Was erwartet uns im Herbst? Welche Make-up-Fehler passieren häufig? Und was macht die gefragte Korean Skincare so besonders? Wir haben bei Hair- und Make-up-Artist Nina Gräßer aus Trier nachgefragt, die für Marken wie Dior Beauty, YSL Beauty und viele Prominente arbeitet.
Liebe Nina, welche Farben und Trends erwarten uns im Herbst 2025?
Wir gehen zurück zur Softness – warme Brauntöne, Zimt, Taupe, Terracotta. Dazu Glossy Lips, monochrome Looks mit Creme-Produkten. Auch der Graphic Liner bleibt, aber softer – zum Beispiel in Braun statt in Schwarz. Ich liebe den Mix aus Natürlichkeit mit einem Hauch Eleganz. „Less Instagram, more real beauty“ – das ist der neue Vibe. Und: Haut darf Haut bleiben – statt zu überdecken geht es darum, das Beste rauszuholen.
Was sind die häufigsten Fehler, die beim Schminken gemacht werden?
Viele tragen zu viel Produkt auf – vor allem Foundation und Puder. Dabei gilt: Weniger ist oft mehr! Ein weiterer Klassiker ist die falsche Farbe beim Make-up oder Concealer – zu hell unter den Augen oder zu dunkel im Gesicht. Auch nicht verblendete Übergänge (zum Beispiel am Hals) sieht man leider oft. Und: Augenbrauen, die zu stark nachgezeichnet sind. Sie geben dem Gesicht zwar Struktur, aber sollten trotzdem soft und natürlich aussehen. Ein letzter Punkt: das Abschminken. So banal es klingt – viele lassen es aus oder reinigen nicht gründlich genug. Und das sieht man dann eben auch am nächsten Morgen.
Serum, Creme, Primer, danach Make-up, Puder, Highlighter – benötigt man wirklich so viele Schichten?
Kommt ganz auf Hauttyp und Anlass an. Für den Alltag reicht oft: Serum oder Tagescreme und leichtes Make-up oder getönter Lichtschutzfaktor plus ein bisschen Glow. Primer ist ein Nice-to-have, besonders bei größeren Poren oder wenn es lange halten soll. Puder nur dort, wo man wirklich glänzt. Wichtig ist: Die Produkte sollten miteinander harmonieren – sonst kann sich das Make-up absetzen oder krümeln.
Worauf sollte man beim Make-up nicht verzichten, selbst mit kleinem Budget?
Ein guter Concealer ist Gold wert – er lässt uns direkt frischer erscheinen. Außerdem eine Wimpernzange, eine cremige Textur für Wangen und Lippen (zum Beispiel ein 2-in-1-Produkt in Rosenholz) und natürlich: Pflege! Auch günstige Marken bieten mittlerweile tolle Seren und Tagescremes mit Hyaluron oder Niacinamid. Und: Weniger Produkte, dafür lieber auf Qualität achten – das zahlt sich aus.
Welche Make-up-Schritte bewirken die stärksten positiven Veränderungen?
Definitiv das Formen der Augenbrauen – sie rahmen das Gesicht. Dann Concealer richtig eingesetzt (nicht zu hell!) – er liftet optisch. Und: Blush! Ein frischer Ton auf den Wangen lässt dich direkt wacher und gesünder aussehen. Lippenpflege mit leichtem Farbton rundet den Look ab – selbst bei wenig Zeit wirkt man direkt gepflegt.
Wie kann man sehr öliger Haut entgegenwirken – wenn man zu häufig über die Foundation pudert, wird das Ergebnis ja oftmals fleckig …
Mattierende, ölfreie Primer sind super. Und statt immer wieder nachzupudern lieber Blotting Papers oder ein transparenter, federleichter Setting Powder. Wichtig: Pflege vorher nicht auslassen! Auch ölige Haut braucht Feuchtigkeit – sonst produziert sie noch mehr Talg. Ich schwöre bei meinen Bräuten mit glänzender T-Zone auf spezielle Long-Wear-Foundations und mikrofeine Puder – so hält der Look bis zum letzten Tanz.
Welche Beautyprodukte sind für Dich echte Gamechanger?
Ampullen – gerade vor besonderen Events – sind ein Sofort-Booster. Ich liebe zum Beispiel beruhigende oder aufpolsternde Varianten. Auch Augenpads mit Koffein sind bei mir ein Muss. Und für meine Bräute schwöre ich auf Setting Sprays, die das Make-up fixieren, aber trotzdem frisch aussehen lassen. Bei mir selbst hat ein Gua-Sha-Ritual mit Serum total viel verändert – nicht nur für die Haut, sondern auch als kleiner Moment für mich morgens.
Welche Produkte findest Du überflüssig?
Manche Konturprodukte in 100 Shades – braucht kein Mensch. Auch Nasen-Konturierung ist für den Alltag oft too much. Und: Extrem wasserfeste Mascaras, die die Wimpern eher brechen als halten – lieber gute Pflege und eine hochwertige, normale Mascara verwenden. Was ich auch nicht mehr nutze: Silikonhaltige Primer in Massen – sie lassen die Haut oft stumpf wirken, besonders bei trockener oder reifer Haut.
Wie sieht Deine eigene Beauty-Routine aus?
