Gleich zweimal gastiert in dieser Saison das nimmersatte Raubtier Formel 1 auf spanischen „Weiden“: am Sonntag auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya und am 13. September auf dem neuen Circuito de Madring in der Hauptstadtmetropole. FORUM erläutert den F1-Doppelpack.
Viva España! Harte Arbeit und sinnvolle Investitionen haben sich gelohnt. Das hat auch die Hoheit des Automobil-Weltverbandes FIA erkannt – und anerkannt. Um nicht ganz von der Formel-1-Landkarte zu verschwinden, haben sich die Betreiber der F1-Rennstrecke nahe Barcelona mächtig ins Zeug gelegt. Die etwas gesichtslos, teilweise sogar langweilig wirkende 4,657 Kilometer lange Rundstrecke ohne Atmosphäre passt gar nicht so recht in das eher glamouröse Umfeld der Formel 1. Wer den Blick über die Landschaft schweifen lässt, sieht nur karges Ödland samt ausgetrocknetem Flussbett und sandigen Erdhügeln. Die Anlage 20 Kilometer nordöstlich der katalanischen Metropole, am Rande der knapp 9.000 Einwohner zählenden Gemeinde Montmeló, wurde rundum aufgehübscht und modernisiert. Es entstand eine neue Dachterrasse für den gastronomischen und gesellschaftlichen Bereich (Circuit Rooftop) mit Blick auf drei interessante Kurven sowie den Eingang zur Zielgeraden. Außerdem wurden auf dem gesamten Gelände Solarpaneele installiert.
Schaler Beigeschmack
All diese Erneuerungen haben vor dem Rennen am Sonntag (15 Uhr MESZ/Sky), bevor der Formel-1-Tross im September (13.) auf den neuen Madring umzieht (dazu später mehr), großen Eindruck bei den Motorsport-Bossen hinterlassen. „Sie haben ausgiebig in die Strecke investiert und den Kurs modernisiert“, stellte Formel-1-Chef Stefano Domenicali fest. Als Dank wurde der in diesem Jahr auslaufende Vertrag mit den Betreibern des Kurses in Montmeló bis 2032 verlängert. Allerdings mit einem schalen Beigeschmack.
Der Formel-1-Zirkus wird künftig nur noch alle zwei Jahre in Katalonien gastieren und mit dem Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps rotieren. In dieser Saison werden aber noch sowohl in Montmeló als auch in Spa (19. Juli) Rennen ausgefahren. Im Jahr darauf greift dann das Wechselmodell. Das heißt: In den Jahren 2027, 2029 und 2031 bekommt die Rennstrecke im belgischen Spa ihren Platz im Kalender, 2028, 2030 und 2032 gastiert der Wanderzirkus wieder in Katalonien.
Dieser Grand Prix vor den Toren Barcelonas musste in den vergangenen Jahren um seinen Status als Formel-1-Kurs zittern und galt ursprünglich als Streichkandidat, zumal in dieser Saison erstmals der Grand Prix von Spanien in Stadtnähe von Madrid stattfindet. Mit der Umzugspremiere auf den „Madring“, wie die neue Strecke getauft wurde, verliert Barcelona das Label als Großer Preis von Spanien. Stattdessen wird das Rennen nun offiziell als Großer Preis von Barcelona-Katalonien ausgefahren. 2013 wurde die Strecke aufgrund einer Sponsorenvereinbarung mit der Stadt Barcelona in Circuit de Barcelona-Catalunya umbenannt. Die Stadt möchte die Werbewirkung der Strecke und der Veranstaltungen mit nutzen.
Der Circuit de Barcelona-Catalunya ist seit 1991 ununterbrochen Gastgeber der Formel 1. Für die Rennfahrer ist der Katalonien-Kurs vor Beginn einer neuen Saison zu ihrer zweiten Heimat geworden. Wegen der milden Temperaturen im Winter und Frühjahr eignet sich der Kurs besonders für die Vorbereitung. Zehntausende Kilometer spulen Testfahrer und Stammpiloten auf der Teststrecke Nummer eins herunter. Sie kennen die Strecke wie ihre Westentasche, kennen jeden Millimeter und nennen jeden Grashalm beim Vornamen.
Piastri siegte im Vorjahr
Kritisch wird es auf der Strecke, wenn der katalanische Wind mit seinen Böen den Sand von den Erdhügeln ständig auf die Piste weht und diese in eine unkontrollierbare Rutschbahn verwandelt. Hinzu kommen ständige Temperaturschwankungen, Regen sowie der reifenmordende Asphalt, was alles zusammen die Arbeit der Fahrer und Ingenieure zu einer wahren Abstimmungslotterie macht. Die profunde Streckenkenntnis und die perfekte Abstimmung verhalfen Lewis Hamilton und Michael Schumacher mit jeweils sechs Erfolgen zum Status als Rekordsieger. Max Verstappen ist mit vier Triumphen der dritterfolgreichste Fahrer in Katalonien. Letzter Sieger war 2025 der Australier Oscar Piastri im McLaren.
Während in Montmeló am Sonntag zum 36. Mal ein Formel-1-Rennen ausgefahren wird, feiert im Landesinneren der iberischen Halbinsel ein neuer Formel-1-Kurs seine Rennpremiere: der Circuito de Madring. Der neue Stadtkurs liegt neun Kilometer nordöstlich des Zentrums und drei Kilometer südwestlich des Flughafens von Madrid auf dem Messegelände Feria de Madrid. Die internationalen Messen, Kongresse und Events sind unter dem Namen IFEMA (Institución Ferial de Madrid) bekannt.
