In der Regionalliga haben die Berliner Vertreter mit dem Ausgang der Meisterschaft erneut nichts zu tun.
Vorjahresmeister Lok Leipzig (46 Punkte) steht auch nach der ersten Saisonhälfte in der Regionalliga Nordost wieder auf Platz 1, mit fünf beziehungsweise neun Punkten vor dem FC Carl Zeiss Jena sowie Rot-Weiß Erfurt. Die „Zurückhaltung“ der fünf Teilnehmer aus der Hauptstadt kommt dabei nicht unerwartet, da alle eine große Fluktuation im Kader verkraften mussten beziehungsweise müssen – FORUM zieht ein Zwischenfazit.
VSG Altglienicke (34 Punkte, 5. Platz)
Neustart bei den Treptowern nach Platz 9 in der Saison 2024/25: Mit Ersan Parlatan (48) kam dabei ein erfahrener Trainer. Im Kader gab es dazu etwa 20 Zu- und Abgänge. Ein gewaltiger Schnitt also, doch vor allem dank Neuzugang Jonas Nietfeld (neun Tore in den ersten neun Partien) stimmten die Resultate zunächst. Vom 10. bis zum 16. Spieltag gelang dem 31-Jährigen jedoch nur ein Treffer, und der positive Nimbus – immer wenn „Nieter“ traf, gewann Altglienicke auch – verkehrte sich ins Gegenteil. Zum Ende des Halbjahrs ging beim Torjäger dann der Knoten wieder auf (fünf Tore in vier Spielen), dennoch reichte es gegen Preussen (1:1) und Lok Leipzig (2:3) nicht zum Sieg. Immerhin sendeten seine Mitspieler durch den 3:1-Erfolg bei Hertha 03 ohne Nietfeld-Tor erste Signale der Emanzipation vom besten Torschützen der Nordost-Staffel.
BFC Preussen (26 Punkte, 8. Platz)
Das gute Zwischenergebnis des Neulings kommt nicht überraschend, da die Lankwitzer sich vor der Saison ein Kader-Update mit reichlich erfahrenen Spielern leisteten. Vor allem zu Beginn wurde dennoch öfter Lehrgeld bezahlt –
vom 8. bis 11. Spieltag (acht Punkte, 3:1 Tore) entdeckte das Team von Daniel Volbert dann vor allem die defensive Stabilität als Erfolgsrezept – nach der Niederlage in Jena holte man dann sogar zehn Punkte aus vier Spielen, weshalb die 0:1-Niederlage beim FC Eilenburg zum Abschluss als Rückschlag gewertet werden musste. Doch im ersten Regionalligajahr steht man letztlich besser in der Tabelle da als erwartet – dazu hat man zur Winterpause zwei Spiele weniger als der Großteil der Konkurrenz ausgetragen. Das Ziel der Akklimatisierung ohne Abstiegsgefahr scheint daher mehr als realistisch – bevor in der kommenden Saison bereits um die Spitzenplätze mitgespielt werden soll. Also: Rund um die Malteserstraße herrscht Zufriedenheit dank Erfüllung des Solls.
Hertha BSC II (21 Punkte, 11. Platz)
Die Reserve des Zweitligisten entzieht sich durch ihre eigene Arbeitsweise im Grunde einer Bewertung nach den üblichen Kriterien. Schließlich stellt man wieder den jüngsten Kader der Staffel (diese Saison: 22,18 Jahre im Schnitt), der aufgrund der Zukunftsperspektive seiner einzelnen Spieler aber gleichzeitig erneut der wertvollste ist. Zu diesem Zeitpunkt bereits 40 eingesetzte Spieler – 23 aus dem eigentlichen U23-Aufgebot, 17 aus dem Zweitligakader (aus Gründen der Wettkampfpraxis beziehungsweise Belastungssteuerung) sowie jüngeren Jahrgängen (zur Förderung auf höherem Level) – fördern den Findungsprozess eines festen Teams natürlich kaum. Als Trainer in der Hertha-Akademie wie Rejhan Hasanovic kennt und akzeptiert man diese Voraussetzungen jedoch. Nur ein Sieg (5:2 gegen Eilenburg) aus den ersten elf Spielen kann da ebenso passieren wie eine 2:7-Heimniederlage gegen Lok Leipzig. Ein Zwischenspurt mit neun Punkten aus vier Partien brachte Hertha II dann aber vorerst in sicherere Tabellenregionen – dort wird das Team durch seine individuelle Qualität wohl am Ende auch wieder landen.