Tatsächlich ziemlich minimalistisch – auch, weil ich morgens oft direkt losmuss. Reinigung, Serum, Tagespflege mit SPF. Manchmal noch ein Glow-Produkt, Mascara, Lippenpflege – fertig. Wenn ich mehr Zeit habe, liebe ich auch Gua Sha und Ice Globes für den Frischekick. Und abends? Eine gute Nachtmaske – das ist mein Selfcare-Upgrade.
Lash Extensions erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Was hältst Du davon?
Für viele ein Gamechanger, weil man morgens direkt wach aussieht. Ich selbst hatte sie auch schon öfter. Wichtig ist aber die Pflege dazwischen – die Wimpern brauchen Pausen, sonst werden sie dünner. Und die Wahl der Stylistin ist entscheidend – bitte keine Billigkleber! Wer regelmäßig Extensions trägt, sollte auch auf die Reinigung achten – ich habe schon einige Augenentzündungen bei Kundinnen gesehen, weil die Lashes nicht gründlich gereinigt wurden.
Ein aktueller Trend ist Glass Skin – gläsern wirkende Haut. Wie bekommt man diese hin?
Glass Skin ist vor allem eins: gepflegte Haut! Dafür braucht’s gute Hydration, zum Beispiel durch Layering von Toner, Serum, Creme. Leicht reflektierende Produkte und ein wenig Glow Foundation vollenden den Look. Und bitte keine kiloweise Highlighter – das sieht schnell speckig aus. Ich arbeite lieber mit Liquid Highlightern, die dezent schimmern und sich gut mit der Haut verbinden.
Koreanische Skincare erfreut sich auch in Europa seit Jahren großer Beliebtheit – haben diese Produkte wirklich Vorteile, zum Beispiel durch andere Inhaltsstoffe?
Ja, absolut! Die koreanische Routine ist oft vielschichtiger, aber sehr durchdacht. Es wird zum Beispiel viel Wert auf sanfte Reinigung und feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe gelegt. Produkte mit Snail Mucin oder Ginseng machen tatsächlich einen Unterschied – ich habe selbst ein paar K-Beauty-Favoriten im Schrank. Besonders spannend finde ich, wie viel Forschung hinter diesen Produkten steckt – und dass sie oft sogar besser verträglich sind als westliche Marken.
Manche sind nicht glücklich mit ausgeprägten Nasolabialfalten oder tiefen Tränenrinnen, möchten aber nicht gleich einen Beauty-Eingriff in Betracht ziehen. Gibt es Möglichkeiten, diese mit Make-up wirklich zu kaschieren?
Ja – aber mit Fingerspitzengefühl! In die Tränenrinne zum Beispiel etwas pflegenden, nicht zu hellen Concealer einklopfen, eventuell mit einem farbkorrigierenden Produkt (leicht peachy). Bei Falten hilft weniger oft mehr – zu viel Produkt betont Linien. Lieber mit Licht arbeiten: ein Hauch Highlighter über die Wangenpartie lenkt ab. Ich hatte mal eine Braut, die vor dem Spiegel fast geweint hätte, weil sie dachte, man sehe die Fältchen zu sehr – nach dem fertigen Make-up war sie völlig sprachlos und hat mich umarmt. Solche Momente liebe ich.
Mit welchen besonderen Aufträgen warst Du zuletzt beschäftigt?
Oh, da war einiges dabei! Ich durfte ein Editorial für die „Marie Claire“ in Paris realisieren – mit einem tollen Team und einem Couture-Look, der fast märchenhaft war. Für Daisy D. war ich wieder beim Revival-Shooting ihrer TV-Show im Einsatz. Da hatte ich sechs Wochen lang meine erste TV-Rolle mal vor der Kamera – da liegt immer Magie in der Luft. Ich habe Fab Morvan (Milli Vanilli) für ein Musikvideo gestylt – allein die Kulisse war ein Traum. Und ich durfte Topmodels und Künstler für Fashion- Week-Events, Boxkämpfe und Musikproduktionen stylen. Aber auch jede einzelne Braut, die mir ihr Vertrauen schenkt, ist für mich ein ganz besonderer Auftrag – das ist jedes Mal Herzarbeit.
Für welche Brands und Models hast Du schon gearbeitet – was waren Deine Highlights?
Ich hatte das Glück, mit Marken wie Armani Beauty, ghd, DIOR Beauty und YSL Beauty zusammenzuarbeiten. Besonders stolz bin ich auf Looks bei „Schlag den Star“, meine Zusammenarbeit mit Sabrina Setlur bei ihrem Bühnen-Comeback, Editorials mit Luna Schweiger, die Cannes-Filmfestspiele oder internationale Kampagnen in Paris. Highlights waren für mich aber nicht nur große Namen – sondern vor allem die kreativen Freiheiten und die Zusammenarbeit mit tollen Persönlichkeiten, die hinter den Kulissen für Gänsehautmomente sorgen.
Was erzählst Du, wenn es um lustige oder verrückte Erlebnisse im Job geht?
Da kommt einiges zusammen! Einmal habe ich ein komplettes Styling am Flughafen durchgeführt – mit Spiegel auf dem Schoß und Lockenstab auf der Gepäckbank.
Unvergessen auch die Szenen hinter der Bühne bei Musikshows oder Boxevents – da ist so viel Adrenalin im Spiel, dass man gar nicht merkt, wie spät es schon ist. Und natürlich meine Bräute: Wenn sie beim ersten Blick in den Spiegel weinen (vor Freude!) und ihre Mama daneben gleich mit – da habe ich auch schon mal mitgeheult. Das sind die echten Highlights.