Europacup-Anwärter.
Bayer Leverkusen
Der Umbruch im ersten Jahr nach Xabi Alonso und Florian Wirtz war riesig, das Ergebnis mit zwei Trainer-Trennungen und der verpassten Champions League ernüchternd. Der neue Trainer Carles Martínez war nicht die Eins-a-Lösung, kommt aber bisher sehr gut an. Und Vorjahres-Zugängen wie Ibrahim Maza oder Jarell Quansah ist der große Durchbruch zuzutrauen.
Prognose: Bayer schafft die Rückkehr in die Champions League – und ist ein Titelkandidat in der Europa League.
SC Freiburg
Die vergangene Saison der Freiburger ist deshalb so hoch zu bewerten, weil sie in allen drei Wettbewerben performten. Das Erreichen des Europa-League-Finals und der Verkauf von Johan Manzambi für 63 Millionen sind Quantensprünge.
Prognose: Die Ansprüche und Erwartungen steigen, die Begehrlichkeiten von außen auch. Die Freiburger sollten aber stabil genug sein, sich nicht verrückt machen zu lassen und weiter zur oberen Tabellenhälfte zu gehören.
Eintracht Frankfurt
Die Frankfurter haben erlebt, wie Europa einen Verein ändern kann. Seit dem Europa-League-Sieg 2022 war wenig wie zuvor. Bis zum Vorjahr waren die Auswirkungen fast ausschließlich positiv. Doch nach dem Verpassen des Europacups steht vieles auf dem Prüfstand – selbst der lange für sein goldenes Händchen gelobte Sportchef Markus Krösche. Der ging nach dem missglückten Experiment mit Albert Riera in der Trainer-Frage mit Rückkehrer Adi Hütter auf Nummer sicher.
Prognose: Das Umfeld ist unruhig. Eine Rückkehr nach Europa in die Champions League ist möglich, aber längst kein Selbstläufer.
FC Augsburg
Das Experiment mit Sandro Wagner als Chef-Trainer hat nicht funktioniert, doch Manuel Baum führte den FCA noch zur zweitbesten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte. Die Truppe ist mit vielversprechenden Jungstars und starken französischen Spielern gut besetzt, die Stimmung nach der zweiten Saisonhälfte gut.
Prognose: Augsburg ist ein Geheimfavorit auf Europa!
FSV Mainz 05
Zum dritten Mal in den letzten fünf Jahren spielten die Mainzer eine ganz schlechte Hinrunde – und retteten sich trotzdem wieder eindrucksvoll. Das zeigt die Unverwüstlichkeit des Vereins, die Stärke des neuen Trainers Urs Fischer und das Potenzial des Kaders.
Prognose: Solide verstärkt und ohne großen Abgang sollten die Mainzer in der kommenden Saison nicht in Nöte kommen und entweder der klassische Mittelfeld-Club werden – oder sogar leicht nach oben schielen können.
Union Berlin
Im Vorjahr taumelte das Team durch die Rückrunde. Erst Trainerin Marie-Louise Eta konnte in den letzten zweieinhalb Spielen für einen Stimmungsumschwung sorgen. Mit Danilho Doekhi und Diego Leite ging aber ein Abwehr-Bollwerk. Auf der Zugangs-Seite passierte lange wenig.
Prognose: Mauro Lustrinelli, der den FC Thun sensationell zum Meister gemacht hat, muss auch angesichts des happigen Startprogramms als neuer Trainer schnell funktionieren. Sonst droht eine unbefriedigende und ungemütliche Saison.
Borussia Mönchengladbach
Ex-Sportchef Max Eberl wurde das Ziel der tabellarischen „Einstelligkeit“ einst als Ambitionslosigkeit ausgelegt. Nun hat die Borussia dieses Ziel fünfmal hintereinander verfehlt. Und Trainer Eugen Polanski geht durchaus geschwächt in die Saison. Erst spät entschied sich Sportchef Rouwen Schröder für seinen Verbleib, mit ein paar mahnenden Worten und nach Umbau des kompletten Trainer-Stabs.
