Ende vergangenen Jahres machte Mars-Rover Perseverance eine bahnbrechende Entdeckung auf dem Roten Planeten. Der Fund macht einmal mehr denkbar, dass es dort einst biologisches Leben gab.
Stolzierten einst Leoparden über den Mars? War dies das Leben auf dem Roten Planeten, über das schon seit Jahrhunderten spekuliert wird? Hat vielleicht dieses große Tier in typischer Katzenmanier den Stein weggeschubst, über den die Nasa im Herbst gestolpert war und in dessen Umgebung sie „Leopardenflecke“ fand – und tatsächlich Spuren von einstigem Leben vermutet? Diese Meldung ging bei der Pressekonferenz der Nasa am 10. September 2025 seltsamerweise etwas unter, eventuell wegen der allzu irdischen Probleme, die uns derzeit bewegen.
Dabei hat der Fund, den der sechsrädrige Forscher Perseverance – zu Deutsch etwa „Ausdauer“ oder „Beharrlichkeit“ – machte, durchaus das Potenzial, sich als spektakulär herauszustellen. Stichwort Biosignatur: Dies ist ein messbares Merkmal, das darauf hindeutet, dass Leben existiert oder einst existierte. Dazu zählen bestimmte Moleküle, Strukturen oder die Zusammensetzung von Atmosphäre. Sie dient als indirekter Hinweis auf (ehemalige) biologische Aktivität, ist aber nie ein endgültiger Beweis, weil manche Signale auch ohne Leben entstehen können.
Sean Duffy war zum Zeitpunkt der Pressekonferenz kommissarischer Administrator der Weltraumbehörde und wies darauf hin, dass der Fund das bislang stärkste Indiz für die Existenz von Leben auf dem Mars sei. Er sagte: „Die Identifizierung einer möglichen Biosignatur auf dem Roten Planeten ist eine bahnbrechende Entdeckung, die unser Verständnis des Mars entscheidend voranbringen wird.“
Deutliche Muster von Mineralen
Mars-Rover Perseverance entdeckte besagte Biosignatur auf dem Felsen Cheyava Falls, benannt nach einem Wasserfall im Grand Canyon auf der Erde. Cheyava Falls befindet sich auf der nördlichen Mars-Halbkugel im Krater Jezero, in dem sich vor rund vier Milliarden Jahren vermutlich ein etwa 500 Quadratkilometer großer Kratersee befand. Am 18. Juli 2024 bereits stieß Perseverance auf ein Stück Felsen in Pfeilspitzenform, der auf den Namen Sapphire Canyon getauft wurde, zu Deutsch etwa Saphir-Schlucht.
Auf ihrer Pressekonferenz im September meldete die Nasa zu dem 0,98 mal 0,61 Meter großen Fund: „Die wissenschaftlichen Instrumente des Rovers stellten fest, dass die Sedimentgesteine der Formation aus Ton und Schluff bestehen – Materialien, die auf der Erde hervorragende Erhalter früher mikrobieller Lebensspuren sind. Außerdem sind sie reich an organischem Kohlenstoff, Schwefel, oxidiertem Eisen (also Rost) und Phosphor.“
In hochauflösenden Aufnahmen entdeckten des Rovers Instrumente ein deutliches Muster von Mineralen, die zu sogenannten Reaktionsfronten angeordnet sind – Kontaktzonen, an denen chemische und physikalische Reaktionen stattfinden. Auf diesen Flecken wurden zwei eisenreiche Minerale entdeckt: Vivianit (hydratisiertes Eisenphosphat) und Greigit (Eisensulfid). Vivianit findet sich auf der Erde häufig in Sedimenten, Mooren und in der Umgebung verrottender organischer Materie. Ebenso können bestimmte Formen mikrobiellen Lebens auf der Erde Greigit produzieren. Beide Minerale können sich in Umgebungen bilden, die reich an organischem Material sind – einschließlich Fäkalien.
Denken also die Nasa-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler, dass auf dem Mars ein Leopard sein Geschäft verrichtete? Mitnichten. Vielmehr gleicht das beschriebene Farbenspiel dem Muster einer Großkatze, daher wurde es „Leopardenflecken“ genannt. Drei Tage nach dem Fund, also am 21. Juli 2024, nahm der Rover seine Probe. Am 23. Juli gönnte sich Perseverance ein Selfie mit dem Fundstück. Es ist eines von mittlerweile 30 Fundstücken, die das Mars-Rover-Team in einer zukünftigen Mission von dem Roten Planeten zurück auf die Erde holen möchte, um sie näher zu untersuchen.
Die Weltraumagentur zeigt sich zu Recht stolz auf diesen Fund. Die Leiterin der Wissenschaftsdirektion der Nasa, Dr. Nicola Fox, sagte: „Dieser Fund ist das direkte Ergebnis der Nasa-Bemühungen, eine Mission strategisch zu planen, zu entwickeln und durchzuführen, die genau diese Art von Wissenschaft ermöglichen kann – die Identifizierung einer potenziellen Biosignatur auf dem Mars.“ Nun soll die wissenschaftliche Veröffentlichung der Daten dazu beitragen, „damit sie weiter untersucht werden können – um ihr biologisches Potenzial zu bestätigen oder zu widerlegen“.
Die Mischung der Minerale Vivianit und Greigit könnte also ein Hinweis darauf sein, dass früher einmal Mikroben im Gestein aktiv waren. Solche Mikroorganismen gewinnen Energie, indem sie Elektronen zwischen organischem Material und bestimmten Mineralen austauschen –
genau das passt zu den gefundenen Mustern. Allerdings weist die Nasa auch eindrücklich darauf hin, dass diese Minerale eben auch ohne Leben entstehen können.
Ein solcher Austausch von Energie passiere beispielsweise bei sehr hohen Temperaturen, in stark sauren Umgebungen oder wenn bestimmte organische Stoffe chemische Reaktionen auslösten. Im Fall der Gesteine von Cheyava Falls spreche jedoch einiges dagegen, dass solche extremen Bedingungen geherrscht hätten. Sie zeigten keine Spuren von Hitze oder Säure, und es sei unklar, ob die vorhandenen organischen Stoffe die Reaktionen bei niedrigen Temperaturen überhaupt hätten antreiben können.
Die Entdeckung jedenfalls war besonders überraschend, denn bisher gingen die Forschenden eher davon aus, dass mögliche Spuren uralten Lebens nur in sehr alten Gesteinsschichten zu finden wären. Perseverances Fund deutet jedoch darauf hin, dass der Mars möglicherweise länger oder sogar später in seiner Geschichte lebensfreundlich war, als man bisher angenommen hat. Außerdem könnte es sein, dass auch ältere Gesteine Hinweise auf Leben enthalten – diese könnten nur schwerer zu erkennen sein.
Nun werden außergewöhnlich starke Belege gesucht – denn solche benötige es bei Theorien, die sich auf den möglichen Nachweis früheren außerirdischen Lebens beziehen. Darauf wies Katie Stack Morgan hin, Projektwissenschaftlerin des Perseverance-Rovers am Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Südkalifornien. Sie erklärte: „Dass ein so bedeutender Hinweis wie eine mögliche Biosignatur auf dem Mars in einer begutachteten Fachpublikation erscheint, ist ein entscheidender Schritt im wissenschaftlichen Prozess. Er stellt sicher, dass unsere Ergebnisse gründlich geprüft, belastbar und wirklich relevant sind. Und obwohl nicht-biologische Erklärungen für das, was wir sehen, nach den Ergebnissen der Studie weniger wahrscheinlich sind, können wir sie nicht ausschließen.“