Eigentlich ist unser Tester bekennender Verbrenner-Fan und liebt vor allem schicke und teure Wagen, die er aus der Sicht des Beifahrers testet. Der Leapmotor C10, ein klassisches E-Auto, hat ihn seine Meinung überdenken lassen.
Wir starten unsere Fahrt an diesem Tag am Opel-Werk in Rüsselsheim. Es ist heiß, wir haben uns bei den vielen Eingängen verlaufen und sind dabei selbst zerlaufen, denn 35 Grad Celsius sind wir einfach nicht gewöhnt. Als wir „unseren“ Testwagen erreichen, sind wir positiv beeindruckt von dem SUV. Der Leapmotor C10 ist erkennbar groß, aber er wirkt nicht bullig. Die getönten Scheiben bilden einen angenehmen Kontrast zum Weiß der Karosserie. Die erste Überraschung, die wir mit ihm erleben, ist, dass wir keinen „Schlüssel“ oder Transponder bekommen. Stattdessen überreicht uns ein freundlicher Mitarbeiter eine ID-Karte. Eine Karte, die aussieht wie eine EC- oder Kreditkarte. Wir stutzen und fragen uns, was wir damit machen sollen. An den Türen gibt es keinen Schlitz, in den wir die Karte stecken könnten.
Die Türgriffe selbst erinnern an einen Aston Martin. Sie sind etwa drei Zentimeter hoch, ungefähr 15 Zentimeter breit und liegen vollständig in der Tür verborgen. Durch einen leichten Druck auf der linken Seite lassen sie sich nach außen schieben, damit man an ihnen ziehen kann, um die Türen zu öffnen. Wir halten unsere Karte zunächst an den Griff der Fahrertür, aber nichts passiert. Der nette Mitarbeiter weist uns darauf hin, dass wir die Karte an den linken Außenspiegel halten müssen, um die Türen zu entriegeln. Auf dem Außenspiegel befindet sich dafür extra ein kleines Piktogramm, das uns bislang nicht aufgefallen ist. Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht.
Reichlich Beinfreiheit auch im Fond
Der Innenraum ist groß und geräumig, ein Eindruck, den das riesige Panoramadach verstärkt. Sieht schön aus, aber sofort beschleicht uns die Befürchtung, unter so viel Glas bei den aktuell herrschenden Außentemperaturen im Auto gegrillt zu werden. Eine unnötige Angst, denn per Knopfdruck lässt sich ein Rollo vors Panoramadach fahren, durch das das Licht von außen vollständig abgehalten wird.
Da wir etwas Gepäck dabei haben, gehe ich zunächst zum Kofferraum, um es hineinzulegen. Und sehe mich prompt der nächsten Herausforderung gegenüber. Die Heckklappe sieht elegant und vollkommen homogen aus. Mein Tasten und Suchen nach einem Knopf, der die Klappe öffnet, bleibt erfolglos. Immerhin findet meine Fahrerin nach kurzer Suche ein kleines Knöpfchen, das die Heckklappe dazu bewegt, sich zu öffnen. Alles kein Problem, wenn man nur weiß, wo man suchen muss. Zugunsten einer eleganten Erscheinung des Hecks nehmen wir diese kleine Suche aber gerne in Kauf. Der Kofferraum ist erfreulich groß. Wir könnten leicht zwei Reisekoffer und vermutlich noch zwei weitere Bordcases mitnehmen, so viel Platz bietet er. Eine Abdeckung sorgt dafür, dass niemand von außen sehen kann, was im Kofferraum liegt.
Den positiven Eindruck, den der Leapmotor C10 von außen hinterlässt, verstärken die schicken 20-Zoll-Felgen. Die Karosserie ist mit sanften Schwüngen und leichten Wellen gezeichnet, was das Gesamtbild angenehm prägt. Die Motorhaube ist kurz, das wirkt sich positiv auf den Innenraum aus. Nicht nur auf den Vordersitzen haben wir genug Platz, um mit ausgestreckten Beinen sitzen zu können. Auch auf den Rücksitzen kann ich mit einer Größe von 182 Zentimetern meine Beine vollständig ausstrecken. Das ist bemerkenswert, denn wir haben schon andere große Autos getestet, die sogar länger waren und dennoch im Innenraum weniger Platz für die Fahrgäste bieten.
