Die 3. Liga startet mit einem breiten Kreis ambitionierter Clubs in die Saison 2026/27. Doch drei Vereine ragen in den Prognosen besonders heraus. Dahinter lauern mehrere Mannschaften, die ebenfalls vom Aufstieg sprechen dürfen.
Wenn am 7. August die neue Saison beginnt, wird Hansa Rostock einen weiteren Anlauf auf die Rückkehr in die 2. Bundesliga nehmen. Zweimal nacheinander landete die Mannschaft auf dem fünften Tabellenplatz, zweimal fehlte nicht viel. 2025 betrug der Rückstand auf Rang drei noch fünf Punkte, in der vergangenen Spielzeit waren es nur drei. In der Trainerumfrage von „liga3-online.de“ herrscht deshalb bemerkenswerte Einigkeit: Alle 17 Übungsleiter, die sich beteiligten, nannten Rostock als einen ihrer Aufstiegsfavoriten.
Diese Einschätzung gründet nicht allein auf dem Namen und der Wucht des Vereins. Hansa hat es geschafft, den Kern seiner Mannschaft zusammenzuhalten. Trainer Daniel Brinkmann bleibt ebenso wie nahezu alle Leistungsträger. Dazu kommen Verstärkungen, die den ohnehin qualitativ starken Kader weiter aufwerten sollen. Orest Shala, Trainer des SC Verl, sieht in Rostock „eine eingespielte Mannschaft, die auch in der vergangenen Saison oben mitgespielt hat“. Der Verein verfüge über viel Qualität und eine große Anhängerschaft. Zudem sei der Wille zur Rückkehr in die 2. Bundesliga überall zu spüren.
Ein zusätzlicher Vorteil liegt in den finanziellen Möglichkeiten. Der Verkauf von Ryan Naderi hatte Rostock im vergangenen Winter rund 5,5 Millionen Euro eingebracht – eine Rekordsumme für den Verein und die 3. Liga. Dieser Erlös verschaffte der Kogge Spielraum, um den Kader gezielt zu verstärken und unter anderem Torjäger Emil Holten fest zu verpflichten. Gleichzeitig wurde auf entscheidenden Positionen jene Kontinuität geschaffen, die in einer engen und häufig unberechenbaren Liga von großer Bedeutung sein kann. Allerdings muss Rostock vor allem im eigenen Stadion verlässlicher werden. Gelingt es der Mannschaft, die enorme Unterstützung auf den Rängen regelmäßig in Punkte umzuwandeln, verfügt sie über nahezu alle Voraussetzungen für den Aufstieg. Der Verein versteckt seine Ambitionen entsprechend nicht. Aufsichtsratschef Sebastian Eggert erklärte das Ziel bereits unmissverständlich: „Das muss auch – ganz ohne arrogant zu sein – der Anspruch sein. Da brauchen wir nicht drumherumreden.“ Selbst der bloße Aufstieg genügt ihm nicht: „Ich will nicht nur aufsteigen, sondern auch Erster werden.“
Deutlich größer sind die Veränderungen bei Fortuna Düsseldorf. Der Zweitliga-Absteiger hat mit bislang 13 Zugängen und 29 Abgängen einen tiefgreifenden Umbau vollzogen. Eingespielt wird die Mannschaft zum Saisonstart kaum sein, doch die wirtschaftlichen, personellen und strukturellen Bedingungen heben die Fortuna deutlich von einem Großteil der Konkurrenz ab. 14 der befragten Trainer sehen Düsseldorf im engsten Favoritenkreis.
Argirios Giannikis, Trainer des 1. FC Saarbrücken, bezeichnet F95 sogar als „Aufstiegskandidat Nummer eins“. Düsseldorf sei als Absteiger der größte Club der Liga, verfüge über enorme Mittel und sei entsprechend ambitioniert. Der Kader ist zwar noch nicht vollständig, weist aber schon jetzt viel Erfahrung und individuelle Qualität auf. Nach Einschätzung von Viktoria-Trainer Marian Wilhelm besitzt die Fortuna auf fast jeder Position Spieler, die in der 3. Liga den Unterschied ausmachen können.
Eine Schlüsselrolle kommt Alexander Ende zu. Der Trainer kennt die Liga und steht für eine dominante Spielidee. Entscheidend wird sein, wie schnell sich nach dem großen personellen Wechsel eine belastbare Ordnung entwickelt. Findet Düsseldorf früh klare Abläufe und Stabilität, könnte die individuelle Klasse stärker ins Gewicht fallen als die fehlende Eingespieltheit. Dass das Umfeld den sofortigen Wiederaufstieg erwartet, zeigt auch der Dauerkartenverkauf. Mehr als 18.000 Jahreskarten bedeuten einen Rekord für die 3. Liga und unterstreichen den Zusammenhalt zwischen Mannschaft, Verein und Anhängern.
