Am 7. November wurde der Günter Rohrbach Filmpreis in festlicher Atmosphäre verliehen. Dass der Preis nun schon zum 15. Mal vergeben wurde, gab Anlass zu einem kleinen Rückblick. Aber auch der Filmnachwuchs und damit die Zukunft wurden thematisiert.
Zu seinem 100. Geburtstag möchte Günter Rohrbach auf jeden Fall bei der Verleihung des Filmpreises anwesend sein, ließ er ausrichten. In diesem Jahr war er aus gesundheitlichen Gründen nicht gekommen. Eine Erkältung verhinderte seine Anreise. Wer möchte es ihm mit seinen 97 Jahren verübeln, dass er den Weg nach Neunkirchen nicht angetreten hat – und anwesend war er gewissermaßen ohnehin.
Beim halbrunden Jubiläum, der 15. Verleihung des Günter Rohrbach Filmpreises, wurde am 7. November in der Neunkircher Gebläsehalle kurz Rückschau gehalten. Jürgen Fried, Vorsitzender der Günter Rohrbach Filmpreis Stiftung und ehemaliger Oberbürgermeister der Kreisstadt Neunkirchen, erinnert sich, wie rund um den 80. Geburtstag von Günter Rohrbach seine Heimatstadt sich der Bedeutung seiner Person erst richtig bewusst wurde und mit der Idee des Filmpreises auf ihn zukam. Günter Rohrbach zierte sich zunächst bei der Idee, einem Preis seinen Namen zu geben. Die Hartnäckigkeit der Neunkircher war jedoch erfolgreich, und man einigte sich auf den Filmpreis unter einer Bedingung: nur Filme auszuzeichnen, die sich thematisch mit Arbeitswelt und Gesellschaft befassen.
Insgesamt 74 Filme wurden eingereicht
Diesem Konzept blieb die Jury auch in diesem Jahr treu. Aus 74 eingereichten Filmen hatte die Vorjury um Anna Reitze, Barbara Wackernagel-Jakobs, David Lemm, Thure Riefenstein und Florian Schmidt bereits acht Filme ausgewählt. Unter dem Vorsitz von Regisseur Dominik Graf hatten Oliver Hottong vom Saarländischen Rundfunk, Schauspielerin Ulrike Kriener, die Filmproduzenten Alfred Holighaus und Uli Aselmann, Publizist und Filmkritiker Ulrich Höcherl, Journalist Thomas Reinhardt und Jürgen Fried die Aufgabe, den Siegerfilm zu bestimmen. Vier Filme gingen schließlich ins Rennen um den Günter Rohrbach Filmpreis – eine Auswahl an durchaus unterschiedlichen Produktionen.
In „Köln 75“ spielt Mala Emde nach einer wahren Begebenheit die damals 18-jährige Vera Brandes, die gegen konservative Eltern und einen verstockten Kulturapparat im Jahr 1975 das Opernhaus Köln auf eigene Verantwortung bucht – und den bedeutenden Jazzpianisten Keith Jarrett tatsächlich zu einem Konzert in Köln bewegen kann. Trotz miserablem Flügel und generellem Chaos entsteht das, was später als „The Köln Concert“ über vier Millionen Mal verkauft wurde – bis heute das erfolgreichste Solo-Jazz-Album. Regie führte Ido Fluk.
Reale Ereignisse sind auch die Grundlage für Christian Klandts Tragikomödie – und Publikumsliebling des Abends – „Sterben für Beginner“. Sie basiert auf dem Buch „The End“ und damit auf der Biografie des Bestatters Eric Wrede, der einigen als unkonventioneller Bestattungs-Podcaster bekannt sein dürfte. Im Film wird Eric von Edin Hasanovic gespielt. Auf Jobsuche heuert er kurzerhand bei einem alteingesessenen Bestatter an, obwohl ihm das Metier völlig fremd ist. Als sich herausstellt, dass sein bester Freund Alex an einem Hirntumor sterben wird, bekommt Erics Tätigkeit – und der Kontakt mit Tod und Trauer – eine ganz neue Bedeutung.
Weit entfernt davon, eine Komödie zu sein, aber nicht minder beeindruckend, ist der Film „Heldin“. Er begleitet Floria (Leonie Benesch), Pflegefachkraft auf einer chirurgischen Station eines Schweizer Krankenhauses, über eine Schicht hinweg und zeigt, wie sie trotz größter Bemühungen ihren Aufgaben, den Ansprüchen der Patienten sowie ihren eigenen moralischen und fachlichen Maßstäben immer weniger gerecht wird. Die Kontrolle entgleitet ihr zunehmend, weil sie unter dem Druck des Systems zusammenzubrechen droht. Der Film entstand unter der Regie von Petra Volpe und macht die stark angespannte Situation in der Pflege eindringlich sichtbar.
