Der erste von zwei neuen Vorständen beim LSVS steht fest: Florian Hartmann. Der Sport-Netzwerker will im Saarland heimisch werden und den Sportcampus Saar groß rausbringen. Vorher macht er sich schon mal mit hiesigen Gepflogenheiten vertraut.
Er wird vorerst eine Wohnung im Nauwieser Viertel in Saarbrücken beziehen und ihm wurde auch schon die multiple Bedeutung des Wortes „Schwenker“ erklärt. Florian Hartmann scheint also gut vorbereitet zu sein für seinen neuen Arbeitsplatz im Saarland. Der 43-Jährige wird ab dem 1. Juli neuer Vorstand Sport und Vermarktung beim Landessportverband für das Saarland (LSVS). Er folgt auf Johannes Kopkow, der den Verband nach fünf Jahren zum 30. Juni 2026 verlassen wird. Auch der zweite noch amtierende Vorstand, Joachim Tesche (Fachbereich Finanzen), wird den LSVS zum 30. Juni verlassen. Das Auswahlverfahren für einen Nachfolger konnte nach LSVS-Angaben noch nicht erfolgreich abgeschlossen werden.
„Ich möchte in der ersten Zeit so viele Menschen wie möglich kennenlernen. Unsere Mitglieder, die Sportlerinnen und Sportler, die Mitarbeitenden und Partner – ich freue mich schon sehr darauf“, sagt Hartmann. Er wird nämlich schon früher als geplant für den LSVS arbeiten. Bereits Anfang Mai wird er bis zur Übernahme seiner eigentlichen Aufgabe als Mitarbeiter eingestellt und nutzt die folgenden zwei Monate zur Einarbeitung, ehe der Dienstvertrag als LSVS-Vorstand greift. Derzeit ist Hartmann noch bis 30. April als Major der Reserve bei der Bundeswehr tätig. Eigentlich ist er von Hause aus kein Vereinssportler. Dem Sport, vor allem dem organisierten Sport, hat er sich über viele Jahre beruflich angenähert. „Ich laufe und schwimme ganz gerne – auch, wenn man mir das nicht direkt ansieht“, sagt er schmunzelnd und ergänzt: „Ich kann mich leicht für Sachen begeistern und dann für 100 Prozent dahinterstehen und mich dafür einsetzen.“ So schlägt sein Herz inzwischen für den Rugbysport und den FC Schalke 04. Doch der Reihe nach.
Geboren in Magdeburg, Studium in Bonn
Nach dem Abitur in seiner Heimatstadt Magdeburg zog es Florian Hartmann zum Studium nach Bonn. Allerdings ohne Plan, welche Fächer er dort überhaupt studieren sollte. „Ich fand die Stadt ganz spannend“, erklärt er rückblickend: „Gerade als ostdeutsches Kind fand ich die Zeit rund um die Wende total interessant. Und Bonn spielte als frühere Hauptstadt eine wichtige Rolle. Das hat mich gereizt.“ Mithilfe der Studienberatung vor Ort fand er schließlich auch ein passendes Studienfach: Geografie. Mit Politik und Öffentlichem Recht als Nebenfächern machte er sein Diplom. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Büro des CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer startete Hartmann seine berufliche Laufbahn. In Berlin kümmerte er sich vor allem um die Wahlkreisarbeit und jene im Sportausschuss, dem Mayer angehörte.
Nach vier Jahren in der Politik erfüllte sich Hartmann, inzwischen gut vernetzt im deutschen Sport, den Wunsch nach einem neuen Arbeitsfeld mit einem Engagement beim Fußball-Traditionsverein FC Schalke 04. Bei einem der letzten großen Vereine in Deutschland, der den Spielbetrieb nicht in eine andere Gesellschaftsform ausgegliedert hat, war er als Beauftragter für Mitgliederinteressen inhaltlich wie organisatorisch für die Mitgliederversammlungen verantwortlich. Später übernahm er die Leitung der Mitgliederabteilung, die für rund 150.000 Mitglieder verantwortlich ist. Gegen Ende seiner siebenjährigen Zeit „auf Schalke“ war Hartmann Leiter des Servicecenters, was über die Mitglieder-Thematik hinaus das Ticketing, die Spieltagsorganisation und weitere Events in der vereinseigenen Veltins Arena beinhaltete.