Prognose: Auch diesmal wird es nichts mit der Einstelligkeit. Die Borussia muss vor allem schauen, dass sie sich nach hinten absichert.
Hamburger SV
Für die Rückkehr in die Bundesliga nahm der einstige Dino so lange Anlauf, dass er direkt sehr stabil wirkte. Der junge Trainer Merlin Polzin hat den Laden gut im Griff, die Truppe ist trotz der schmerzhaften Abgänge von Luka Vuskovic und Fabio Vieira breit aufgestellt und macht einen sehr stabilen Eindruck.
Prognose: Für eine Überraschung nach oben ist es zu früh, aber der HSV sollte in diesem Jahr ohne akute Abstiegssorgen durch die Saison kommen.
1. FC Köln
Nach starkem Start taumelten die Kölner zuletzt als Aufsteiger ins Ziel. Der junge René Wagner konnte noch nicht für einen Umschwung sorgen, erhielt im Sommer aber dennoch das Vertrauen als Chefcoach. Auch mit Hilfe des bestens vernetzten Direktors Tim Steidten haben die Kölner spannende Neuzugänge geholt. Der Abgang von Jakub Kaminski und das ewige Transfer-Gerangel um Said El Mala könnten aber zur Belastung werden.
Prognose: Wagner muss funktionieren, und das sofort. Sonst steht dem FC wieder eine sehr unruhige und schwierige Saison bevor.
Werder Bremen
Im eigentlich so ruhigen Bremen herrschte gefühlt das ganze Jahr über Unruhe. Sportlich gab es wenige Lichtblicke, die 32 Punkte sind tatsächlich die Bilanz eines Absteigers. Die Neuzugänge sorgten zudem bisher für wenig Euphorie, die Finanzen sind inzwischen ungewohnt angespannt, das Startprogramm ist wie im Vorjahr wieder recht schwierig. Prognose: Für Werder geht es in diesem Jahr ums reine Überleben.
FC Schalke 04
Nach der schlechtesten Saison der Vereinsgeschichte im Jahr davor hatte im vergangenen Sommer niemand die Schalker als Aufsteiger auf dem Zettel. Nicht einmal sie selbst. Doch dann brachten Sportchef Frank Baumann Ruhe und Trainer Miron Muslic Teamgeist. Dass Altstar Edin Dzeko bleibt, sorgte für Euphorie, zudem scheint das Team sinnvoll verstärkt worden zu sein.
Prognose: Schalke kehrt viel stabiler zurück als nach dem letzten Aufstieg 2022 und hat allerbeste Chancen auf den Klassenerhalt.
SV Elversberg
Nach dem knapp verpassten Aufstieg 2025 gingen die halbe Stammelf und der Erfolgs-Trainer. Manch einer prophezeite der SVE den Untergang – doch das Gegenteil passierte. Mit erfrischendem Fußball stiegen die Saarländer als kleinster Standort, den es je gab, in die Bundesliga auf. Dort sind sie naturgemäß großer Außenseiter. Doch Trainer Vincent Wagner und seine junge Rasselbande sind bereit für die nächste Überraschung.
Prognose: Die SVE schafft den Klassenerhalt!
SC Paderborn
Auch in Paderborn gingen nach dem knapp verpassten Aufstieg 2025 der Trainer und der Sportchef. Doch die Nachfolger Ralf Kettemann und Sebastian Lange setzten noch einen drauf und führten die Ostwestfalen zum dritten Mal in die Bundesliga. Diesmal soll es im Gegensatz zu den ersten beiden Anläufen nicht direkt wieder runtergehen. Das übliche Problem: Viele Aufstiegs-Helden hatten das Interesse größerer Vereine geweckt, Einkäufe waren überwiegend aus unteren Ligen möglich.
Prognose: Der erste Bundesliga-Klassenerhalt wird ein hartes Stück Arbeit – doch den zähen Paderbornern ist er zuzutrauen.