Die Ringer-Bundesliga hat sich neu erfunden – und das Saarland mischt mit fünf Vereinen mit. Schon kurz nach dem Rundenstart zeigt sich: Die Sorgen der Saar-Clubs über die Neuerungen bestätigen sich – nur ein Verein hält Anschluss an die Spitzengruppe.
Am Samstag, 3. Oktober, geht es für alle fünf Saar-Clubs weiter, jeweils um 19.30 Uhr. Besondere Brisanz verspricht das Saarland-Derby, in dem der AC Heusweiler die RG Saarbrücken empfängt. Der KSV Köllerbach trifft in der heimischen Kyllberghalle auf die RKG Reilingen/Hockenheim. Auswärts gefordert sind der ASV Hüttigweiler beim AC Lichtenfels und der KV Riegelsberg beim RSV Rotation Greiz.
Das neue Format hat sich der Deutsche Ringer-Bund (DRB) beim Fußball abgeschaut, genauer gesagt bei der Champions League. Statt 1. und regional gegliederter 2. Bundesliga gibt es nur noch eine eingleisige Liga mit 20 Vereinen in einer gemeinsamen Tabelle. Vor der Saison wurden die Clubs nach ihren Leistungen der vergangenen Jahre auf zwei Töpfe mit je zehn Mannschaften verteilt. In der Hauptrunde bestreitet jedes Team zwölf Kämpfe gegen zwölf verschiedene Gegner: sechs aus Topf A, sechs aus Topf B. Rückkämpfe gibt es nicht. Die Plätze eins bis elf erreichen die Play-offs. Alle K.-o.-Runden werden mit Hin- und Rückkampf ausgetragen, der Sieger darf sich „DRB Bundesliga Champion“ nennen. Außerdem ist das Punktelimit gefallen, das den Einsatz ausländischer Ringer, insbesondere international erfolgreicher Top-Athleten, begrenzte.
Der KSV Köllerbach, der im Juni sein 100-jähriges Bestehen feierte, ist als einziger Saar-Vertreter in den stärker eingeschätzten Lostopf A eingeteilt worden – und hat sich personell entsprechend gerüstet. Mit Kamil Kerimov, Rostislav Leicht und Dominic Arnold kam international erfahrene Verstärkung ins Köllertal. Der Auftakt geriet zur Machtdemonstration: Im Saarland-Derby gegen die RG Saarbrücken gewannen die „Wölfe“ alle zehn Einzelkämpfe, am Ende stand ein 36:0 – der höchste Sieg des ersten Kampftages. Teamleiter Thomas Geid mochte sich darüber nur bedingt freuen. „Bereits am ersten Kampftag konnte man an den Ergebnissen erkennen, welche großen Leistungsunterschiede es in der neuformierten Bundesliga gibt. Ob diese eingleisige Liga Sinn macht und dem Ringkampfsport dienlich ist, bleibt abzuwarten“, sagte er.
Eine Woche später, beim Titelkandidat SC Kleinostheim, setzte es eine deutliche 2:25-Niederlage. Der KSV musste krankheitsbedingt ersatzgeschwächt antreten, zudem hatten einige Ringer keine Freigabe erhalten. „Für uns war unter den schwierigen Voraussetzungen nicht mehr drin“, bilanzierte Mannschaftsführer Edib Cakmak. Einen Lichtblick lieferte immerhin Valentin Seimetz, der in der Klasse bis 71 Kilogramm den Asienmeister Kaisei Tanabe bezwang. Am dritten Kampftag meldeten sich die Köllerbacher eindrucksvoll zurück und nahmen dem bis dahin ungeschlagenen ASV Mainz 88 mit einem 19:10 die ersten Punkte ab. Neuzugang Rostislav Leicht sorgte mit einem 17:2 für einen Schlüsselmoment. An seiner grundsätzlichen Skepsis hält Geid, seit 26 Jahren im Bundesligageschäft, dennoch fest. Vor allem der Wegfall der 2. Liga schmerzt ihn: „Die war gesund und hat von ihren Derbys gelebt. Alle waren zufrieden.“ Wer im Saarland ohne Regionalliga aus der Oberliga direkt in die Bundesliga aufsteige, sei „absolut überfordert“.
