Die Hitzewelle betrifft uns alle immer stärker und ist gerade in aller Munde. Doch bestimmte Personengruppen, zu denen auch ich gehöre, müssen zusätzlich zur allgemeinen Belastung noch weitere Herausforderungen meistern.
Wie viele Menschen mit geringem Einkommen lebe ich seit meiner Studienzeit noch in einer kleinen Mietwohnung, die sich in meinem Fall direkt in der Saarbrücker Innenstadt befindet. Diese hat selbstverständlich keine Klimaanlage, und ich kann mich schon glücklich schätzen, zumindest einen Ventilator zu besitzen. Bei extrem starker Hitze ist es außerdem zwingend notwendig, schon vormittags die Rollläden herunterzulassen, um wenigstens etwas die Sonneneinstrahlung zu reduzieren. Die damit einhergehende Dunkelheit in Kombination mit Temperaturen weit über 30 Grad sogar in der Wohnung und wenig erholsamen Nächten wirkt sich allerdings sehr ungünstig auf den Schlaf-Wach-Rhythmus aus, sodass ich mich, wenn ich mitten in der Nacht hellwach, aber tagsüber todmüde bin, tatsächlich frage, in welcher Zeitzone ich lebe. Wie verschiedene englische und französische Studien herausgefunden haben, wird das Schlafhormon Melatonin in solchen Situationen nämlich zunächst schlechter abgebaut und die Neubildung verzögert sich. Letzteres ist nicht nur durch die längeren Tage bedingt, sondern auch durch den physiologisch notwendigen Cortisolanstieg tagsüber zur Hitzeregulation. Die Lage spitzt sich je nach Dauer der Hitzewelle dadurch zu, dass selbst am frühen Morgen und späten Abend das Lüften keine Abkühlung mehr bringt, woran natürlich auch die aufgeheizten Wände ihren Anteil haben. Unabhängig davon ist es schwieriger, sich im Freien aufzuhalten, wenn man weder einen Garten noch einen Balkon hat und man sich erst mal dazu aufraffen müsste, mitten durch die Stadt zu laufen, um überhaupt Schattenplätze in der Natur aufsuchen zu können.
Chronische Erkrankungen
Diese unangenehme Situation kann sich allerdings noch verschärfen: nämlich bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes Typ 1 und Hashimoto, einer Autoimmunerkrankung, bei der laut dem Deutschen Schilddrüsenzentrum die Schilddrüse durch Antikörper und eine anschließende Entzündungsreaktion nach und nach zerstört wird. Das Risiko für einen relevanten Elektrolytmangel, das mehr oder weniger alle betreffen kann, steigt nicht zuletzt aufgrund der vermehrten Flüssigkeitsausscheidung bei erhöhten Blutzuckerwerten. Eine damit einhergehende Dehydration wirkt sich in Verbindung mit einer reduzierten Blutzirkulation negativ auf die Insulinwirkung aus, wobei wiederum beachtet werden muss, dass eine anschließende Stabilisierung schnell ins Gegenteil umschlagen kann. Der Teufelskreis setzt sich fort, indem nun ein zusätzlich ausgelöster Cortisolanstieg durch die Blutzuckerschwankungen die Hormone noch mehr aus dem Gleichgewicht bringt und die ohnehin gestörte Schilddrüsenfunktion verschlechtert. Alles zusammen setzt dann nicht nur die Konzentrationsfähigkeit, sondern auch die Stressresilienz und die soziale Kompetenz herab, was einige Mitmenschen direkt zu spüren bekommen. Weitere Folgen können abgesehen davon migräneartige Symptome sowie Verdauungsbeschwerden sein. Bei mir persönlich begünstigt dies aus verschiedenen Gründen einen ständigen Wechsel zwischen Übelkeit und Heißhunger.
Helfen würden also vermutlich nicht nur mir ein ruhiger Rückzugsort und ein abgetrennter Schlafraum, der durch dauerhafte Abdunklung und durch das Verbannen aller technischen Geräte etwas kühler als der Rest der Wohnung gehalten werden kann. Hierzu müssten viele allerdings in eine größere oder zumindest günstiger gelegene Wohnung umziehen, was für Menschen mit geringem Einkommen alles andere als einfach ist. Auch für mich wäre ein zeitnaher Umzug ohne die finanzielle Unterstützung meiner Eltern unmöglich gewesen und ich bin froh, dass meine persönliche Wohnsituation bald besser sein wird!