Die Sitze sind mit dunklem Kunstleder bezogen. Das ist so weich wie eine Pfirsichhaut und fühlt sich an wie echtes Leder. Der Fahrersitz ist elektrisch sechsfach verstellbar, das heißt, die Rückenlehne kann vor- und zurückbewegt werden, genauso wie der Sitz selbst. Zusätzlich ist der Sitz höhenverstellbar, genau wie das Lenkrad. Lediglich der Beifahrersitz hat keine Höhenverstellung. Die Anmutung der Materialien ist ausgesprochen hochwertig, genauso wie deren Verarbeitung. Was uns besonders freut, ist, dass die Sitze eine Belüftung haben. Das ist bei den an diesem Tag herrschenden Temperaturen viel wert. Versehentlich habe ich zunächst statt der Sitzkühlung die Sitzheizung aktiviert. Daher kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Sitzheizung in Windeseile richtig warm wird. Besonders freuen würde sich meine Frau über das beheizbare Lenkrad. Perfekt für den Winter.
Kamera erkennt Müdigkeit des Fahrers
Das E-Auto sorgt auch für eine gute Stromversorgung der Insassen. Auf der Mittelkonsole gibt es eine Ladeschale für Smartphones. Laden lassen sich die Mobilgeräte kabellos per Induktion. Für Geräte, die diese Funktion nicht haben, gibt es sowohl vorn wie auch hinten jeweils einen USB-A und -C Anschluss. Auch die Klimaanlage arbeitet ordentlich und kühlte bis auf die eingestellten 19 Grad herunter. Das reicht aus, aber hier hätten wir uns tatsächlich zwei bis drei Grad weniger gewünscht.
Die Bedienung der Automatik erfolgt über Schalthebel, „wie früher bei Mercedes“, erklärt ein netter Techniker, der extra herbeigebeten wird, um uns das Auto zu erklären. Der Leapmotor C10 verfügt über zahlreiche Sicherheitsfeatures und elektronische Assistenten. Am linken Holm der Windschutzscheibe sitzt eine Kamera, die den Fahrer beobachtet und feststellt, ob er Ermüdungserscheinungen oder Konzentrationsschwächen zeigt. Ein Spurhalteassistent lenkt den Wagen automatisch auf die Fahrbahn zurück, beim Überholen ist uns ein Totwinkelwarner hilfreich. Der gibt ein Signal, wenn jemand oder etwas im toten Winkel des Spiegels ist. Vor allem bei Überholvorgängen ist das wichtig und hilfreich. Front- und Querverkehrskollisionswarner sorgen für automatische Bremsungen, bevor es zu einem Zusammenstoß kommt. Vor allem beim Ausparken ist das eine gute Sache, da der Querverkehrswarner „Querverkehr“ in Form von Fahrzeugen oder Fußgängern schon erkennt, bevor der Fahrer an den Fahrzeugen rechts und links vorbeisehen kann.
360-Grad-Kamera sorgt für gute Rundumsicht
Eine 360-Grad-Rundum-Panorama-Kamera hat uns in allen Situationen einen kompletten Überblick verschafft. Dank dieser sind auf Parkplätzen als vordere Begrenzung abgelegte Steine keine Spoiler-Killer mehr. Auch das Parken an Kantsteinen wird leichter, weil der Fahrer dank der Kamera auch beim Vorwärtsfahren rechts und links neben das Auto sehen kann. Sollte es dennoch einmal zu einem Unfall kommen, sorgen Airbags für Fahrer und Beifahrer, Mittel- und Seitenairbags vorne und Vorhangairbags vorne und hinten für ein hohes Maß an Insassenschutz. Sämtliche Lichter und Scheinwerfer sind in LED-Technik ausgeführt.
Die 218 PS, die unser Testwagen zu bieten hat, wirken bei einem E-Auto ganz anders als bei einem Verbrenner. Bei Letzterem baut sich die Leistung nach und nach auf, bei einem E-Auto steht die vollständige Leistung von der ersten Sekunde an voll zur Verfügung. Das merken wir bei der Beschleunigung aus dem Stand, und wir genießen die ordentliche Beschleunigung.
Kommen wir mal in die Verlegenheit, wenden zu müssen, zeichnet sich unser Testwagen durch einen sehr kleinen Wendekreis aus. Wir haben fast das Gefühl, auf dem Punkt zu drehen. Das macht ein dynamisches, sportliches Fahren möglich, das richtig Spaß macht.
Als Liebhaber klassischer Verbrenner bin ich E-Autos gegenüber immer etwas skeptisch. Bei diesem Auto gerate ich allerdings in Versuchung, meine Meinung zu ändern. Der Leapmotor C10 Design bietet für 39.100 Euro eine Vollausstattung, die keine Wünsche offenlässt. Wenn man sich – nach bereits kurzer Zeit – daran gewöhnt hat, alle Einstellungen über das Infotainment-Display vorzunehmen, ist er ein wirklich großartiges Auto.