BFC Dynamo (17 Punkte, 15. Platz)
Die Hälfte aller Saisonspiele verloren, ein Schnitt von weniger als einem Punkt pro Partie – das sind wahrlich schwache Werte für einen Verein wie den BFC Dynamo. Der Totalumbruch im Sommer und eine hartnäckige Verletzungsmisere behinderten den Neustart unter dem neuen Sportgeschäftsführer Enis Alushi sicher nachhaltig – doch die Zweifel an der eigentlichen Qualität des verjüngten und kostengünstiger aufgestellten Kaders wuchsen angesichts mangelhafter Resultate bei Beobachtern. Die von den Verantwortlichen gepriesene Geduld blieb so gerade in Reihen der Fans auf der Strecke – lange hielt man sich auf Führungsebene dennoch mit „Aktionismus“ zurück. Nach dem 0:1 in Erfurt im letzten Ligaspiel des Jahres 2025 aber wurde doch die Trennung von Trainer Dennis Kutrieb bekannt gegeben – als dessen bisheriger Assistent ist Nachfolger Sven Körner aber auch kein „neues Gesicht“, das allein als externer Kandidat schon Aufbruchstimmung auslöst. Der BFC muss also im zweiten Halbjahr zumindest konstanter punkten und die bereits wieder für die Weiterentwicklung verloren erscheinende Saison wie 2024/25 mit dem Sieg im Landespokal versöhnlich gestalten. Es bliebe dennoch die nüchterne Erkenntnis, dass man wohl sportlich wie finanziell nicht mit den anderen Traditionsvereinen mithalten kann – auch nicht 2026/27, wenn der Meister im Nordosten direkt aufsteigt.
FC Hertha 03 (8 Punkte, 18. Platz)
Dass aus dem letztjährigen Aufsteiger und Underdog aus Zehlendorf nach dem Klassenerhalt nun ein etablierter Regionalligist würde, davon war sicher nicht auszugehen. Einer der wenigen Halbtagsprofi-Clubs der Nordost-Staffel erlebte obendrein einen gewaltigen Umbruch und verlor dazu Aufstiegstrainer Robert Schröder an den Halleschen FC. Eine Herkulesaufgabe für den neuen Mann an der Seitenlinie – doch man wollte Steffen Israel von verantwortlicher Seite einen entsprechenden Vorschuss mit auf die „Mission Impossible“ geben. Dieser sollte aber nicht lange währen, denn schon nach dem 7. Spieltag gab der Verein die Trennung angesichts nur eines Punkts auf der Habenseite bekannt. Der bisherige U19-Coach Tilman Käpnick wurde als Nachfolger auserkoren – trotz weiterer Niederlagen war man dabei überzeugt, dass Verbesserungen zu erkennen seien. Tatsächlich gelang mit zwischenzeitlich fünf Punkten aus drei Partien der Anschluss zum restlichen Feld – allerdings folgten dann nur noch zwei Zähler aus fünf Spielen. Trainer Käpnick war dazu nach der dürftigen Vorstellung beim 1:3 gegen Altglienicke erstmals enttäuscht von seinem Team. Die zwei folgenden Spielabsagen kamen so vielleicht ganz recht, um sich nun in der Wintervorbereitung noch mal für den Endspurt zu sammeln. Da im Ernstfall jedoch die letzten drei Teams absteigen, dürfte der FC Hertha 03 bis zum Schluss bangen müssen.