Sterne und ihre Konstellationen haben Einfluss auf unser Leben, sagt die Astrologin Jasmin Rachlitz. Horoskope seien aber keine Handlungsanweisungen, sondern Orientierungshilfen.
Frau Rachlitz, es gibt zwölf Tierkreiszeichen, aber ein paar Milliarden Menschen. Wenn man davon ausgeht, dass Menschen in einem Horoskop etwas sehen, das etwas mit ihnen persönlich zu tun hat, ist das eine ziemlich vertrackte Ausgangslage. Das wirkt schon schräg.
Zu Recht auch. Bei der eigentlichen As-trologie, so wie sie der – ich sage das jetzt mal so – seriöse Astrologe betreibt, wird ja wesentlich mehr berechnet. Das Stern- beziehungsweise Tierkreiszeichen ist ja nur ein kleiner Teil eines persönlichen Horoskops. Es wird ja mehr berechnet, etwa die Planetenstände von Merkur, Venus, Mars und so weiter. Dann natürlich der Mond. Berücksichtigt werden auch die Geburtszeit und der Geburtsort. Dann wird der astrologische Kreis mit den zwölf Häusern berechnet. Und da gibt es dann schon große Unterschiede, denn der Kosmos steht ja nicht an jedem Tag im Jahr und in unterschiedlichen Jahren gleich. Die Planeten haben unterschiedliche Geschwindigkeiten. So läuft der Mars in zwei Jahren einmal um die Sonne, der Jupiter braucht zum Beispiel dafür zwölf Jahre. Und so sieht dann ein persönliches Horoskop, mit dem ich arbeite und meine Beratungen ausführe, schon ganz anders aus.
Wenn jemand zu Ihnen kommt, muss er also erstmal Informationen mitbringen.
Ja, genau so ist es. Geburtstag und Geburtsort sind meistens ja klar. Die Geburtszeit kann man bei dem Standesamt abfragen, bei dem die Geburt gemeldet worden ist. Damit kann man dann so ein Horoskop erstellen.
Mal angenommen, jemand bringt alle erforderlichen Daten zusammen. Was kann so ein Horoskop dann leisten? Darf man das dann als Anleitung fürs Leben nehmen? Oder was macht man damit?
Es ist eine Orientierungshilfe, eine Entscheidungshilfe. Es ist eine Reflexion des Sternenhimmels auf das persönliche Schicksal. Es zeigt eine gewisse Prägung und Neigung. Es ist eine zuverlässige Angelegenheit. Man kann schon sehr große Unterschiede herauslesen: ob jemand nun besonders temperamentvoll, besonders kommunikativ und geeignet ist, mit vielen Menschen gut umgehen zu können, oder ob er eher der verschlossene Typ ist. Solche Grundtendenzen sind relativ leicht erkennbar. Was auch hochinteressant ist, sind Prognosen oder zeitliche Tendenzen, die man erkennen kann. Die Leute sagen immer: „Na ja, das wird dann vielleicht eine Art selbsterfüllende Prophezeiung sein, wenn jemand weiß, dass er in einem Jahr einen schwierigen Aspekt hat, und dann empfindet er das auch so.“ Was ich immer gerne gemacht habe in den vielen Jahren meiner Beratung: das Horoskop auch rückwirkend beleuchtet. Da wusste ich ja von den Leuten nichts. Wenn ich dann besonders signifikante Konstellationen im Horoskop gesehen habe, habe ich nachgefragt, ob in diesem Jahr eine bestimmte Belastung stattgefunden hat. Das war immer sehr zuverlässig. Und das hat mich im Laufe der Jahre sehr fasziniert.
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist ein Horoskop eine Analyse. Mit seinem Leben muss man dann aber schon selbst zurechtkommen.
Hundert Prozent richtig. Es ist eine Orientierungshilfe. Man kann dabei in die Tiefe gehen. Wobei manchmal von einem Astrologen mehr erwartet wird als in der Seelsorge. Der Psychologe hört zu, weiß bestimmte Mechanismen zu deuten in den Leben und Charakteren der Menschen. Aber manchmal kommen Menschen zum Astrologen und erwarten eine Art Komplettlösung fürs Leben. Da muss ich die Erwartungen natürlich enttäuschen. Aber es ist schon so, dass die Qualität der zeitlichen Einordnungen von Dingen sehr gut ist. Man kann auch unterscheiden, welche Themen gemeint sind. Ob es private Bereiche sind, ob zum Beispiel das Dating erfolgreich ist. Oder eben wirtschaftliche Dinge, etwa Investitionen oder andere geschäftliche Entscheidungen. Das muss ich sagen: Das ist relativ zuverlässig. Eine Garantie ist es nicht. Wenn ein Astrologe sagen würde, dass man sich von jemandem trennen sollte – so was geht gar nicht. Das ist total übergriffig.
Beim Lesen von Horoskopen in Zeitungen und Zeitschriften hat man ja nicht selten den Eindruck, dass das, was da steht, irgendwie für jeden passt. Wenn ich so was lese, habe ich manchmal großen Respekt – nicht vor einer Astrologen-Leistung, sondern vor den sprachlichen, den lyrischen Fähigkeiten derjenigen, die das formuliert haben. Wie ernst kann man solche Horoskope nehmen?
Das kommt natürlich ganz darauf an, welcher Zeitraum da angesprochen ist. Ein Tageshoroskop kann natürlich immer nur eine Art positiver, zuversichtlicher Ausblick sein. In der Zeit, in der ich meine Tageshoroskope geschrieben und veröffentlicht habe, habe ich schon immer auf so Dinge geachtet, wie dass der Mars im astrologischen Sinne im Widder unterwegs ist. Dann kann man schon beim Widder schreiben, und auch beim Löwen oder Schützen, die alle drei Feuerzeichen sind, dass man im Moment über sehr viel Energie verfügt und einen sportlichen Wettbewerb vielleicht leichter gewinnt als zu anderen Zeiten. Solche Dinge kann man da schon einfließen lassen. Anders sieht es natürlich bei einem Jahres- oder Monatshoroskop aus. Da kann man schon sehr viel exakter arbeiten und dann auch Dinge erwähnen, die dann auch wirklich spürbar werden – aber natürlich nie so präzise wie mit einem persönlichen Horoskop.
Es sollte also niemanden beunruhigen, wenn im Horoskop steht, dass heute ein blöder Tag wird?
Nein. So was hätte ich auch nie geschrieben. Damit hängt man sich als Astrologe zu weit aus dem Fenster.
Man sollte als Astrologe Menschen also nicht beunruhigen?
Nein, im Gegenteil. Die Astrologie soll dazu da sein, Mut zu machen und Chancen aufzuzeigen. Und wenn etwas ist, was wirklich schwierig ist, dann kann man sich ja auch ein bisschen wappnen und bestimmte Risiken meiden und dadurch wieder etwas Gutes daraus machen.