Die Art, wie die Reform zustande kam, stößt Edgar Paulus auf. Der sportliche Leiter des KV 03 Riegelsberg sitzt selbst im Bundesligaausschuss und fühlt sich entmachtet: „Wir hatten vorher immer ein Mitspracherecht. Jetzt nur noch eine beratende Funktion.“ Profiteure der Reform sind für ihn die finanzstarken Clubs, die gegen schwächere Gegner Geld sparen und eine schlechtere Mannschaft auf die Matte schicken könnten. Der Riegelsberger sorgt sich besonders um den Nachwuchs: „Unser Fundament ist die Jugend. Die in eine Bundesliga zu werfen, in der nur noch Weltklasse-Athletik ist: Das ist fatal.“ Sportlich startete der Vorjahres-Letzte der 2. Bundesliga Ost, der sich mit acht neuen Ringern verstärkt hat, mit einem 21:5-Auswärtssieg bei Bundesliga-Neuling SG Weilimdorf verheißungsvoll. Es folgten jedoch zwei klare Niederlagen: Zu Hause unterlag der KVR dem AC Lichtenfels mit 8:21, beim ASV Schorndorf war er beim 2:34 chancenlos.
„Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft“
Ein ähnliches Bild beim ASV Hüttigweiler. Nach der 5:22-Auftaktniederlage bei der KG Baienfurt/Ravensburg bejubelte der ASV beim 16:12 gegen Weilimdorf den ersten Heimsieg, beim FC Erzgebirge Aue setzte es anschließend ein 2:21. Der erste Vorsitzende Frank Reinshagen findet das neue System zwar „prinzipiell spannend“, sieht sich nach drei Kampftagen aber in seinen Befürchtungen bestätigt: „Man sieht schon anhand der Ergebnisse, dass es doch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ist und bleibt, wie sie vorher war.“ Die früheren Erstligisten lieferten sich untereinander knappe Duelle, gegenüber den ehemaligen Zweitligisten hätten sie ein deutliches Übergewicht. Kleinere Clubs drohen, „Kanonenfutter für die größeren und stärkeren Clubs“ zu werden. Den Wegfall des Punktelimits hält der Hüttigweiler dabei für einen Teil des Problems: „Das hat das Ganze eher noch verschärft. Die größeren Vereine mit mehr Sponsoring und Werbepartnern können jetzt ganz andere Mannschaften an den Start bringen.“
Der AC Heusweiler, Zweitligameister von 2025, wartete nach den ersten drei Kampftagen auf den ersten Sieg. Kleinostheim (4:35), der KSC Hösbach (5:25) und der RSV Rotation Greiz (4:28) waren bis dahin eine Nummer zu groß. Weil die Stammhalle belegt war, wich der vom Verletzungspech verfolgte AC gegen Greiz nach Holz aus, wo 250 Zuschauer den Sieg von Halef Cakmak als einen von nur zwei Heusweiler Erfolgen des Abends feierten. Für Trainer Cacan Cakmak zählen vor allem die Nachbarschaftsduelle: „Wir sind eine Randsportart und kein Profifußball. Dieses Ringen lebt von den Derbys, und ich hoffe, dass das irgendwann verstanden wird.“
Am wenigsten mit den Neuerungen hadert ausgerechnet der Verein, den es sportlich bisher am härtesten erwischt hat: Die RG Saarbrücken, nach 16 Jahren aus der Oberliga in die Bundesliga zurückgekehrt, kassierte gegen Köllerbach (0:36), Aue (4:34) und die SVG 04 Weingarten (0:37) drei deutliche Niederlagen. Klaus Mertes, zweiter Vorsitzender, hatte genau das erwartet. „Ich verstehe diese ganze Unruhe nicht“, merkt er angesichts des neuen Modus an. Positiv sieht er den Wegfall des Punktelimits, das deutsche Ringer gegenüber ausländischen bevorzugt habe. Dass die Saarbrücker kein einziges Saarderby zu Hause bestreiten, bedauert aber auch er: „Wirtschaftlich ist das natürlich nicht das, was wir uns gewünscht haben.“ Sportlich zählt für ihn etwas anderes: „Wenn wir ein paar Kämpfe gut gestalten und zeigen können, dass auch in Saarbrücken schönes Ringen möglich ist, dann haben wir schon viel geschafft.“
Ob es perspektivisch beim neuen Modus bleibt, ist übrigens offen. Nach FORUM-Informationen sollen sich im Oktober alle Bundesligisten zu einer Präsenzsitzung beim DRB treffen, um die bisherigen Erfahrungen und einen Ausblick zu diskutieren.