Die moderne TAVI-Methode ersetzt verengte Herzklappen ohne offene Operation. Unter der Leitung von Dr. med. Fernando Gatto gilt das Herzzentrum am SHG Klinikum Völklingen als eines der erfahrensten Zentren im Südwesten.
Herr Gatto, die Kardiologie am SHG Klinikum Völklingen hat sich einen besonderen Namen gemacht und ist zertifiziertes Zentrum für die sogenannte TAVI-Methode. Was versteht man darunter und wo wird sie eingesetzt?
TAVI steht für Transkatheter-Aortenklappenimplantation. Dabei handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren, bei dem eine künstliche Herzklappe über einen Katheter – meist über die Leistenarterie – bis zum Herzen vorgeschoben und dort implantiert wird. Eingesetzt wird die Methode bei Patientinnen und Patienten mit einer hochgradigen Aortenklappenverengung, der sogenannten Aortenstenose. Besonders ab einem Alter von etwa 70 Jahren zieht man die TAVI-Methode in Erwägung, da sie für ältere Menschen deutlich schonender ist und eine rasche Erholung ermöglicht. Die TAVI-Methode hat die Behandlungsmöglichkeiten revolutioniert.
Beschreiben Sie einmal, wie eine solche Operation im Vergleich zur traditionellen Methode abläuft.
Früher war die einzige Option der chirurgische Aortenklappenersatz am offenen Herzen. Dabei muss der Brustkorb eröffnet und die Herz-Lungen-Maschine eingesetzt werden – ein Eingriff, der mehrere Stunden dauert und eine lange Erholungszeit erfordert.
Bei der TAVI dagegen erfolgt der Eingriff über einen Katheterzugang, meist in der Leiste, ohne Eröffnung des Brustkorbs. Sollte dieser Zugang nicht möglich sein, können wir die Klappe alternativ auch über die Schlüsselbeinarterie oder über die Herzspitze implantieren. Die Prozedur dauert in der Regel nur 30 bis 60 Minuten. Die Patientinnen und Patienten sind sehr schnell wieder mobil und können nach wenigen Tagen entlassen werden.
Welche Patienten kommen für die TAVI-Methode in erster Linie infrage, und gibt es besondere Risiken?
Die TAVI war ursprünglich für ältere, gebrechliche Menschen entwickelt worden, die eine Operation am offenen Herzen nicht mehr hätten verkraften können. Heute setzen wir die Methode auch bei Patienten mittleren Alters mit zusätzlichen Erkrankungen ein. Wie bei jedem Eingriff bestehen Risiken – zum Beispiel Blutungen oder Herzrhythmusstörungen –,
insgesamt ist die TAVI aber sehr sicher und weltweit etabliert.
Wie lange dauert die OP und findet sie unter Vollnarkose statt?
Die meisten TAVI-Eingriffe dauern etwa 30 bis 60 Minuten. In vielen Fällen reicht ein sogenannter Dämmerschlaf, eine leichte Sedierung. Nur selten ist eine Vollnarkose erforderlich.
Wird die Methode auch bei jüngeren Patienten eingesetzt?
Bei jüngeren Menschen wägen wir besonders sorgfältig ab. Die Haltbarkeit der TAVI-Klappen ist sehr gut und mit chirurgischen Bioprothesen vergleichbar, doch fehlen naturgemäß Langzeiterfahrungen über zehn Jahre und mehr. Daher bleibt bei sehr jungen Patienten die klassische Operation oft die bevorzugte Methode.
Wie viele TAVI-Operationen wurden in den vergangenen Jahren in Völklingen durchgeführt und mit welchen Erfahrungen?
Wir führen pro Jahr knapp 250 TAVI-Prozeduren in unserem Herzzentrum durch. Unsere Ergebnisse entsprechen höchsten internationalen Qualitätsstandards, was sich auch in der Zertifizierung widerspiegelt. Das macht uns zu einem der erfahrensten Zentren im Südwesten.
Warum gibt es weiterhin die
Operation am offenen Herzen mit entsprechend langer Anschlussheilbehandlung?
Für bestimmte Patientengruppen bleibt die Operation die beste Lösung – etwa bei sehr jungen Menschen oder wenn gleichzeitig andere Herzoperationen durchgeführt werden müssen. TAVI und Chirurgie sind keine Konkurrenz, sondern ergänzen sich sinnvoll. Wichtig ist, dass wir gemeinsam im sogenannten Heart-Team für jeden Patienten die individuell beste Therapie auswählen.
Wie verläuft die Anschlussheilbehandlung nach der TAVI-Methode?
Im Vergleich zur klassischen Operation ist die Rehabilitation deutlich kürzer. Viele Patientinnen und Patienten können nach wenigen Tagen wieder in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren. Wir empfehlen jedoch eine kardiologische Reha, um die Belastbarkeit zu verbessern und die Lebensqualität langfristig zu sichern.
Braucht man eine vorgegebene OP-Zahl, um zertifiziertes TAVI-Zentrum zu sein? Gibt es im Südwesten weitere vergleichbare Zentren?
Ja, die Zertifizierung setzt eine Mindestanzahl an Eingriffen sowie die Einhaltung strengster Qualitätsstandards voraus. Im Südwesten gibt es nur wenige Zentren mit vergleichbaren Zahlen und Erfolgsraten. Das SHG Klinikum Völklingen nimmt hier eine besondere Rolle ein.
Eine persönliche Frage: Sie sind seit vergangenem Jahr Chefarzt der Kardiologie in Völklingen. Sie sind im Saarland aufgewachsen, Ihre Familie stammt jedoch aus Kalabrien in Italien. Kann man davon ausgehen, dass Ihnen Ihr Werdegang nicht in die Wiege gelegt wurde?
Das stimmt. Meine Familie hatte keinen medizinischen Hintergrund, mein Weg war keineswegs vorgezeichnet. Aber genau das hat mich motiviert, meinen beruflichen Weg mit Leidenschaft, Fleiß und Beharrlichkeit zu gehen. Heute erfüllt es mich mit Stolz und Dankbarkeit, in meiner Heimat Verantwortung zu übernehmen – für die Menschen, mit denen ich mich besonders verbunden fühle.