Gewonnen hat den mit 10.000 Euro dotierten Günter Rohrbach Filmpreis 2025 allerdings ein anderer Film. „In die Sonne schauen“ ist eigentlich schon kein Geheimtipp mehr. Spätestens seit der Nominierung als deutscher Oscar-Kandidat für den besten internationalen Film im Sommer erhielt das Werk größere Aufmerksamkeit. Regisseurin Mascha Schilinski erzählt darin die Geschichten von vier Frauen aus verschiedenen Epochen – Alma, Erika, Angelika und Nelly –, deren Lebensläufe durch einen gemeinsamen Ort verbunden sind: einen abgelegenen Vierseitenhof in der Altmark. Der Film verzichtet auf eine klassische Erzählstruktur, wechselt zwischen Zeitebenen, verwebt Vergangenheit und Gegenwart und wirft einen poetischen Blick auf familiäre Prägung, Verdrängung, Erinnerung und Wiederholung.
„Der Filmnachwuchs lebt prekär“
Besonders die atmosphärische Dichte und die künstlerische Gestaltung dieses filmischen Generationenporträts wurden von der Jury hervorgehoben – auch wenn er nicht immer leicht zu verstehen sei. Entgegen der panischen Angst vieler Macher und Redaktionen heutzutage, „dass der Zuschauer den Überblick verliert“ und sich „lost“ fühlt, appellierte der Juryvorsitzende Dominik Graf: „Vergesst den ganzen Quatsch! In einem solchen Film ohne Erklärung und ohne Beipackzettel ‚lost‘ zu sein, ist ein Privileg und eine kleine Erlösung!“
Auch in Ausstattung und Kostümbild konnte „In die Sonne schauen“ überzeugen. Der Preis der saarländischen Ministerpräsidentin ging an Cosima Vellenzer (Ausstattung) und Sabrina Krämer (Kostüm). Die beiden Künstlerinnen meisterten die anspruchsvolle Aufgabe, verschiedene Jahrzehnte und Lebensrealitäten visuell glaubwürdig und detailreich umzusetzen.
In ihrer Rede bedankte sich Regisseurin Mascha Schilinski für die Auszeichnung und den schönen Abend. Sie betonte dabei die Bedeutung des Günter Rohrbach Preises und die Tatsache, dass der Filmpreis dotiert ist, und merkte an, was eigentlich kein Geheimnis ist: „Der Filmnachwuchs lebt prekär.“ Auch „In die Sonne schauen“ sei „mit wenigen Drehtagen und einem schmalen Budget“ entstanden. Preise wie dieser seien daher besonders wichtig.
Auch die anderen Filme gingen an diesem Abend nicht leer aus. Für ihre eindrucksvolle Darstellung einer überlasteten Pflegekraft in „Heldin“ erhielt Leonie Benesch den Preis für die beste schauspielerische Leistung. Auch dieser Film geht übrigens ins Oscar-Rennen, nämlich für die Schweiz ebenfalls in der Kategorie „Bester internationaler Film“.
Der mit 5.000 Euro dotierte Preis des Saarländischen Rundfunks ging an die Produzenten Sol Bondy und Fred Burle sowie an Mala Emde, die mit ihrer anschließenden Rede die Sympathien auf ihrer Seite hatte, für den Film „Köln 75“. Der Preis des Neunkircher Oberbürgermeisters ging an Regisseur Christian Klandt und Drehbuchautor Benedikt Gollhardt für ihre Arbeit an dem Film „Sterben für Beginner“.
Zudem wurde auch eine Preisübergabe aus dem Jahr 2024 nachgeholt: Für den Film „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“ nahmen Hauptdarsteller Voodoo Jürgens und Regisseur Adrian Goiginger den letztjährigen Hauptpreis entgegen. Goiginger erklärte seine Abwesenheit im Vorjahr nachvollziehbar – nämlich mit einer starken Lebensmittelvergiftung.
Durch den Abend führte zum siebten Mal gewohnt humorvoll und mit vielen Running Gags aus vergangenen Jahren im Gepäck Peter Lohmeyer. Für den passenden und mitunter humorvollen musikalischen Rahmen sorgten Sängerin Carmen Seibel und Pianist Achim Schneider.
Das perfekte Schlusswort hatte am Ende der Gala dann auch Peter Lohmeyer in einem Plädoyer für den Film parat: „Ins Kino gehen ist wichtig!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.