Im Februar 2021 übernahm Florian Hartmann die Funktion des für alle Gäste verantwortlichen Direktors der Special Olympics Weltspiele, die 2023 in Berlin stattfanden. Nach diesem überaus erfolgreichen Großevent kehrte er zurück nach Nordrhein-Westfalen, genauer nach Düsseldorf, wo er zwei Jahre lang für ein junges Start-up im Ticketing-Bereich die Kundenbetreuung aufgebaut hat. Nachdem sich die Wege in beiderseitigem Einvernehmen trennten, ist er seit Oktober 2025 als Reservist bei der Bundeswehr tätig. Auch im Ehrenamt hat Hartmann den Sport in Deutschland kennengelernt. Seit 2021 ist er bei Rugby Deutschland (früher: Deutscher Rugby Verband) als Vorstand Struktur und Entwicklung „für alles zuständig, was nicht mit dem Sport an sich und den Finanzen zu tun hat“, sagt er. Zudem ist er Geschäftsführer der Rugby Marketing GmbH Eventagentur.
„Bemerkenswerte“ Arbeit im Vorstand
Über das Ehrenamt kam Florian Hartmann auch erstmals mit dem Saarland in Kontakt. Vor zwei Jahren nahm er in seiner Funktion als Rugby-Vorstand an der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in der Multifunktionshalle am Sportcampus Saar teil. „Ich bin damals tatsächlich eine Nacht länger hiergeblieben und hatte mir den Weihnachtsmarkt angeschaut“, erinnert er sich an die Umsetzung eines Tipps von Christiane Krajewski, der Präsidentin von Special Olympics Deutschland. Er hatte die Saarländerin im Rahmen der Weltspiele in Berlin kennengelernt. „Sie hat mir auch den St. Johanner Markt empfohlen“, erzählt Hartmann. Im September 2025 folgte dann der zweite Besuch am Sportcampus Saar. Die Rugby-Nationalmannschaft war zum Trainingslager angereist und Hartmann stattete ihr einen Besuch ab. „Den Sportcampus dann auch noch mal in Action zu sehen, war schon beeindruckend. Damals wusste ich noch gar nicht, dass ich mich hier bewerben würde“, sagt er und betont: „Was wir hier haben, muss allen präsentiert werden. Der Sportcampus bietet bei Weitem mehr als andere Standorte – selbst in größeren Städten.“
Auch im Bereich der Professionalisierung im Sport sieht Hartmann den LSVS nach der Strukturreform infolge des Finanzskandals Ende der 2010er als „Paradebeispiel“: „Was die beiden Vorstände in den vergangenen fünf Jahren geschaffen haben, ist schon bemerkenswert. Es muss die Aufgabe ihrer Nachfolger sein, diese Arbeit fortzuführen“, sagt er. Im Zentrum stehe die Rolle des LSVS als Dienstleister für die Fachverbände. Denn auch sie sollen professionellere Strukturen gestalten. Hartmann möchte auch eigene Akzente setzen. Beispielsweise das Nachschärfen des Sportentwicklungsplans gemeinschaftlich mit dem Aufsichtsrat. Dabei genieße das Thema Safe Sport, also das Einsetzen für einen gewaltfreien, sicheren Sport, hohe Priorität.
Über die Sachthemen hinaus will Florian Hartmann aber vor allem eines sein: sichtbar, ansprechbar für die Mitglieder. Der Vertrag des 43-Jährigen mit dem LSVS läuft satzungsgemäß fünf Jahre. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es mehr werden: „Ich will hier heimisch werden“, sagt er und verrät, dass er sich schon nach der nächstgelegenen VHS umgesehen hat. „Um mich dem Thema Französisch zu nähern. Mit meinem Schul-Spanisch komme ich hier in der Grenzregion sicher nicht weit“, ist er sich sicher. Da helfen Französischkenntnisse und das Wissen über die Dreifaltigkeit des Schwenkers schon eher.