Der gestrandete Meeressäuger in der Ostsee sollte uns eine Warnung sein
Unsere Welt ist derzeit so voll von großen Problemen, dass wir uns zur Entspannung zwischendurch auch mal gern kleinen Problemen widmen. Obwohl: So ein Buckelwal ist ja eigentlich kein kleines Problem, wie man uns Nachrichtenzuschauern über Wochen zur besten Sendezeit vor Augen führte. Da schaffte es ein Meeressäuger mit Orientierungsproblemen, uns wenigstens ein paar Momente lang von Kriegen und Krisen in aller Welt abzulenken. Das unermessliche Leid von Menschen in Krisenregionen verschwand tagelang hinter den Sorgen wegen der Atemnöte eines verirrten Buckelwals. Verirrte Menschen, die es aus unerfindlichen Gründen in Führungspositionen geschafft haben, gerieten da zeitweise ins Hintertreffen und mussten in Sachen Aufmerksamkeit einen bewegungslosen Wal medial an sich vorbeiziehen lassen.
Der gestrandete Wal hat uns zum Nachdenken gebracht. Warum wohl ist er in der viel zu flachen Ostsee gelandet, wo ihm doch alle sieben Weltmeere offenstehen? War er glückstrunken auf Partnersuche und hat sich liebestoll auf gefährliche Abwege begeben? Hat man ihm womöglich die Passage durch die Straße von Hormus verweigert und ihn dadurch vom rechten Weg abgebracht?
In einem Artikel einer kanarischen Urlaubszeitung erfuhren wir dann aber, dass Biologen der Universität Las Palmas es für möglich halten, dass Wale an Alzheimer erkranken. Als Folge davon gerieten viele der verwirrten Tiere immer öfter in Strandnähe, würden schlimmstenfalls an Land gespült, blieben dort schlapp liegen und verdursteten elendiglich. Sie überleben dann nur, weil gut organisierte Tierschützer mit Eimern voll Flüssigkeit herbeieilen, um für den bedrohten Wal Schlimmeres zu verhindern.
War also womöglich der Ostsee-Wal an Alzheimer erkrankt und hat in seiner unverschuldeten Schusseligkeit den norddeutschen Meerbusen mit dem Polarmeer verwechselt? Warum sonst sollte er immer wieder den gleichen Irrweg beschwimmen und einfach nicht aufs offene Meer hinausfinden? Brauchte er vielleicht die Aufmerksamkeit der Küstenbewohner, um seine schicksalhafte Krankheit ohne Einsamkeit zu ertragen? Wollte er vielleicht der deutschen Küstenwacht nur ihre Ratlosigkeit vor Augen führen, um sie vor militärischen Anlandungen zu warnen, weil diese womöglich deutlich schlimmere Absichten bezüglich unseres schönen Landes hegen? Ist das womöglich sogar ein Fall für unseren Verteidigungsminister, der sich doch sonst so rührend um unsere Kriegstüchtigkeit sorgt? Wir raten vorsichtshalber zur Einsetzung einer Expertenkommission!
Das alles ist aber nicht unsere größte Sorge! Denn die kanarischen Forscher haben zudem herausgefunden, dass eine Ähnlichkeit der Alzheimer-Erkrankung bei Wal und Mensch besteht. So verwundert wir anfangs waren, so einleuchtend erscheint uns dieser Zusammenhang, wenn wir uns an unseren letzten Sommerurlaub auf Mallorca erinnern. Als wir damals unseren Blick entlang eines gut besuchten Strandes streifen ließen, konnten wir nämlich beobachten, dass sich öfters badende Mitmenschen im Meer verirrt haben.
Zudem benehmen sich diese im Wasser so seltsam wie der Ostsee-Wal, werden von Wellen ungewollt an den Strand gespült und bleiben dann dort schlapp liegen. Und würden glatt verdursten, wenn nicht gut organisierte Versorgungsstationen schnell mit in Eimern gefülltem Nass – meist rötlicher Farbe mit bunten Obsteinlagen und Strohhalm – Überlebenshilfe leisten würden. Aber selbst nach solchen Infusionen irren manche dieser bedauernswerten Zeitgenossen am Strand umher, können sich nicht mehr selbständig geradeaus bewegen und zeigen ähnliche Ausfall-Erscheinungen, wie Biologen sie bei erkrankten Walen erkannt haben wollen.
Unklar sind sich die Forscher allerdings darüber, „ob bei Walen äußere Faktoren zu dem Orientierungsschwund beitragen oder ob es sich um eine reine Gehirnzellendegeneration handelt.“ Nach unseren privaten Studien besteht die gleiche Unklarheit, aber auch in Bezug auf viele der von uns beobachteten Strandurlauber! Zum Glück überleben sie aber wenigstens!