Der 1. FC Kaiserslautern will in der neuen Saison zur Top Sechs der Liga gehören. Das wird vor allem davon abhängen, wie gut der Abgang von Torjäger Ragnar Ache abgefedert wird – und ob die Defensive sich stabilisiert.
Der Countdown zur neuen Saison der 2. Bundesliga läuft ab, und der 1. FC Kaiserslautern startet mit einer Mischung aus Neugier, Ambition und offener Erwartung in die Spielzeit 2025/26. Ein klares Bild vom Leistungsstand der Roten Teufel zu diesem Zeitpunkt zu zeichnen, fällt schwer. Die Vorbereitung verlief weitgehend planmäßig, wenn auch die Generalprobe gegen AS Rom aus sportlicher Sicht Ernüchterung hinterließ. Trotzdem bleibt der Optimismus ungebrochen.
Trainer Torsten Lieberknecht zeigte sich nach dem 0:1 gegen den italienischen Erstligisten im Rahmen des 125-jährigen Vereinsjubiläums äußerst selbstkritisch. Vor allem die Art und Weise, wie das Gegentor zustande kam, missfiel dem Coach. Torwart Julian Krahl hatte sich im Aufbauspiel verschätzt und den Ball leichtfertig verloren. „Was mich mehr stört als der Torwartfehler, ist, wie wir uns in diese Situation gebracht haben. Wir wussten, dass der Gegner strukturiert und aggressiv anlaufen würde. Solche Fehler dürfen uns in der Liga nicht passieren“, sagte Lieberknecht. Zugleich betonte er aber auch, dass es sich um ein Testspiel gehandelt habe und die Mannschaft in der verbleibenden Trainingswoche noch an Schärfe und Stabilität gewinnen könne.
Große Euphorie bei den Anhängern
Die Partie gegen Rom war gleichzeitig ein atmosphärisches Ausrufezeichen. Über 35.000 Zuschauer sorgten für eine beeindruckende Kulisse auf dem Betzenberg. Lieberknecht lobte die Stimmung ausdrücklich und hob die Bedeutung der Fans hervor. Auch Geschäftsführer Thomas Hengen sprach von einem besonderen Moment für den Club und seine Anhänger.
Auf sportlicher Ebene zeigt sich beim FCK ein Kader im Umbruch. Der Verlust von Top-Torjäger Ragnar Ache wiegt schwer, war aber erwartet worden. Mit Ivan Prtajin und Mahir Emreli hat man zwei neue Offensivspieler verpflichtet, die zwar unterschiedliche Profile mitbringen, aber beide das Potenzial besitzen, zweistellig zu treffen. Dabei setzen die Lauterer auf spielintelligentere, beweglichere Akteure, die sich nicht ausschließlich im Strafraum aufhalten, sondern auch ins Kombinationsspiel eingebunden werden können. Unterstützt werden sie im offensiven Mittelfeld von Kapitän Marlon Ritter und Neuzugang Semih Sahin, der aus Elversberg kam und in der Vorbereitung sein Gespür für vertikale Pässe und Spielverlagerungen unter Beweis stellte.
Im zentralen Mittelfeld bringt Fabian Kunze neue Stabilität. Der ehemalige Bielefelder zeigte bereits gegen Rom eine ansprechende Leistung als Sechser. In Kombination mit dem vielseitigen Luca Sirch, der allerdings noch aus der Bundesliga umworben wird, entstünde eine physisch wie taktisch solide Doppelsechs. Ein Kernproblem der vergangenen Saison lag jedoch in der Abwehr. 55 Gegentore ließen keinen Zweifel daran, wo der größte Handlungsbedarf bestand. Mit Simon Asta für die rechte Abwehrseite und Maxwell Gyamfi für das Zentrum hat der FCK auf Geschwindigkeit gesetzt. Beide sollen die Defensivarbeit auf ein neues Niveau heben.
Hengen blickt auf die Spitzengruppe
Zusätzlich kam mit dem südkoreanischen Innenverteidiger Jisoo Kim ein junger Leihspieler vom FC Brentford, der mittelfristig eine tragende Rolle übernehmen könnte. Noch ist offen, ob Kim und Gyamfi ein junges Innenverteidiger-Duo bilden oder ob ein erfahrener Spieler wie Jannis Heuer oder Elvedi als Stabilisator fungieren wird. Bis zum Ende der Transferperiode sind weitere Bewegungen im Kader denkbar. Hengen und Sportdirektor Marcel Klos beobachten weiterhin den Markt, auch im Hinblick auf einen möglichen Abwehrchef mit Führungsqualitäten.
Bisher haben die Pfälzer eine zweistellige Zahl an Abgängen zu verzeichnen, weitere könnten folgen. Ziel ist es, die Mannschaft insgesamt ausbalancierter aufzustellen und die Mannschaftsteile besser aufeinander abzustimmen. Die Testspielresultate lassen wenig Rückschlüsse auf den Saisonverlauf zu, zumal Lieberknecht gegen Rom sein komplettes Personal rotierte und somit keine abschließende Startelf erkennen ließ. Immerhin gab der Trainer zu verstehen, dass rund fünf Positionen fest vergeben seien. Einige Spieler benötigen jedoch laut Lieberknecht noch eine Trainingswoche, um voll belastbar zu sein.
Der Saisonauftakt hat es direkt in sich. Mit Hannover 96 wartet auswärts ein Team, das selbst zu den ambitionierten Aufstiegskandidaten zählt. Die Niedersachsen mussten zwar den Verlust von Stürmer Nicolo Tresoldi verkraften, rüsteten aber gezielt mit Spielern wie Ghita, Taibi oder Nawrocki nach. Auch Trainer Christian Titz, zuvor beim 1. FC Magdeburg, gilt als ausgewiesener Fachmann. Für den FCK wird die Begegnung in der Heinz-von-Heiden-Arena zur ersten Standortbestimmung.
Was den Verein indes nach wie vor auszeichnet, ist die sensationelle Unterstützung aus dem Umfeld. Mit mehr als 32.000 verkauften Dauerkarten bewegt sich der FCK auf Spitzenniveau innerhalb der Liga. Mindestens 5.000 Fans werden das Team zum Auftakt begleiten, womöglich deutlich mehr. Die sportliche Leitung hat für die Saison das Ziel ausgegeben, sich in den Top 6 zu etablieren. Nach Platz sieben im Vorjahr bedeutet das faktisch eine nochmalige Steigerung. Die Ambitionen sind nachvollziehbar. Ob Kaiserslautern sich in dieser Konstellation behaupten kann, wird auch davon abhängen, wie schnell die neu formierte Defensive funktioniert und ob sich in der Offensive ein verlässlicher Torschütze etablieren lässt. Torsten Lieberknecht war bei seinen bisherigen Trainerstationen durchaus in der Lage, auch größere Umbrüche in seinen Mannschaften gut zu moderieren und ein harmonisches Kollektiv zügig und zuverlässig ins Rollen zu bringen. Am Sonntag, 3. August, 13.30 Uhr, ist es in der Heinz-von-Heiden-Arena so weit: Hannover 96 empfängt den 1. FC Kaiserslautern zum Spiel zweier Anwärter auf eine Spitzenplatzierung in der 2. Liga.