Gefahren wird auf dem neuen 5,45 Kilometer langen Kurs mit zwölf Rechts- und zehn Linkskurven. Highlight ist nach Angaben des italienischen Architekten Jarno Zaffelli die Rechtskurve zwölf, genannt „Monumental“. Sie sollte mit einer Neigung von über 24 Grad eigentlich die steilste Kurve im Rennkalender werden. Gebaut wurde die lang gezogene Steilkurve letzten Endes jedoch mit nur 15-Grad-Neigung. Zudem wurde eine Schikane eingebaut, um das Tempo der Boliden zu drosseln. So soll außerdem der Lärm für die Anwohner reduziert werden. Das abwechslungsreiche Layout führt die Piloten gleich zweimal durch Tunnel unter einer großen Schnellstraße hindurch. Die Strecke setzt sich aus bestehenden Straßen und permanenten Rennstreckenteilen zusammen. Der Madring wird zunächst 110.000 Zuschauer fassen; er soll aber auf 140.000 Plätze ausgebaut werden.
Gute Erreichbarkeit
Warum aber zieht die Formel 1 vom Land in Montmeló in die Metropole Madrid um? Es gibt viele Gründe. Der wichtigste ist natürlich finanzieller Natur, denn Madrid hat ein Paket geschnürt, dem die Formel 1 nur schwer widerstehen konnte. Wie gemunkelt wird, macht der offizielle Veranstalter – IFEMA Madrid zusammen mit der lokalen Regierung der spanischen Hauptstadt – für den Gastauftritt der Protagonisten eine Antrittsgebühr zwischen 40 und 50 Millionen US-Dollar locker. Der Vertrag zwischen Madrid und der Formel 1 läuft zehn Jahre bis 2035. „Langfristige Verträge sind das Ziel, ob mit neuen oder etablierten Veranstaltern. Sie ermöglichen allen Beteiligten, die Zukunft zu planen und in die Zukunft zu investieren“, betonte F1-Boss Domenicali in Sozialen Medien. Ein weiterer wichtiger Grund für die Aufnahme Madrids in den Rennkalender ist die gute Erreichbarkeit der Strecke.
Seit Liberty Media Anfang 2017 die Formel 1 übernommen hat, setzt sich das Unternehmen für mehr innerstädtische Rennstrecken ein, um den Fans den Besuch zu erleichtern. So liegt ein wesentlicher Vorteil des Standorts in der ausgeprägten Verkehrsinfrastruktur. Die direkte Anbindung an die Metrolinie 8 ermöglicht eine schnelle Verbindung zwischen Innenstadt, Messegelände und Flughafen und soll die logistische Abwicklung für Zuschauer, Teams und Veranstalter erleichtern.
Ein wichtiger Faktor bei der Wahl der spanischen Hauptstadt sei zudem die Nachhaltigkeit gewesen, erklärte die Formel 1. Das IFEMA Madrid habe die bereits weitgehend CO₂-neutrale Infrastruktur des Messegeländes hervorgehoben, die sich mit den Zielen der Formel 1 decke, bis 2030 klimaneutral zu sein. Madrid schlägt also Barcelona. Der Madring ist Spaniens neue Formel-1-Heimat.
Die Formel 1 verzeichnet einen enormen Boom, was das Interesse von Metropolen an neuen, zuschauerfreundlichen Stadtkursen massiv steigen ließ. Durch das Rotationsprinzip ermöglicht die Formel 1 es Ländern wie Spanien – und auch Belgien –, historisch wichtige Rennstrecken zu behalten, ohne die Obergrenze von 24 Rennen pro Saison zu überschreiten.
„Spanien war ein Markt, der noch vor ein paar Jahren nicht in unserem Blickfeld war“, sagt Domenicali. Aber die Popularität der Formel 1 habe im Land des Ex-Champions Fernando Alonso und des Williams-Stars Carlos Sainz wieder deutlich zugenommen. Mehr als zehn Millionen TV-Zuschauer sollen nach Angaben der Formel 1 den Großen Preis von Spanien 2025 gesehen haben, durchschnittlich seien es 3,5 Millionen gewesen.
Domenicali freut es auch, dass es wieder ein neues Rennen in Europa gibt, nachdem zuletzt vor allem in den USA und im Nahen Osten expandiert wurde, während das einstige Kernland Europa immer weiter verdrängt zu werden drohte.
Mit dem Circuito de Madring kehrt die Formel 1 nach mehreren Jahrzehnten erstmals wieder direkt in die spanische Hauptstadtregion zurück. Unter den Fahrern herrscht Vorfreude auf die neue Herausforderung, insbesondere bei den einheimischen Piloten Alonso (44/Aston Martin) und Sainz (31). Der Madrilene war zeitweise aus Fahrersicht in die Gestaltung des Streckenlayouts eingebunden.
Botschafter Sainz zeigte sich begeistert: „Madrid ist die beste Stadt der Welt und der Ort, den ich am meisten vermisse, wenn ich weg bin.“ Laut dem Spanier soll der Circuito de Madring eine gute Mischung aus Stadtkurs und traditionellen europäischen Rennstrecken sein. España olé!