Rot-Weiss Essen will nach der Relegation wieder angreifen
Der dritte große Anwärter ist Rot-Weiss Essen. In der vergangenen Saison scheiterte RWE erst in der Relegation gegen die SpVgg Greuther Fürth am Sprung in die 2. Bundesliga. Elf Trainer trauen der Mannschaft von Uwe Koschinat einen neuen Angriff auf die vorderen Plätze zu. Die Ausgangslage erscheint dennoch komplizierter als in Rostock. Essen hatte viele Planungen auf den Aufstieg ausgerichtet und muss nach dem verpassten Ziel nun ebenfalls Veränderungen bewältigen.
Gleichzeitig sind wichtige Leistungsträger geblieben. Die Qualität der Neuzugänge deutet darauf hin, dass der Verein trotz der bitteren Enttäuschung keinen Schritt zurückgehen möchte. Wilhelm bescheinigt den Essenern einen „vielseitigen und entwicklungsfähigen Kader“. Wenn die neuen Bausteine schnell ineinandergreifen, kann RWE erneut zu den Mannschaften gehören, die sich über einen längeren Zeitraum oben festsetzen. Öffentlich haben Koschinat und die Vereinsführung den Aufstieg bislang zwar nicht zum verpflichtenden Ziel erklärt. Nach Platz drei und der nur knapp verlorenen Relegation lässt sich der Anspruch jedoch kaum kleiner formulieren.
Hinter dem Führungstrio wächst ein Verfolgerfeld, das groß genug ist, um die vermeintlich klare Ordnung jederzeit zu erschüttern. Der MSV Duisburg macht aus seinen Ambitionen wenig Geheimnis. Sportchef Chris Schmoldt sagte bereits: „Der Ehrgeiz ist da: Wir wollen in die 2. Liga. Ob wir das am Ende erreichen, das hängt nun auch von der Liga ab.“ Vier Trainer zählen die Zebras zum Favoritenkreis. Auch die bisherigen Transfers senden das Signal, dass der MSV nicht nur eine ruhige Saison spielen möchte.
Hinzu kommen der SV Wehen Wiesbaden, Preußen Münster, Alemannia Aachen und der 1. FC Saarbrücken. Wehen hat seine Ziele ebenso klar abgesteckt wie Rostock, erhielt in der Abstimmung allerdings nur eine Stimme. Münster wiederum muss nach dem Abstieg einen größeren Umbruch bewältigen. Wie schnell daraus eine funktionierende Mannschaft entsteht, ist offen. Die grundsätzlichen Möglichkeiten und Ambitionen des Vereins machen die Preußen dennoch zu einem Kandidaten, den die Konkurrenz nicht unterschätzen darf.
Aachen kann auf einer starken Rückrunde aufbauen. Stefan Kleineheismann, Trainer der TSG Hoffenheim II, verwies auf die Entwicklung der Alemannia und darauf, dass sie bei einer Fortsetzung dieses Weges um die vorderen Plätze mitspielen könne. Allerdings muss Aachen künftig ohne Lars Gindorf auskommen. Der 1. FC Saarbrücken erhielt ebenfalls eine Stimme, zählt damit aber anders als vor der vergangenen Saison nicht mehr zu den meistgenannten Kandidaten. Damals hatten neun Trainer den FCS auf ihrer Liste. Diesmal konzentrieren sich die Erwartungen wesentlich stärker auf Rostock, Düsseldorf und Essen.
Wie wenig solche Prognosen garantieren, zeigte schon die zurückliegende Spielzeit. Vor einem Jahr galten 1860 München, Rostock, Saarbrücken und Essen als die prominentesten Anwärter. Den VfL Osnabrück und Energie Cottbus hatte dagegen kein Trainer genannt. Auch der SC Verl hat in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, dass eine kluge Entwicklung und eine funktionierende Spielidee finanzielle Unterschiede zumindest zeitweise ausgleichen können. Trotz eines erneuten Umbruchs könnten die Ostwestfalen wieder eine Rolle spielen.
Damit ist die Hierarchie bereits vor dem Saisonstart erkennbar, aber keineswegs festgeschrieben. Rostock bringt die größte Kontinuität mit, Düsseldorf die stärksten Voraussetzungen und Essen die Erfahrung eines nur knapp verpassten Aufstiegs. Dahinter stehen mehrere Clubs bereit, deren Kader noch nicht komplett zusammengestellt sind und deren tatsächliche Stärke deshalb schwer einzuschätzen bleibt. Die 3. Liga beginnt mit klaren Favoriten – aber auch mit genügend Unwägbarkeiten, um diese Ordnung schon früh durcheinanderzubringen.